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Im Cross meist ein entspanntes Lächeln: Beeke Kaack in Aktion (Fotos: Julia Rau)

Porträt Beeke Kaack

Vier Sterne in Luhmühlen brachten den Kick

VON SABINE MAURER

Eigentlich wollte Beeke Kaack beruflich „was Vernünftiges machen“. Und so studierte sie in Kiel Mathematik und Geografie fürs Lehramt, doch zum Glück für den Vielseitigkeitssport überlegte sie es sich dann doch anders. In 2002 schmiss sie nach fünf Semestern ihr Studium. Bereut hat sie diese Entscheidung nicht. „Das war genau das richtige“, ist sich die 29-Jährige sicher. Sie gehört jetzt dem Olympiakader an.

Sinjang in guter Verfassung

Ihr Ziel für dieses Jahr ist natürlich die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Hongkong. Doch die Konkurrenz ist groß, auf der Liste der potenziellen Teilnehmer aus Deutschland stehen insgesamt neun Namen, darunter die Stars der Szene wie Frank Ostholt, Ingrid Klimke und Hinrich Romeike. „Schauen wir mal“, meint Beeke Kaack auf die Frage nach ihren Olympiachancen. Ihr Top-Pferd Sinjang (von Sir Shostakovich) sei auf jeden Fall „gut drauf“.

Platz 8 bei der Premiere

Mit dem 13-jährigen Holsteiner war sie der Newcomer des vergangenen Jahres gewesen: Sie beendete die Europameisterschaften mit dem elften Platz in der Einzelwertung. Dabei hätte sie Anfang 2007 noch nicht einmal von einer Teilnahme an den Meisterschaften zu träumen gewagt. „Der Knackpunkt war Luhmühlen“, erinnert sie sich. Bei dem Turnier in der Lüneburger Heide im Sommer 2007 war sie mit Sinjang zum ersten Mal in einer Vier-Sterne-Prüfung gestartet und überraschend Achte geworden.

Bitte nicht anfassen!

 „Er ist hoch sensibel und ein bisschen speziell“, beschreibt sie ihren vierbeinigen Partner, den sie vor sieben Jahren aus dem Springstall von Thies Luther gekauft hat. Fremde Menschen mag er überhaupt nicht, anfassen lässt er sich von ihnen nur sehr ungern. So kommt es ihm entgegen, dass er ausschließlich von seiner Besitzerin geritten wird.  Diese hat gut zu tun, um zehn Pferde muss sie sich kümmern.

Tagwerk von zwölf Stunden

Ihr Tag beginnt daher in der Regel morgens zwischen 6.30 und 7 Uhr und endet etwa zwölf Stunden später. Das geht an sieben Tagen in der Woche so. „Man muss vielleicht ein wenig verrückt sein“, meint sie. Zurzeit während der Winterarbeit steht viel Dressur und Gymnastikspringen auf dem Programm, mit den jüngeren Pferden startet sie außerdem bei Dressur- und Springturnieren in den Klassen A bis M.

"Dann werden sie leistungsbereiter"

Sie legt Wert auf viel Abwechslung im Alltag der Pferde. So werden sie im Sommer ein- bis zwei Mal täglich geritten, laufen in der Führmaschine, und das ganze Jahr über geht es auf die Koppel. Natürlich werden sie auch viel ins Gelände geritten. Die Hauptsache ist, dass die Vierbeiner sich wohl fühlen. „Dann werden sie auch leistungsbereiter“, sagt Beeke Kaack, die sich für ihre Pferde stets viel Zeit nimmt. Die Vielseitigkeitssaison 2008 beginnt für Beeke Kaack einen Tag nach ihrem 30. Geburtstag, und zwar am ersten April-Wochenende mit dem Turnier in Sahrendorf.

Pendeln mit Pferden und Hund

Im westfälischen Warendorf hat die gebürtige Norddeutsche eine zweite Heimat gefunden. Je nach Turnierplan pendelt sie alle paar Wochen oder Monate mit ihren Pferden und ihrem Hund Rocky zwischen Schmalensee und Warendorf hin und her, und das wird auch noch ein bisschen so weiter gehen. Denn die 29-Jährige ist seit über drei Jahren Berufssoldatin mit Station in Warendorf und hat sich bis Ende September 2008 verpflichtet. Ob sie ihren Vertrag verlängern wird, ist zurzeit noch ungewiss.

Robben und schießen

An ihre zweimonatige Grundausbildung bei der Bundeswehr hat sie nicht die besten Erinnerungen. „Ich war froh, als es vorbei war“, sagt sie. Wie auch die Männer musste sie schießen lernen, durch den Schlamm robben und lange Märsche hinter sich bringen. Dass Frauen bei der Bundeswehr nicht mehr so ungewöhnlich sind, hat sie dort selbst erfahren. In dem 74-köpfigen Zug war Beeke Kaack eine von zwölf Frauen.

Bundeswehr und elterlicher Hof

Seit dieser Zeit bekommt sie Gehalt von der Bundeswehr, außerdem ist die 29-Jährige Mitglied der Perspektivgruppe Vielseitigkeit. „Das mit der Bundeswehr hat sich bei meiner Aufnahme in die Perspektivgruppe so ergeben“, erzählt Beeke Kaack. Geld verdient sie auch zu Hause im schleswig-holsteinischen Schmalensee. Dort auf dem elterlichen Hof sind in den vergangenen Jahren die Schweineställe verschwunden und dafür Pferdeboxen entstanden. Aus Feldern wurden Weiden,  von dort aus blicken die Pferde auf den idyllischen Schmalensee. Auf dem Hof in dem kleinen Ort stehen die eigenen Pferde von Beeke Kaack, Berittpferde sowie die Tiere von Einstellern.

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Den Bundestrainern Hans Melzer und Christopher Bartle macht die junge Top-Reiterin viel Freude (Foto Julia Rau).

Ein Pony für drei

Unterstützung erhält die junge Top-Reiterin von ihren Eltern. Ihrer Familie ist es auch zu verdanken, dass sie überhaupt mit dem Reiten angefangen hat. Ihr Großvater wollte, dass sie und ihre beiden älteren Schwestern reiten und schenkte ihnen ein Pony. Die beiden älteren Kaack-Schwestern verloren jedoch im fortgeschrittenen Teenie-Alter die Lust. Das Nesthäkchen, das bereits im Alter von fünf Jahren mit dem Reiten begonnen hatte, blieb jedoch dabei. Bereits mit sechs Jahren ritt sie ihr erstes Springen und mit neun Jahren ihre erste Geländeprüfung.

Schwere Stürze sind ihr bislang erspart geblieben. „Ich habe da keine Angst. So etwas ist auch Schicksal, und vorsichtig sind wir immer“, sagt sie auch im Hinblick auf die schweren Unfälle im Vielseitigkeitssport in 2007.

Landestrainer begeistert

Ihr Talent war 1990 bei einem Sichtungslehrgang entdeckt worden, zu dem sie recht unbedarft hingefahren war. Sie hatte eine entsprechende Annonce in einer Pferdezeitschrift gelesen und sich kurzerhand mit ihrem Pony Goldina auf den Weg gemacht. Der Landestrainer Detlef Peper war begeistert und nahm das Nachwuchstalent und dessen kleinen Vierbeiner unter seine Fittiche. Doch bereits im Alter von 13 Jahren war Beeke Kaack zu groß für Ponys geworden. Sie bekam ihr erstes Großpferd, es hieß Willy. Er begleitete sie durch die Zeit der Junioren und Junge Reiter. Mit 14 Jahren ritt sie ihr erstes Nachwuchschampionat, ein Jahr später folgten die deutschen Meisterschaften. 1997 gewann sie mit Willy Silber bei den deutschen Mannschaftsmeisterschaften.

Platzierungen in Top-Prüfungen

Seitdem hat sie sich mit verschiedenen Pferden nach oben gekämpft. So holte sie sich im vergangenen Jahr diverse Platzierungen in Top-Prüfungen, so etwa einen vierten Platz mit ihrem bewährten Conti in einer Drei-Sterne-Prüfung. Außerdem wurde sie mit ihm schleswig-holsteinische Landesmeisterin. Aufs Turnier geht es mit großem Lkw mit Platz für fünf Pferde und Wohnabteilung inklusive Bett, Dusche und Sitzecke. Wenn es sein muss, kommt auch noch ein Zwei-Pferde-Anhänger hinten dran.

Praktika bei Ingrid Klimke

Dass sich Beeke Kaack für eine professionelle Karriere als Vielseitigkeitsreiterin und gegen das Lehreramt entschieden hat, ist nicht zuletzt Ingrid Klimke – die übrigens auch einmal Lehrerin werden wollte – zu verdanken. Bei ihr hatte die Norddeutsche zunächst sechs Wochen lang Praktikum gemacht. Das gefiel ihr so gut, dass sie ein Jahr später in 2001 das Praktikum wiederholte – dieses Mal blieb sich gleich ein halbes Jahr. Danach entschied sich für den Reitsport.

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Ein exotisches Bild auf den Turnierplätzen: Die Profireiterin in der Bundeswehruniform bei der Verfassungsprüfung...und locker-entspannt über dem Sprung (Fotos Julia Rau)