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Zwei leistungsbereite, spurtschnelle Galoppiermaschinen für Olympia: Andreas Dibowskis FRH Serve Well und Dirk Schrades Be My Guest (Fotos: Julia Rau, links, und Wolf-Dietrich Nahr, Foto auf der Startseite: Dr. Gerit Matthesen)

Buschreiter-Report: Pferde für Hongkong

Gesucht: Ausdauernder Sprinter mit großer Leistungsbereitschaft

VON WOLF-DIETRICH NAHR

Welchen Pferdetypus brauchen die deutschen Vielseitigkeitsreiter, um in Hongkong die Chance auf eine gute Leistung und auf Medaillen zu wahren? Und wie müssen die Vierbeiner auf die extremen klimatischen Bedingungen bei den olympischen Reiterspielen in Asien vorbereitet werden? Die letzten Geheimrezepte für die optimalen konditionelle Vorbereitung und vor allem das Detailmanagement der Buschcracks plaudert keiner aus – wenn es solche Geheimrezepte überhaupt gibt. "Ich habe nicht vor, vieles ganz anders zu machen. Für die großen Prüfungen müssen die Pferde einfach topfit sein", sagte Hinrich Romeike im buschreiter-Interview.

Der Amateur mit großer Championatserfahrung hat deshalb für das fabelhafte Weltpferd Marius Voigt-Logistik nicht etwa das Spezial-Trainingsprogramm ausgearbeitet. Die Devise mit Blick auf die internationalen Championate lautet ohnehin: Die Pferde dürfen nur in der bestmöglichen konditionellen Verfassung an den Start gebracht werden. Auch Romeikes und Marius' Saisondramaturgie folgt der vergangener Jahre: Marbach als "schöner Drei-Sterne-Auftakt". "Da wird konditionell etwas geboten, und man weiß im Frühjahr, wo man steht." Davor vielleicht noch ein Ausflug zum CIC** in Kreuth.

Säuft Marius aus dem Eimer?

Hinrich Romeike macht sich mehr Gedanken über das übrige Management des Holsteiner Schimmels: Wie kann sichergestellt werden, dass das Pferd genügend Flüssigkeit aufnimmt? Von der Entscheidung der Offiziellen – Zulassung von Infusionen – beim Event in Hongkong möchte er sich nicht abhängig machen. Deshalb wird er Marius systematisch rechtzeitig vorher daran gewöhnen, nicht nur aus der Selbsttränke, sondern schlicht – aus dem Eimer zu saufen. "Ich habe hin und her überlegt und das bei den Distanzreitern gesehen. Bei den Ausdauerprüfungen ist es wichtig, dass die Pferde das kennen", so Romeike zu buschreiter.de. Doch wie bringt man ein Pferd dazu, den Eimer zu akzeptieren? Romeike: "Ich habe keine Erfahrung, vielleicht das Futter etwas salzen, damit er Durst kriegt – und üben."

Massive Luftverschmutzung

Welche klimatischen Bedingungen werden die Eventer im August in Hongkong vorfinden? "Heiß und feucht" ist allerdings keine hinreichende Beschreibung. Der FEI-Veterinär Dr. Gerit Matthesen war beim Vorbereitungsturnier in Hongkong und berichtete im buschreiter-Gespräch, dass drei Jahre lang im Rennbahn-Arena-Bereich und an der Geländestrecke die Klimawerte aufgezeichnet worden sind. Demnach kann es während der Prüfungen leicht weit über 30 Grad und eine Luftfeuchtigkeit von 90 Prozent haben, wobei letztere ständig wechseln kann. Hinzu kommt eine massive Luftverschmutzung, die je nach Windrichtung unterschiedlich wirksam wird. Während in Athen die Ventilatoren im Zielraum zu einer Temperaturabsenkung von zehn Grad gesorgt hätten, habe sich in Hongkong die Wirkungslosigkeit der Geräte erwiesen. "Bei der hohen Luftfeuchtigkeit nutzen die Ventilatoren nichts, das gibt nur Nebel und die Temperatur geht nicht runter", sagte Dr. Matthesen zu buschreiter.de. Die Vollklimatisierung der Stallzelte im Geländebereich habe sich hingegen "sehr gut bewährt", berichtete der FEI-Vet.

"...Gehsteige hochgeklappt"

Möglicherweise wird es nicht einmal das Zusammenspiel von Hitze und Luftfeuchtigkeit sein, das die Prüfungsleistung beeinträchtigt: "Wenn eine Taifunwarnung kommt, dann werden in Hongkong die Gehsteige hochgeklappt, dann wird die Prüfung sofort abgebrochen", berichtete Andreas Dibowski. Er steht selbst mit FRH Serve Well und Euroridings Butts Leon auf der Olympia-Longlist und er war 2007 als Beobachter beim Testevent. Gibt es eine Unterbrechung im Cross, dann steht ein Drei-Tages-Fenster offen, der Zeitraum, in dem die olympische Vielseitigkeit zu Ende geführt werden kann. Fortsetzung folgt dann vielleicht am nächsten Tag oder zwei Tage später. "Da ist der sportliche Vergleich schon fraglich", so Andreas Dibowski.

Kürzeres Cross?

Die FEI-Offiziellen bereiten sich zudem darauf vor, die Paare im Gelände genau zu beobachten und bei auffälligen Konditionsschwächen die rote Flagge zu zücken. Das neue Reglement gibt ja ohne große Umstände den Richtern die Möglichkeit. Zudem hat die Ground Jury die Chance, bei extremen Witterungsbedingungen die Geländestrecke zu verkürzen.

"Man muss auch hinfahren"

Man kann analysieren, kritisieren, sich wundern über die Standortentscheidung des IOC. Man kann auch zu dem Ergebnis kommen, dass Reitsport in Hongkong unter den gegebenen klimatischen Bedingungen für Reiter und Pferd mehr als eine Zumutung ist. Man kann auch wie eine Schweizer Dressurreiterin entscheiden, dass es nicht sein muss. "Ich rechne damit, dass einige internationale Spitzenreiter da nicht hinfahren werden", sagte Andreas Dibowski im buschreiter-Gespräch. Allerdings schloss er für alle neun Longlist-Kandidaten der deutschen Equipe aus, dass jemand kalte Füße bekommen könnte. "Das ist alles nicht ideal für Pferde, aber als Profisportler muss man die Entscheidung akzeptieren, und wenn man die Chance hat, bei Olympia zu reiten, dann muss man auch hinfahren", sagte Andreas Dibowski. Auch Dirk Schrade, mit Be My Guest, Huskey und Gadget de la Cere auf der Longlist, ist der Überzeugung: "Es ist sicher nicht so, dass man die Pferde dem nicht aussetzen kann."

"Wir brauchen Galoppiermaschinen"

Welcher Typ Pferd kann das Hongkong-Klima am besten wegstecken? Welches vierbeinige Modell verspricht auch noch sportlichen Erfolg? Erwartungsgemäß spielt der Blutanteil eine gewichtige Rolle. Angesichts des Geländeprofils – hügelig mit kurzen Anstiegen, aber keine langen Berge – meint Andreas Dibowski: "Wir wollen blütige, schnelle, spritzige Pferde, die bis zum Schluss sprinten können." Und auch Dirk Schrade ist sich sicher: "Blutgeprägte Pferde werden es leichter haben." Allerdings ist er der Meinung, dass die Offiziellen die Nominierung nicht allein vom xx-Pedigree abhängig machen sollten. "Man sollte es am Typ Pferd festmachen, der Leistungsbereitschaft und Leistungsvermögen zeigt, wir brauchen Galoppiermaschinen, die das Cross konditionell gut wegstecken können und genügend Reserven für die zwei Springen am nächsten Tag haben." Die Vergabe der Einzel- und Mannschaftsmedaillen wird ja in zwei unterschiedlichen Parcours perfekt gemacht. Möglicherweise wird es nur eine etwa 90-minütige Pause zwischen den Prüfungen geben.

Hightech im Stall

Ähnlich wie Hinrich Romeike sieht Andreas Dibowski trotz oder gerade wegen der "sehr hohen konditionellen Belastung der Pferde" keine gravierenden Unterschiede bei der Trainingsvorbereitung. Die genaue Dosierung der konditionsfördernden Kletter-Einheiten am Berg, des Muskelaufbaus, des Trainings von kurzen Galoppintervallen muss sich laut Dibo im Laufe der Saison in Absprache mit dem Mannschaftstierarzt und den Bundestrainern erst noch entwickeln. Dabei werden die Reiter durch ausgeklügelte Hightech unterstützt: Die vierbeinigen Olympioniken sind seit Anfang Februar mit Datenfernübertragungsgeräten ausgestattet. Damit ist es möglich, täglich beispielsweise die Herzfrequenzwerte der Tiere zu analysieren. "Die Ergebnisse werden aufgelistet und sie geben eine Übersicht über die Trainingssteigerung", so Andreas Dibowski.

Wann, wie und wo dann das Pensum der Pferde gesteigert oder gedämpft wird, wird sich erst Zug um Zug in der Vorbereitungsphase zeigen. "Das muss sich entwickeln, ich lasse alles auf mich zukommen", sagte Dibo.

Badminton bringt den Schub

"Ich werde einen Tick mehr trainieren Richtung Championat – wenn es denn für mich in Frage kommt", hat sich Dirk Schrade vorgenommen. Der Löffel Butter mehr heißt nicht unbedingt "mehr lange Prüfungen", sondern "anspruchsvolle lange Prüfungen". Konkret heißt das: Für die longgelistete 10-jährige Vollblut-Stute Be My Guest steht der Klassiker Badminton auf dem Programm (wie für die 14-jährige Stute Sindy, für die ein Olympiastart aller Voraussicht nach nicht in Frage kommt). Der CCI****-Start bringt nach Dirk Schrades Überzeugung einen deutlichen Schub für die Grundkondition. Allein die Trainingsvorbereitung für den Vier-Sterne-Event bietet die Gewähr, mit einem voll austrainierten Pferd in den Wettbewerb um die Olympia-Tickets eintreten zu können.

Die Uhr für Badminton am ersten Mai-Wochenende tickt bereits: "Wir sind jetzt noch super im Soll", kommentiert Dirk Schrade die Vorbereitung seiner beiden Pferde für das große Ereignis in Südengland.

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