Vielseitigkeit in Deutschland
Ein kleiner Busch-Boom im Olympiajahr
VON WOLF-DIETRICH NAHR
Reiter und Organisatoren an der Basis spüren es auf den Turnierplätzen: Der Buschsport hat in den letzten Jahren eine qualitative und quantitative Aufwärtsentwicklung genommen. Die aktuelle Turnierstatistk in Deutschland weist ein deutliches Plus aus. "Wir hatten 2008 ein Traumjahr", sagte Friedrich Otto-Erley, Leiter der FN-Abteilung Turniersport, im buschreiter.de-Interview.
Einer vorläufigen, inoffiziellen Statistik der Deutschen Reiterlichen Vereinigung in Warendorf folgend gab es im vergangenen Jahr gegenüber 2007 gemessen an ausgezahlten Preisgelder und Zahl der ausgeschriebenen nationalen und internationalen Prüfungen bzw. Abteilungen in Deutschland ein deutliches Plus. Die Gesamtsumme der Preisgelder ist demnach von 640.000 Euro auf 690.000 Euro angestiegen. Auch die Zahl der Prüfungen hat signifikant von 885 auf 950 zugelegt.
Geteilte Klasse E
Der Warendorfer Vielseitigkeitsexperte Otto-Erley führt dies auf einen möglichen Olympia-Effekt schon im Jahr des Championates zurück. Gewöhnlich steigen die Zahlen sonst erst ein Jahr danach spürbar an. Außerdem dürfte sich eine Reglementänderung in der Statistik niederschlagen. Mit der LPO 2008 wurde die Vielseitigkeitsklasse E praktisch geteilt: In die Kategorie der WPO-Prüfungen und die der nach LPO ausgeschriebenen Events. Erfolge bei letzteren werden ja seit 2008 offiziell angerechnet, so dass sie in die Gruppe der "registrierten" Prüfungen fallen.
Mehr Geländepferdeprüfungen
Jener E-Effekt spielt allerdings bei den Geländepferdeprüfungen für junge Pferde keine Rolle. Auch hier hat es 2008 ein Plus gegeben: Im vergangenen Jahr gab es 202 Prüfungen für die Nachwuchs-Vierbeiner, während es im Vorjahr noch 189 gewesen sind. "Bei den Geländepferdeprüfungen gibt es eine deutliche Zunahme der Nachfrage", sagte Friedrich Otto-Erley.
Signal für die Zukunft
Dies ist ganz offensichtlich ein wichtiges Signal für die Zukunft des Sports: Es wird veraussichtlich in den kommenden Jahren mehr entsprechend ausgebildete und trainierte Vielseitigkeitspferde geben, die als Sport-Partner bei Buschevents eingesetzt werden können.
Was bringt die Wirtschaftskrise?
Trotz der positiven Statistiken des vergangenen Turnierjahres gibt es bei der FN nur vorsichtigen Optimismus: Phasen wirtschafticher Talfahrten haben sich naturgemäß in der Vergangenheit auch auf die Reiterei ausgewirkt. "Wir haben wiederholt die Feststellung gemacht, dass Wirtschaftskrisen auch den Pferdesport mit einer zeitlichen Verzögerung erreichen", so Friedrich Otto-Erley. Dies müsse 2009 noch nicht durchschlagen, weil ja beispielsweise Sponsorenverträge für die kommenden Saison häufig bereits 2008 oder früher abgeschlossen worden seien. Der Turnierexperte: "Es lässt sich im Moment schwer abschätzen, was 2010 an uns hängen bleiben wird."
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