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Extreme klimatische Bedingungen erwarten Pferde und Reiter in Hongkong. Die deutschen Eventer bereiten sich seit Monaten konditionell intensiv vor (Foto Dr. Gerit Matthesen)

Olympia-Vorbereitung der Reiter

Optimale Fitness für extreme Bedingungen in den Subtropen

VON WOLF-DIETRICH NAHR

Auf die Pferde und die Reiter warten bei Olympia in Hongkong extreme subtropische Bedingungen: Temperaturen von weit über 30 Grad, eine Luftfeuchtigkeit um die 90 Prozent, Nächte, die kaum Abkühlung bringen. Die deutsche Vielseitigkeits-Equipe liefert sich keinesfalls fatalistisch dieser klimatischen Waschküche aus. Die Top-Eventer um die Trainer Hans Melzer und Christopher Bartle bereiten sich seit vielen Monaten mit einem ausgeklügelten Programm auf die grenzwertigen Bedingungen vor. buschreiter.de hat mehr über die Hintergründe.

Schlüsselfigur des Menschen-Trainings für die Reiterwettbewerbe in Hongkong ist der Hamburger Unfallmediziner und Chirurg mit sportmedizinischer Ausbildung, Dr. Manfred Giensch. Der 65-Jährige hat nicht nur Erfahrungen bei der Betreuung von Leistungssportlern im Hockey-Bereich gesammelt. Er war selbst im Vielseitigkeitssport zu Pferde unterwegs – und er wäre um ein Haar auch unter den olympischen Ringen geritten: Vor Tokio 1964 stand er auf der Longlist. In den 60er Jahren war er Deutscher Studentenmeister und Hochschulmeister im Springen (1962) und in der Dressur (1964) gewesen. Die Funktion des Mannschaftsarztes der deutschen Buschreiter hat der Hanseate vor den Weltreiterspielen in Aachen 2006 übernommen. Einige der deutschen Top-Eventer fahren auch zu Dr. Giensch nach Hamburg, wenn ernsthafte Verletzungen zu behandeln sind.

Optimale Hilfen nach zwölf Minuten

Er ist eine Autorität, und die Jockeys nehmen seine Ratschläge für die Wettbewerbsvorbereitung ernst. "Die Untersuchungen der sportmedizinischen Institute haben gezeigt, dass die Vielseitigkeitsreiter am intensivsten von allen Sportlern im Sattel belastet sind. Konditionsschwache Reiter können leichter Einwirkungsfehler machen. Deshalb ist eine optimierte Kondition sinnvoll", sagte Dr. Giensch im buschreiter-Interview. Dies hat angesichts des belastenden Klimas rund um die Wolkenkratzer von Hongkong besondere Bedeutung. "Gerade unter diesen extremen Bedingungen bedeutet es sicher eine Leistungssteigerung, wenn der Reiter konditionell in der Lage ist, auch nach zehn oder zwölf Minuten im Gelände optimale Hilfen zu geben."

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Der Mannschaftsarzt der deutschen Vielseitigkeitsreiter, Dr. Manfred Giensch (zweiter von links) im Gespräch mit Rüdiger Schwarz, Michael Spethmann, Vorsitzender des DOKR-Vielseitigkeitsausschusses, Hans Melzer und Christopher Bartle (Foto: Kaup)

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"Sehr gute Ergebnisse"

Bereits seit dem Vorbereitungsjahr 2007 prägt das Wechselspiel von Gesundheits- und Konditionschecks und Training das Programm der Kaderreiter. Der Hamburger Mediziner und die Eventer arbeiten dabei eng mit den Instituten für Sportmedizin an den Universitäten in Münster und Hamburg sowie mit dem Sportmedizinischen Institut der Bundeswehr in Warendorf zusammen. Im Frühjahr 2007 mussten die potenziellen Olympioniken auf den Leistungsprüfstand – durchaus mit akzeptablen Ergebnissen. Bei den Tests wurden "gute bis sehr gute Ergebnisse erzielt". Bei keinem der "Kader-Mitglieder wurden grundsätzliche Defizite in der Belastungsuntersuchung festgestellt", heißt es in einem Rundschreiben an die Top-Eventer vom Juni 2007.

Doch Mediziner, Trainer und Reiter haben sich in den Wochen vor dem Testturnier im August nicht auf den guten Befunden ausgeruht: Steigerung der Grundkondition lautete die Aufgabe in den acht Wochen vor Hongkong.

Trainieren wie die Olympiareiter

Wer will trainieren wie die Olympiareiter? Der Übungsplan sah gezieltes Lauftraining mit zwei bis vier Laufeinheiten pro Woche vor. Dadurch sollte eine Senkung des Ruhepulses, ein verbesserter Blutdruck und eine Steigerung der Belastbarkeit erreicht werden. Den Sportlern war vorgegeben, dass sie in den ersten zwei Wochen Dauerlauf und Intervalldauerlauf von 30 bis 40 Minuten machen und dann die Trainingseinheiten auf 50 bis 60 Minuten ausdehnen. Zu Beginn war nicht zu schnelles Laufen gefordert. "Locker und entspannt bleiben", lautet die Trainingsanweisung der Mediziner.

30 Minuten Programm

Die ersten zehn bis 15 Minuten dienen dem Einlaufen. Nach 20 bis 30 Minuten "Programm" folgt das zehn- bis 15-minütige Auslaufen zur Erholung. Zu Beginn des achtwöchigen Programms wechseln die Sportler zwischen dem Gehen und dem Laufen ab: Während zunächst die Gehpausen überwiegen, sollten später die Laufstrecken den Hauptteil des Trainings ausmachen. Die Spitzenreiter bekamen außerdem sehr detaillierte Anweisungen, wie sie die Abfolge des Lauftrainings gestalten sollen.

Puls weit über 200

Dieser Trainingsphase folgte die Erfolgskontrolle: Im Zielraum des Cross von Luhmühlen wartete auf die Olympia-Anwärter in einem Rot-Kreuz-Wagen das Ärzteteam. Innerhalb von zwei Minuten nach dem Durchreiten der Ziel-Lichtschranke wurden Blutdruck, Puls, Sauerstoffsättigung und Lactatwerte gemessen. Erwartungsgemäß zeigten die Apparate eine Pulsfrequenz von weit über 200 an. Und obwohl ja zu Beginn der langen Trainingsperiode bei keinem der Kaderreiter ein irgendwie kritischer Konditionszustand feststellbar war, signalisierten die Resultate von Luhmühlen: "Bei noch besserer Vorbereitung können noch bessere Ergebnisse erzielt werden", so Dr. Manfred Giensch im buschreiter-Interview. Ganz zu Beginn des Fitnessprogramms war bei den Jockeys ein Konditionspotenzial von "63 bis 79 Prozent" festgestellt worden. "Da gibt es eine deutliche Steigerungsmöglichkeit", ist sich Dr. Giensch sicher.

"Maximal gestresst"

Der Mannschaftsarzt ist so realistisch zu akzeptieren, dass diese Konditionsoptimierung sicher nur ein Teil des Tagwerks der Profis im Sattel ist: Stallmanagement, die Arbeit mit den Nachwuchs- und Championatspferden, Lehrgänge, Turniereinsätze häufig mit Abreise schon mittwochs. "Mir ist klar, dass die Spitzenreiter oft maximal gestresst sind, ich denke, das wird ein gar nicht so leichtes Jahr bis August." Jedenfalls hofft er darauf, dass es die Kandidaten schaffen, vier Laufeinheiten auf die Woche zu verteilen.

Auch für die Phase zwischen den Jahren bekamen die Spitzensportler detaillierte Vorgaben: Im November erhielten sie ein Zehn-Wochen-Programm für den Zeitraum bis Anfang Februar "zum Aufbau der allgemeinen Ausdauergrundlage und Ökonomisierung und Stabilisierung von Herz und Kreislauf".

Leichtes Überwinterungsprogramm

Das "leichte Überwinterungsprogramm" sieht so aus: Lauftraining erst 30 Minuten, schließlich 60 Minuten lang an vier bis fünf Tagen: 10 bis 15 Minuten Warmlaufen mit kontrolliertem Wechsel zwischen langsamem und schnellerem Tempo; 20 bis 30 Minuten Intervalldauerlauf mit sechs bis acht "Steigerungsläufen über 100 Meter, so dass eine Herzfrequenz bzw. ein Puls von etwa 150 Schlägen pro Minute erreicht wird; dann zehn bis 15 Minuten erholsames Auslaufen. Diese Phase soll dann Ende Januar enden. Ende Februar ist ein weiterer Check auf dem Laufband sowie Tests in Kreuth oder Luhmühlen geplant. Daran schließt sich wieder eine zehn bis zwölf Wochen dauernde Trainingsphase an. Hinzu kommt eine spezielle Vorbereitung, mit der die Sportler an die hohe Luftfeuchtigkeit in Hongkong gewöhnt werden sollen (die Details behält buschreiter.de für sich. Die Medaillen-Konkurrenten müssen ja nicht alles wissen...).

Das Training wirkt

Das Testturnier im August war nicht nur ein Erfolgserlebnis wegen der Treppchenplätze: Mit durchschnittlichen Pulswerten von um die 150 und verbesserten Lactat-Werten war in Hongkong zu dokumentieren, dass sich das Training ausgezahlt hat.

Doch beim System Reiter-Pferd ist der Mensch nur ein Element. "Wir benutzen unter subtropischen Bedingungen ein Wesen als Partner, das für die Bedingungen nichts kann", sagte Dr. Manfred Giensch im buschreiter-Interview. Sein Part ist die Fitness der Jockeys: "Die Botschaft lautet: Je besser die Reiterkondition, desto einfacher hat es das Pferd."

Wolf-Dietrich Nahr/buschreiter.de

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