"Weniger ist mehr"
Sie schwört auf die klassische Ausbildung. So hat sie es von ihrem Vater gelernt und im Laufe der Zeit immer mehr als richtig erkannt. Ihre beiden Leitsätze: „In der Ruhe liegt die Kraft“ und „Weniger ist mehr“. „Das muss man sich einfach jeden Tag sagen, man ist häufig zu perfektionistisch“, erzählt sie. Diese Grundeinstellung vermittelt sie auch in ihrem Unterricht und in ihren Seminaren, hier tritt sie jedoch deutlich kürzer als noch in jüngster Vergangenheit. „Ich will mehr Zeit für meine Familie und Freunde haben“, erzählt sie. Außerdem will sich Ingrid Klimke möglichst in aller Ruhe auf Olympia vorbereiten. Wenn alles nach Plan läuft, wird sie im Sommer gemeinsam mit Abraxxas und Pflegerin Carmen Thiemann fünf Wochen lang unterwegs sein, es wären ihre dritten Olympischen Spiele.
Grand-Prix-Pferd auf der Rennbahn
Sie hat jedoch nicht nur Erfolge in der Buschreiterei im Visier. Zu gerne würde sie an die Zeit vor einigen Jahren anknüpfen, als sie mit Nector im Dressurviereck hoch erfolgreich war. Damals holte sie sich mehrere Platzierungen im Grand Prix und qualifizierte sich für das Weltcup-Finale, wo sie schließlich Siebte wurde. Ein Hoffnungspferd für die nähere Zukunft hat sie bereits im Stall. Der Westfale Damon Hill von Donnerhall ist nebenbei noch Deckhengst, seine Erfolgsliste ist bereits beeindruckend. So wurde der Achtjährige gleich zwei Mal Weltmeister der jungen Dressurpferde, zurzeit wird er von Ingrid Klimke in Richtung Grand Prix vorbereitet. Typisch für den Stall Klimke: Auch Damon Hill darf auf die Rennbahn und in den Springparcours, wird vor dem Dressurtraining im leichten Sitz abgaloppiert und über Cavalletis getrabt.
Mit Jolly Jumper über Baumstämme
Bis zur Klasse M startet Ingrid Klimke bei den Springprüfungen. Auch S-Springen ist sie bereits erfolgreich geritten, hierfür fehlt ihr jedoch nun die Zeit. Schließlich ist bereits der Spagat zwischen Vielseitigkeit und Dressur aufwändig genug, bei alledem darf auch Tochter Greta nicht zu kurz kommen. Die Kleine ist bis zum frühen Nachmittag im Kindergarten. Sie hat ein eigenes Pony namens Jolly Jumper, mit ihm springt die Fünfjährige bereits über Cavalletis und Baumstämme. Häufig begleitet sie ihre Mutter zum Training, zum Beispiel auf eine Geländestrecke oder zum Bundestrainer der Springreiter, Kurt Gravemeier.
Abraxxas über die Bank
„Es heißt ja immer, dass Geländetraining so aufwändig ist. Aber man kann einzelne Elemente auch ohne weiteres auf dem Springplatz trainieren“, meint Ingrid Klimke und zeigt mit Abraxxas auch gleich, wie ein solches Training aussehen kann. Da wird zum Beispiel eine Bank auf den Platz gestellt, als ausgebufftes Buschpferd zuckt Abraxxas dabei natürlich noch nicht einmal mit den Wimpern. Als Training für schmale Hindernisse muss er dann noch über zwei senkrecht aufgestellte Cavaletti-Blöcke springen. Damit er es am Anfang einfacher hat, werden zunächst rechts und links Stangen aufgelegt.
"Kleines Rennpferd"
Einmal in der Woche steht für den von Heraldik xx abstammenden Wallach Galopptraining am Berg auf dem Programm. Sonderlich anstrengend findet er das nicht. „Ich werde am Ende immer gefragt, ob ich überhaupt schon angefangen habe“, lacht Ingrid Klimke über das Training mit ihrem „kleinen Rennpferd“. Auch in den Geländeprüfungen galoppiert der Elfjährige so locker, dass seine Reiterin beim Blick auf die Uhr stets kaum glauben mag, dass sie schon mehrere Minuten unterwegs sind.
Abneigung gegen schlechtes Wetter
Damit Abraxxas auf keinen Fall Langeweile hat, steht bei ihm seit einigen Monaten auch Bodenarbeit auf dem Programm. Eigentlich wurde dies aus Erziehungsgründen für die jungen Pferde eingeführt, bei Abraxxas sorgt sie für mehr Abwechslung im Alltag. Er lernt nun, auf Handzeichen zum Beispiel zu kommen oder stehen zu bleiben. Dem Elfjährigen macht’s Spaß, er ist auch hier eifrig dabei. Eines mag der Wallach jedoch nicht: Wenn er bei schlechtem Wetter auf dem Paddock stehen muss. „Dann stellt er sich mit dem Hintern gegen den Wind und wiehert jedem zu, damit er rein geholt wird“, erzählt Ingrid Klimke lachend.
Müsli und Öl
Einmal in der Woche hat Abraxxas ebenso wie seine Kollegen ganz frei; zum Fressen bekommt er Müsli, außerdem noch täglich etwas Salz und ab und zu Öl. In der Saison gibt es natürlich noch Elektrolyte. In dem Müsli ist auch Hafer, auch wenn vielerorts der Aberglaube herrscht, dass man Vollblütern dies besser nicht füttern sollte. Es könnte sie ja der Hafer stechen. „Ich glaube aber, die Pferde sticht nicht der Hafer, sondern der Umgang“, bringt es Ingrid Klimke auf den Punkt.
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