Buschreiter.de — aktuell: Top-Stuten in der Zucht

Die Hoffnung kehrt zurück

VON WOLF-DIETRICH NAHR

Einer der erfahrensten und profiliertesten Züchter von Vielseitigkeitspferden in Deutschland, Jörg Freiherr von Imhoff, hat auf seiner fränkischen Stutenkoppel zwei Pferde zusammengeführt, die im internationalen Buschsport große Erfolge gefeiert haben und nun ihre Vielseitigkeitsgene an neue Hoffnungsträger weitergeben sollen. Die beiden Vollschwestern Banteer (14) und Bunbury (12, Foto Wolf-Dietrich Nahr). Mit den beiden Vierbeinern aus eigener Zucht versucht der fränkische Adelige das Idealbild hocherfolgreicher Pferde in der Vielseitigkeit weiterzuverfolgen.

Der unbedarfte Spaziergänger denkt beim Anblick der kleinen Herde auf den Koppeln rund um Gut Sellenberg — ein ehemaliger Gutshof mit charmanter Patina — 15 Autominuten südlich des unterfränkischen Würzburg nicht im geringsten an große Events, Turniere mit klangvollen Namen, nicht an die Olympiahoffnungen, die der Züchter und Besitzer Jörg von Imhoff mit Bunbury verbunden hat. Mit einem zotteligen Winterfell haben sich die Stuten gut auf Eis und Schnee vorbereitet. Das Schwester-Duo auf der Wiese im Mainfränkischen dürfte einmalig sein: Beide blicken nach dem Ende ihrer sportlichen Karriere auf glanzvolle Drei-Sterne-Erfolge zurück; es gibt nur wenige Züchter im In- und Ausland, die gleich zwei Schwestern mit solchen Erfolgen selbst gezogen haben.

Die Großeltern und Eltern: Das Achselschwang-Wochenende im Jahr 1977 war für die Familiengeschichte von Bunbury und Banteer ein wahrhaft historisches Datum. Denn dort trafen, nicht bei einer Sterne-Prüfung, sondern einer internationalen S-Vielseitigkeit auf Dressurviereck, Springplatz und im Cross über dem Ammersee ausgerechnet die beiden Großeltern aufeinander. Habicht, der Trakehner Hengst, unter dem nachmaligen Bundestrainer Martin Plewa und Punchestown xx, die irische Vollblutstute, die Jörg von Imhoff ungeritten 5-jährig zum lächerlichen Preis von 890 Pfund auf der grünen Insel erworben und selbst in den Spitzensport gebracht hatte. Habicht und Punchestown xx waren unter den nur sechs Pferden, die im Gelände ohne Hindernisfehler blieben (Foto Hugo M. Czerny). "Das schwerste Gelände, das in Achselschwang je gebaut worden ist", erinnert sich Jörg von Imhoff heute. Während das Paar Plewa/Habicht die Prüfung gewann, machte die irische Stute mit der schnellsten Runde im Cross und einem fehlerfreien Parcours ganze 39 Ränge gut und platzierte sich an 10. Stelle. Und die Süddeutsche Zeitung titelte damals: "Der Husarenritt des Freiherrn von Imhoff." Aus dem Achselschwanger Traumpaar von 1977 ging schließlich der gekörte Trakehner Hengst Parforce hervor, der seine Qualitäten im Springsport unter Gilbert Böckmann bis S-Niveau unter Beweis gestellt hat. Dies ist der männliche Elternteil von Bunbury und Banteer. Den weiblichen Elternteil repräsentiert die selbst gezogene Stute Bachcantate xx von dem deutschen Vollblüter Pasteur xx und aus der irischen Vollblutstute Bellyvergin Lady xx. Bachcantate xx war selbst in Vielseitigkeiten bis Klasse L unter Rainer Panzer erfolgreich. Und Jörg von Imhoff, passionierter Reiter bei irischen Jagden und im Busch. reklamiert für sich, dass er einer der ersten Züchter gewesen ist, der mit Vollblutpferden speziell auf der Mutterseite neue Akzente gesetzt hat, dem Idealtypus des "National Hunt Horse" irischer Provenienz folgend, natürlich stark blutgeprägt, aber im Hinblick auf eine gute Springveranlagung und Ausdauer für lange Distanzen gezogen.

Banteer: Die Parforce-Tochter ist heute 14-jährig und wurde 2003 in Kreuth "in perfektem Zustand" aus dem Sport verabschiedet (Foto Julia Rau). "Eine rührende Zeremonie", erinnert sich Jörg von Imhoff. In der aktiven Zeit wurde die Stute mit allen möglichen Superlativen bedacht. Schon auf der Fohlenkoppel des Gestüts Altefeld in Hessen ließ die junge Stute ihr überschäumendes Temperament erahnen. Carsten Röhnert kanalisierte zunächst die Energie des jungen Pferdes, bevor Katrin Steinheuer, später Mannschaftseuropameisterin der Junioren, in den Sattel der rasanten Stute stieg und sich dabei "wie in der Formel Eins" fühlte, wie es in einem Bericht der Trakehner-Hefte heißt. Sechsjährig kam Banteer dann zu dem erfolgreichen Championatsreiter Dr. Matthias Baumann (Mannschaftsgold Seoul 1988, Teambronze in Stockholm und Barcelona). Der Veterinär denkt mit gemischten Gefühlen an die Stute: "Banteer ist das intelligenteste Pferd, das ich je geritten habe. In meiner Karriere hat mich kein Pferd so oft abgeworfen wie sie." Springsport-Legende Hans-Günter Winkler staute nur noch: "Ich habe noch nie ein Pferd mit so einem Galoppiervermögen gesehen." Besitzer von Imhoff berichtet voller Stolz, dass Banteer ehedem als das "beste Pferde in der ganzen Szene" gegolten habe. Ein wahrer "Busch-Ferrari" sei sie gewesen; eine "Primadonna" ist sie heute noch, die auf der Koppel "alle Stuten mit einem Augenaufschlag im Griff hat". Der Höhepunkt der langen sportlichen Karriere von Banteer war der Drei-Sterne-Auftritt beim traditionell schweren Event im französischen Saumur im Jahr 2000.

Banteers Nachkommen: Die Stute hat inzwischen das "Prachthengsfohlen" Tally ho hervorgebracht, das von dem Hengst Ticiano (V: Tagant xx) abstammt. Banteer ist im Moment von dem in Holstein stationierten russischen Trakehner Heops tragend. Der "genetisch interessante" Hengst bringt Weltcup- und Nationenpreis-Platzierungen mit; mit seinen 1,75 Meter Stockmaß soll er sein starkes Fundament, kräftige Beine vererben. Darauf legt Jörg von Imhoff besonderen Wert. Trotz des hohen Vollblutanteils bevorzugt er für den Spring- und Vielseitigkeitssport Pferde mit einem stabilen Fundament.

Bunbury: Ungleicher können Schwestern nicht sein. Dort der Rennwagen auf vier Beinen zwischen Genie und Wahnsinn, hier die "Musterschülerin", eine liebe, brave Staatsprämienstute, leicht zu bedienen, während Banteer von einem Durchschnittsjockey praktisch nicht reitbar ist. Bunburys Ausbildung und Einstieg in den Sport verdankt Jörg von Imhoff Armin Krüger, Markus Peter und seiner Schülerin Miriam Bray, die die Stute auch für das Bundeschampionat qualifiziert hat. Das Basistraining hat allerdings Jörg von Imhoff über viele Jahr tagtäglich selbst besorgt. Dann probierte Michael Jung die Stute aus und der Eigner hat dabei das Pferd "noch nie so gut gehen sehen" (Foto Julia Rau). Die Saison 2003 sollte dann alle Höhen und Abgründe bereithalten. Auf Zwei-Sterne-Niveau hatte das Paar Jung/Bunbury immer die Nase weit vorne. Bei den ***-Prüfungen in Marbach und Vittel sprang jeweils der sensationelle 2. Platz heraus. Jörg von Imhoff begann damals schon öffentlich seinen Olympia-Traum zu träumen: "Überragende Bewegungen, Mut und Springvermögen zeichnen sie aus, sie hatte alle Voraussetzungen, um ein absolutes Top-Pferd zu werden — und das haben viele nicht nur national so gesehen." Doch all den berechtigten Hoffnungen setzte die "Katastrophe von Boekelo" ein Ende. Beim holländischen CCI***-Klassiker passierte es an einer Kombination im Cross: Bei einem Rumpler zog sich die Stute eine Griffelbeinfraktur und einen fast vollständigen Sehnenabriss zu. "Der schlimmste Tag meines Lebens", ist Jörg von Imhoff auch heute noch sehr betroffen von dem folgenschweren Unfall, den dieses "wunderbare Pferd" erlitten hat. Die Stute ist heute, über zwei Jahre nach dem Vorfall, so weit wiederhergestellt, dass sie mit dem Nachwuchs sogar über die Koppel traben und galoppieren kann, doch an eine Rückkehr in den Spitzensport ist nicht mehr zu denken.

Bunburys Nachkommen: Die Stute war dreijährig von dem deutschen Vollblüter Kanudos xx gedeckt worden. Der Trakehner Bargello hat mit Miriam Bray unter anderem Vielseitigkeiten der Klasse L gewonnen. Von dem deutschen Vollblüter Sunlight xx (Landgestüt Celle) stammt die jetzt vier Monate alte Ballycanew ("Belly") ab.

Jörg von Imhoff, der erfolgreiche Reiter, Richter, Züchter und Pferdemann schlechthin, kann kühl und rational formulieren, welcher Pferdetyp den "neuen Anforderungen in der Vielseitigkeit" entspricht: Hoch im Blut stehende, noble, harte Pferde mit "Schwung und genügend Technik am Sprung", die Grundgangart Trab als neues wichtiges Zuchtziel. Auf der Koppel von Gut Sellenberg, bei den Fohlen und Stuten seiner Zucht, ist der Horseman ganz emotional in seinem Element und kann sich über die Bewegungsfreude seiner Vierbeiner freuen wie ein Kind. Zwischendurch denkt er laut nach: "Wir brauchen Pferde, die brillant sind." Punchestown Lady xx, Parforce, Bachcantate xx, Banteer, Bunbury: Vielleicht wächst auf der fränkischen Koppel wieder ein Vierbeiner heran, heute noch schlacksig und unbeholfen, aber schon bald ein echter Hoffnungsträger, wieder brillant und wieder mit allen Voraussetzungen für den ganz großen Sport. "Denn Zucht ist vor allem Hoffnung." (Siehe zu dem Thema auch "Der Trakehner", 09/2006, Seite 32)

Buchtipp: Jörg Freiherr von Imhoff, Tally-Ho, Weiss'sche Verlagsdruckerei Deggendorf, 3. Auflage, 99 Seiten, 24 Gedichte und Essays rund um das Jagdreiten, Reportagen, geschrieben mit der Poesie eines leidenschaftlichen Pferdemannes mit einer großen Liebe für das Pferdeland Irland. Hardcover, Fadenbindung, farbiger Schutzeinband. Preis: 25.- Euro. Bestellung direkt beim Autor Tel./Fax 0936999444.

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