Buschreiter.de aktuell: CIC*/CIC** Kreuth
Viele Wege führen nach Athen
VON WOLF-DIETRICH NAHR (Text und Fotos)
Athen wirft deutlich seine Schatten voraus: Der Publikum im bayerischen Kreuth sah im Zwei-Sterne-CIC sicherlich mehrere Paare, die ausgezeichnete Chancen auf eine Fahrkarte zu den Olympischen Spielen haben zumal nach ausgezeichneten Leistungen am Wochenende in der Oberpfalz. Die Maßstäbe setzte wieder einmal die dreifache Deutsche Meisterin Ingrid Klimke, die mit ihren beiden Top-Pferden Sleep Late (Foto) und Robinson´s Concord ein starkes Feld hinter sich ließ.Ergebnisse: CIC**/CIC*++ Bilderbuch 1+++Bilderbuch 2
"Beide Pferde haben heute gezeigt, dass sie topfit und richtig gut drauf sind, die Pferde hatten Spaß und überhaupt kein Problem, in der Zeit zu sein", sagte die Doppelsiegerin Ingrid Klimke im buschreiter-Interview. Mit Sleep Late dem Olympia-Pferd von Sydney gab die Amazone den Dressursieg (38.2) schließlich nicht mehr ab und hätte sich mit der Nullrunde im Gelände exakt in der Zeit (7 Minuten) eigentlich eine Nobeluhr verdient gehabt. Mit Concord rückte Ingrid Klimke einen Dressurplatz vor an die 2. Stelle, weil Michael Jung im Cross mit Biosthetique Esprit nach Hindernis 16 das Handtuch warf. Bundestrainer Hans Melzer stellte der Siegerin gleich ein gutes Zeugnis aus: "Ingrid ist auf dem richtigen Weg, die Pferde so zu präsentieren, wie sie es hier getan hat." Gegenüber anderen Mitbewerbern um ein Olympia-Ticket hat Ingrid Klimke allerdings ein Handicap: Sie muss mit beiden Pferden erst noch eine lange Drei-Sterne-Prüfung in der Wertung beenden, um eine Option auf Athen zu wahren. Das Szenario steht: Sleep Late und Concord werden nun am zweiten Mai-Wochenende beim CIC*** in Marbach starten, um dann die Qualifikation beim CCI*** im französischen Saumur (20. bis 23. Mai) anzugehen. "Als Ausweichplan habe ich noch den CCI*** in Bialy Bor im Hinterkopf", so Ingrid Klimke. Ähnliche Pläne bewegen Andreas Dibo
wski, der sich eigentlich über Athen-Formalien keine Gedanken machen müsste: Serve Well und Little Lemon haben gemeinsam mit dem Profi aus Döhle längst die Kriterien erfüllt. Deshalb bleibt ihnen eine lange Prüfung vor einem mögliche Olympia-Einsatz erspart. Allerdings hat Andreas Dibowski offenbar den Ehrgeiz, auch Leonas Dancer (Foto) in seinen Championats-Pool aufzunehmen. Das Pferd hatte nach den Weltreiterspielen in Jerez 2002 pausiert und muss deshalb nun neu qualifiziert werden. Das Versagen des Pferdes beim CNC*** im schwedischen Gärds wertet Dibowski als reinen Ausrutscher. Dort stoppte der Vierbeiner mehrmals, war "durcheinander, völlig von der Rolle". Leonas Dancer, der eigentlich Badminton gehen sollte, fing sich aber bereits im CIC** in Bredeneek und rehabilitierte sich mit dem 3. Platz in Kreuth. Auch ihm steht nun die Tour Marbach/Saumur/Bialy Bor bevor. Bundestrainer Melzer freute sich über die "vertrauensvolle und sichere Runde" von Leonas Dancer. Die polnische Straßenkarten wird bald auch Elmar Lesch studieren. Er hat natürlich in Absprache mit den Pferde-Eigentümern von Andreas Dibowski Ruprecht und Herakles in den Kreis seiner Spitzenpferde aufgenommen. Letzteren ritt er in Kreuth auf den 11. Platz und rechnet sich via Marbach und Bialy Bor Championatschancen aus. "Ein sehr erfahrenes Pferd und ein sehr erfahrener Reiter, die sich nur noch gemeinsam qualifizieren müssen", sagt Andreas Dibowski und hält die Pläne für "sehr vielversprechend". Den Kreuther Auftritt Leschs im Sattel des Schimmels bezeichnete Hans Melzer als "überzeugende Runde". Hinter Hanno Vreden/Limited Edition rangierte an Platz 5 noch einer, der ganz offen über Olympia spricht: Robert Sirch gehört mit Lyonel diesmal dem erweiterten 10er-Kader für Athen an, nachdem er 2003 trotz guter Drei-Sterne-Leistungen den Sprung in die EM-Mannschaft für Punchestown nicht geschafft hatte um dann im September den Vier-Sterne-Klassiker in Burghley zu beenden. Damals blieb die Berufung unter anderem wegen gelegentlich schlechter Parcoursleistungen Lyonels aus. Am Samstag im Kreuther Stadion legte das Paar eine makellose, feine Nullrunde in einem nicht gerade einfachen Parcours hin. "Eine Erleichterung, denn wenn man ständig schlechte Einzelergebnisse vorgehalten bekommt, dann reitet man einfach unter nervlichem Druck", sagte Sirch im buschreiter.de-Interview. Ein Geheimnis der Winterarbeit gibt es nicht zu lüften: "Es waren keine Wunderdinge, wir haben halt an der Basis, an der Rittigkeit über Sprünge gearbeitet", so Sirch. Er will nun zwar ganz konsequent die "normale offizielle Sichtungstour" Marbach-Luhmühlen-Bonn reiten, aber "ohne Stress". Mit Blick auf Athen: "Ich bin sicher nicht die erste Wahl, aber die Chancen sind da, und wenn ich ein Ticket bekomme, dann fahre ich mit", sagte Robert Sirch. Hinter der Vorjahressiegerin Nicole Grimm/Gandus (6.) rangierten die beiden "Nachwuchs"-Stars Michael Jung (der sein zweites Pferd Candle Light gut an 7. Stelle platzieren konnte) und Dirk Schrade. Dessen Unice und Ecrin Raiselle (Foto) trennten auf den Plätzen 8 und 9 nur 1.9 Punkte. Auf Platz 10 folge der Beste der großen österreichische Equipe: Harald Ambros mit Miss Ferrari. Dirk Schrade liebäugelt ebenfalls mit den Olympischen Spielen.Deshalb wird er beim CCI*** im italienischen Pratoni del Vivaro mit Ecrin für die Olympia-Rangliste weitere Punkte sammeln, die dem deutschen Kader und vielleicht ihm selbst zugute kommen
könnten. Doch die lange Prüfung in Rom hat für den Perspektivgruppen-Reiter noch eine andere Perspektive: Sollten sich die Athen-Pläne im August zerschlagen, so peilt das Paar einen Start in Burghley an. Beim CIC** in Kreuth gingen 75 Paare an den Start, 63 waren in der Wertung. Das Gelände von Rüdiger Schwarz und Ralf Ehrenbrink wurde von Trainern und Aktiven gleichermaßen sehr gelobt. "Das Cross ließ ein rhythmisches Galoppieren und motivierende Runden zu", so Andreas Dibowski. Für Bundestrainer Melzer war Kreuth eine "Top-Vorbereitungsprüfung". Ingrid Klimke tat sich als Siegerin mit dem Schwärmen leicht: "Eine supertolle Prüfung, der Aufbau ist irre, die Bodenverhältnisse: Besser gehts nicht." Am Freitag und in der Nacht zum Sonntag hatte es teils heftig geregnet, was den ohnehin guten Bodenverhältnissen allerdings kaum etwas anhaben konnte. Allenthalben gelobt wurde der maßvolle Einsatz technischer "Abfragen", wie eines Oxer mit schmalem Element sowie zweier Ecken jeweils auf gebogener Linie. Die Reiter registrierten erleichtert, dass ihre Vierbeiner immer wieder über Erholungssprüngen verschnaufen konnten. Aus der Zuschauer-Perspektive wurde selten so packender und qualitätvoller Vielseitigkeitssport geboten. Der Zwei-Minuten-Takt ließ die Paare so schnell aufeinander folgen, dass sich für die Zuschauer eine spannende Atmosphäre aufbaute. Der Puls treibende Takt hatte aber auch organisatorische Tücken: Die Strecke führte zwei Mal durch den einzigen Wasserkomplex; deshalb mussten mehrmals Reiter kurz angehalten werden, um "Zusammenstöße" zu vermeiden
Ergebnisse zum Anklicken: CIC**/CIC* (Bilderbuch folgt noch)
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