
Buschreiter.
de Ð aktuell: Olympia-Test 2007
VON WOLF-DIETRICH NAHR

Die Teams der erfolreichsten Vielseitigkeitsnationen werden bereits in diesem Jahr mit einem lebensnahen Testturnier die Event-Bedingungen bei der ausgelagerten olympischen Vielseitigkeit in Hongkong nachstellen. Die Vorbereitungen auch fŸr die deutsche Spitzenmannschaft beginnt allerdings schon lange vor dem Zwei-Sterne-Wettbewerb auf asiatischem Boden Anfang August (das Archivbild entstand in Athen, Foto Nahr).
Nach Informationen von
Bundestrainer Hans Melzer rangieren acht Pferde auf einer Longlist fŸr das
Hongkong-Turnier vom 10. bis 13. August. Geplant ist die Teilnahme von vier
Paaren, die erwartungsgemЧ aus
dem Kreis der potenziellen Championatsteilnehmer
rekrutiert werden sollen. Dem Testcharakter entspricht der Umstand, dass je
zwei WarmblŸter und stŠrker blutgeprŠgte Pferde das Ticket erhalten sollen.
Hintergrund: Die Selektoren wollen herausfinden, welcher Pferdetyp am besten
mit den extremen klimatischen Bedingungen in Hongkong zurecht kommt. Hongkong
liegt an der Scheidelinie zwischen der tropischen und subtropischen Zone. Von
Ende Mai bis Mitte September ist es brŸtend hei§, bei sehr hoher
Luftfeuchtigkeit. In dieser Zeit werden Durchschnittstemperaturen von fast 30
Grad erreicht. Besonders ungewohnt ist fŸr MitteleuropŠer die hohe
Luftfeuchtigkeit, vor allem in den Monaten April bis August. Werte von 97
Prozent sind keine Seltenheit. Im April bis September sorgt der Monsum fŸr
gro§e Niederschlagsmengen, vor allem in Form von plštzlichen WolkenbrŸchen. Im
Sommer (Juli-September) ist Taifun-Saison. Deshalb werden die Pferde der
deutschen Spitzenreiter laut Bundestrainer Melzer gezielt auf die besonderen
Anforderungen vorbreitet: WŠhrend des Training werden die Kšrperwerte der
Vierbeiner sehr genau erfasst und ausgewertet, unter anderem Laktat,
Herzfrequenz und Blutwerte. Melzer: ãWir mšchten mšglichst viele Daten
sammeln.Ò Au§erdem greifen die Betreuer auf die umfangreichen Erfahrungen
zurŸck, die die heimische Turf-Szene beim Einsatz von Rennpferden in Asien
gesammelt hat. Das Turnier findet vom 10. bis 13. August und damit am
Wochenende nach der Deutschen Meisterschaft in Schenefeld statt. Der Transfer
der Tiere erfolgt bereits am 28. Juli und damit im gleichen zeitlichen Rahmen
wie 2008 bei den Olympischen Spielen. Den Testlauf nutzen Ÿbrigens auch die
US-Amerikaner, EnglŠnder und Australier. Neben den vier deutschen Eventern wird
es in Hongkong auch noch zwei bis drei Reiter ãzu Fu§Ò geben, potenzielle
Olympioniken, die bei der Gelegenheit auch die Turnier-Infrastruktur, Stallungen,
das TrainingsgelŠnde und die Hotels kennenlernen sollen. Es lŠsst sich
trefflich darŸber streiten, ob denn die olympische Vielseitigkeit ausgerechnet
unter derart extremen klimatischen Bedingungen stattfinden muss, zumal ja
ohnehin nicht am Olympia-Ort Peking gestartet wird und die ganze Disziplin
ausgelagert worden ist. €hnliche Diskussionen gab es schon vor Atlanta 1996.
Allerdings gibt es einen entscheidenden Unterschied: Die GelŠndeprŸfung wird
bekanntlich kein langes Format mit Rennbahn und Wegestrecken mehr haben. Coach
Hans Melzer rechnet mit einer Olympia-Distanz von zehn Minuten bis zehn Minuten
und 15 Sekunden. Zum Vergleich: Die Bestzeit bei der EM in Blenheim lag 2005
bei zehn Minuten und 22 Sekunden. Und noch eine Parallele: Dort wie auch in
Hongkong zeichnet mit Mike Etherington-Smith (Foto) einer der versiertesten Course
Designer weltweit fŸr die GelŠndestrecke verantwortlich. In diesem Jahr wird es
dort allerdings ãnurÒ eine leichte Zwei-Sterne-PrŸfung geben, ãmit wenig
sportlicher AussagekraftÒ, wie Bundestrainer Melzer meint. Die festen
Hindernisse werden in ein hŸgeliges GelŠnde gebaut sein, wobei die Trasse auf
einem Golfplatz-Areal als sehr wetterbestŠndig gilt Ð was bei den zu
erwartenden NiederschlŠgen auch dringend erforderlich ist.
© Verlag Nahr, D-93059 Regensburg/Germany, Wöhrdstr. 49
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