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Olympia-Test-Event: Endergebnis
Zwei deutsche Eventer auf dem vorolympischen Treppchen
VON WOLF-DIETRICH NAHR
Vorolympisches Edelmetall für zwei deutsche Eventer: Die Plätze 1 und 2 machten beim Test-Event in Hongkong Frank Ostholt/After the Battle und Dirk Schrade/Grand Amour unter sich aus.
Mit einem Flutlichtspringen als dritte und letzte Teilprüfung ist in Hongkong die Testprüfung für die Olympischen Reiterspiele zu Ende gegangen. Mit zwei Nullrunden in den beiden Umläufen besiegelte Frank Ostholt (Warendorf) mit After the Battle seinen Sieg. Zweiter wurde sein Stallgefährte Dirk Schrade (Warendorf) mit Grand Amour. "Zwei Deutsche auf dem Treppchen – ich hoffe schon, dass das ein gutes Omen ist", sagte Sieger Frank Ostholt im buschreiter-Interview. "Man fährt zu einem Championat mit einer ganz anderen Einstellung, wenn man ein Turnier in so guter Erinnerung hat." Ostholt bezeichnete es als großen Glücksfall, dass sich die Deutsche Reiterliche Vereinigung zusammen mit anderen Sportföderungs-Institutionen dazu entschlossen hat, den Aufwand für den Olympia-Test in Hongkong genau ein Jahr vor dem Championat unter wettbewerbsnahen Bedingungen zu treiben. "Es gab die politische Entscheidung innerhalb des Verbandes, und wenn man gut abschneiden will, dann ist das nur konsequent."
Die besonderen klimatischen Bedingungen von Hongkong sind nach Meinung von Frank Ostholt nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. "Die Pferde und die Reiter müssen richtig fit sein, damit sie die Strapazen gut verkraften können." Denn was auf die Eventer im August 2008 in Hongkong wirklich zukommt, konnten die Olympiatester im Sattel nur erahnen: Die Temperaturen lagen im Bereich von Ende 20 Grad bis Anfang 30 Grad – bei einer Luftfeuchtigkeit von rund 90 Prozent. Ostholt im Buschreiter-Interview: "Das kann im nächsten Jahr wesentlich heißer sein." Der Mannschaftsweltmeister ist wegen des Klimas insgesamt etwas "unruhig und unsicher". Bei der Ankunft am Flughafen "meint man, man steht im Gewächshaus", sagte Frank Ostholt. Wie drückend schwühl es tatsächlich ist, lässt sich während des Tages wegen der allgegenwärtigen Klimaanlagen nicht immer realisieren. "Wenn man am Morgen aus dem Hotel zum Bus geht, dann dauert es schon fünf Minuten, bis man sich daran gewöhnt."
Eine Lehre aus dem Test-Event: Die rechtzeitige Anreise von Pferden und Reitern ist sinnvoll, weil sich die Jockeys und die Vierbeiner an das spezielle Klima besser gewöhnen. "Die Pferde hatten bis zum dritten und vierten Tag ein kleines Loch, doch dann haben sie sich gut erholt, das hat sich gut angefühlt." Bei den vergleichsweise niedrigen Temperaturen sei auch das Reiten durchaus angenehm gewesen, berichtet der Berufsreiter.
Eine gute Nachricht brachte Frank Ostholt mit: Trotz großer Regenmengen während des Test-Turniers habe sich der Boden im Cross "ordentlich angefühlt". Der Untergrund habe die Wassermassen sehr gut aufgenommen. Manche Unebenheiten und weggetretene Stellen im Gelände wollen die Organisatoren bis 2008 noch beseitigen. "Die sind auf dem richtigen Weg." Die Zwei-Sterne-Prüfung im unteren Bereich konfrontierte die Internationalen mit einem etwas gewöhnungbedürftigen Prozedere: Sie mussten wie im Motorrennsport die etwa 2000 Meter lange Strecke zwei Mal am Stück absolvieren. Die Paare erinnern sich an einen Kurs, in dem im schnellen Wechsel Steigungen und Gefälle folgen, Frank Ostholt beschrieb die Hindernisfolge als "sehr eckig und kurvig". Doch der Team-Weltmeister ist sich sicher: "Das ist ganz weit weg von dem, was im nächsten Jahr kommt, das wird zwangsläufig ganz anders aussehen." Frank Ostholt hat großes Vertrauen in die ausgiebige Championats-Erfahrung von Mike Etherington-Smith: Der Warendorfer erwartet einen ganz reellen Olympia-Kurs, der durch imposante Optik den Reitern und Pferden den nötigen Respekt abfordern werde. "Ich denke, dass das Gelände eine runde Prüfung werden wird, Mike Etherington-Smith baut keine Fallen und keine schlechten Distanzen."
Insgesamt bezeichnete Frank Ostholt die Olympia-Infrastruktur im Reitsport-Zentrum von Hongkong als sehr gut. "Das Stadion, die Plätze für Dressur und Springen, die Stallungen – alles vom Feinsten." Gewöhnungsbedürftig ist für den Seriensieger der Saison 2007 allerdings der Umstand, dass die Geländestrecke etwa eine halbe Autostunde von der Hauptanlage entfernt liegt. Die Pferde werden in Sammeltransporten am Vorabend zum Cross gebracht und beziehen dort Stallzelte. Frank Ostholt: "Wenn ich ehrlich bin: Das finde ich persönlich nicht so gut, aber ansonsten gibt es an der Infrastruktur nichts zu meckern."
"Es war ein guter Test", zog Hans Melzer, Bundestrainer Vielseitigkeit, ein erstes Fazit. "Es ist für uns sicher ein kleiner Vorteil, uns hier unter reellen Bedingungen auf Olympia vorbereitet zu haben und mit dem Umständen vertraut zu sein. Auch wenn wir keinen echten Hitzetest hatten." Die meisten Prüfungstage hatte es geregnet, erst am heutigen letzten Prüfungstag schien vorwiegend die Sonne. "Es hat sich gezeigt, dass wir mit der frühen Anreise, 14 Tage vor der Prüfung, gut gelegen haben, ebenso mit der Trainings-Vorbereitung unserer Pferde. Die endgültige Auswertung aller Informationen und Daten, wie wir hier gesammelt haben, bleibt natürlich abzuwarten", resümierte Melzer weiter.
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