Buschreiter.de — aktuell: Hoy-Kurs auf dem Hulingshof

Der Reiter hat die Verantwortung

VON PETRA KLEINWEGEN (TEXT UND FOTOS)

Lernen von den weltbesten Vielseitigkeitsreitern: Diese Chance nutzten 14 Reiter und Pferde beim Lehrgang vom 12. bis zum 14. Juni mit Bettina und Andrew Hoy auf dem idyllischen Hulingshof in Kempen (Krefeld).

Der niederrheinische Pferdewirtschaftsmeister Andreas Baumann hat diesen Kurs organisiert und mit einer neu angelegten Spring- und Geländewiese ideale Voraussetzungen geboten. Nicht nur Vielseitigkeitsreiter hatten sich eingefunden, sondern auch einige Springreiter. Die bunt gemischte Gruppe aus Reitern und Pferden unterschiedlichster Ausbildungsstufen bis hin zu internationalen Eventern ließ sich problemlos in das Unterrichtskonzept der Hoys eingliedern.

Grundsätzlich wurde während des gesamten Kursverlaufes an der Festigung der Basis gearbeitet. Die Hoys betonten immer wieder, dass gutes und erfolgreiches Reiten keine Hexerei ist, sondern das Resultat aus dem konsequenten Befolgen der Grundlagen der Reiterei und deren Einbetten in ein klares Konzept.

Zwei Punkte standen während der drei Tage im Vordergrund: die Verantwortung des Reiters für das Gelingen der gestellten Aufgabe und das Reiten in einem gleichbleibenden Rhythmus, unabhängig von den äußeren Gegebenheiten.

Die Verantwortung des Reiters umfasst zunächst die Anweisungen an das Pferd, welche Aufgabe es erfüllen soll. Der Reiter entwickelt ein Konzept, einen Plan von dem, was er zu tun gedenkt, und entsprechend diesem Plan gibt er seine Anweisungen in Form von Hilfen. Er muss in seinen Anweisungen immer eindeutig sein, mit seiner Konzentration und mit seinem ganzen Körper bei der Sache. Er muss aber auch in der Lage sein, rechtzeitig zu erkennen, ob sein Plan umsetzbar ist oder nicht. Dazu gehört auch, gegebenenfalls einen Sprung nicht zu absolvieren oder einen Wechsel nicht abzufragen, sondern statt dessen die Voraussetzungen für ein Gelingen der Aufgabe neu oder besser herstellen. Das kann beispielsweise geschehen durch das Einschalten einer Volte vor einem Sprung, um Versammlung, Tempo und / oder die Geradheit des Pferdes zu korrigieren.

Andererseits muss der Reiter dem Pferd den nötigen Raum geben, um seinen Anteil an der Aufgabe ausführen zu können. Zum Beispiel bringt nicht der Reiter das Pferd durch eine Anhäufung von Hilfen über den Sprung, sondern er schafft eine Situation, die es dem Pferd ermöglicht, den Sprung selbständig auszuführen. Grundvoraussetzungen dafür sind ein ruhiger Sitz, eine ruhige, weiche Hand und ein Bein, das weder am Knie noch am Schenkel klemmt, sondern dem Pferd durch Impulse zur rechten Zeit die Möglichkeit gibt, immer vor dem Schenkel zu bleiben. So manch einer war überrascht, dass sein Pferd erkennbar besser sprang, wenn er es nicht durch tiefes, "aktives" Einsitzen, viel Schenkeldruck und viel Reglementierung mit der Hand über den Sprung zu bringen suchte. Der Reiter muss das Vertrauen haben, dass das Pferd seinen Job auch erfüllt, und es einfach machen lassen. "You got to be a believer", wurde Andrew nicht müde zu wiederholen.

Ein aufmerksameres, bewussteres und vor allem verantwortungsvolleres Reiten liefert die Grundlage für den Hauptpunkt des Hoy'schen Konzeptes: Rhythmus. Es ist Aufgabe des Reiters, dem Pferd einen absolut gleichmäßigen Bewegungsfluss zu ermöglichen, unabhängig von den Gegebenheiten der Umgebung. Auf den Kurs bezogen bedeutete dies praktische Übungen darin, Tempo und Weg so zu wählen, dass Hindernisse genau im Rhythmus überwunden werden konnten — erst eine Bodenstange, dann ein In-Out, dann einzelne Sprünge, mehrere Sprünge, ein ganzer Kurs. Mit zunehmender Erfahrung darin, Wege zu finden, die den Rhythmus des Pferdes unterstützen und nur minimales Erweitern oder Verkürzen des Rahmens (go forward in the rhythm, wait in the rhythm) verlangen, und bei zunehmend balancierterem Sitz und weicherer, aber konsequenterer Hilfengebung gelang es den Teilnehmern, eine vorgegebene Strecke effizienter, harmonischer und kräftesparender für Pferd und Reiter zu durchreiten.

Entsprechend wurden Reiter immer wieder mit Aufgaben konfrontiert, die ihnen deutlich machen sollten, wie sehr das Reiten eine Kopfsache ist. Es ist wichtig, sein Handwerk zu beherrschen, einen guten Sitz, eine saubere, klare Hilfengebung und ein Gefühl für das Pferd und die Situation zu entwickeln. Aber diese Fähigkeiten müssen auch sinnvoll eingesetzt werden können. Der Reiter ist immer derjenige, der die Entscheidungen trifft. Er hat einen Plan von dem, was er erwartet, er braucht den Willen, diesen Plan umzusetzen und gegebenenfalls anzupassen. Die Fähigkeit, den Kopf zu gebrauchen und so das Pferd letztendlich auf schonende und motivierende Weise seine Aufgaben ausführen zu lassen, unterscheidet den guten, erfolgreichen Reiter vom passiven Passagier im Sattel.

Die Stimmung im Kurs war sehr freundlich. Beide Hoys nahmen kein Blatt vor dem Mund und griffen Schwachpunkte der Reiter unnachsichtig auf. Sie verstanden es aber beide sehr gut, konstruktive Lösungsansätze zu vermitteln und positiv bestärkend auf Verbesserungen hinzuwirken. Nie hielten sie sich an den Fehlern auf, sondern thematisierten stets, wie man etwas besser machen könne. Auch hier kam ihr dynamisches Konzept zum Tragen: Wenn etwas nicht funktioniert, dann muss man halt eine andere Möglichkeit suchen, die den gewünschten Erfolg bringt. Es gibt immer eine Lösung, man muss sie nur finden wollen.

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