FRH Serve Well
"Eine wunderschöne Auszeit"
VON WOLF-DIETRICH NAHR
Die Gerüchteküche bleibt kalt: Nein, es gibt kein irgendwie geartetes Zerwürfnis zwischen Andreas Dibowski und der Eigentümerin des Olympia-Longlist-Pferdes FRH Serve Well, Beate Hohnfeldt. Nein, die hochtalentierte Stute ist nicht etwa verletzt und muss auch deshalb nicht auf Olympia verzichten. Aber es gibt ein ganzes Bündel guter Gründe, einen Start von Serve Well in Hongkong nicht anzustreben (so berichtete buschreiter.de bisher).
"Serve Well in der Badminton-Form des vergangenen Jahres, das wäre ein Traum", sagte Bundestrainer Hans Melzer im buschreiter-Interview. Aber der Coach der Olympia-Reiter muss auf die Badminton-Zweite von 2007 beim Championat unter den fünf Ringen verzichten – eine Entscheidung, die Serve Wells Eigentümerin, die Tierärztin Beate Hohnfeldt, in Absprache mit Dibo und den Bundestrainern getroffen hat.
Persönliche Pläne
"Das Pferd wird 2008 eine wunderschöne Auszeit nehmen", sagte die Eigentümerin im buschreiter-Interview. Die Gründe dafür sind im olympischen Veranstaltungsort, den Startoptionen von Andreas Dibowski, den beruflichen und persönlichen Plänen von Beate Hohnfeld und auch beim Pferd selbst zu finden.
Belastendes Klima
Die Tierärztin mit eigener Praxis ist zunächst ratlos, wie sie bei einem Olympia-Start von Serve Well ihre vier- bis sechswöchige Abwesenheit organisieren sollte. Traditionell begleitet die Veterinärin ihr Pferd auf wichtige Turniereinsätze. Wie gut die Hannoveraner Stute mit geringem Blutanteil die extremen klimatischen Verhältnisse in Hongkong wegstecken könnte? Beate Hohnfeldt hat so ihre Zweifel. Schließlich fänden die olympischen Reiterspiele in einer Jahreszeit statt, zu der es in Hongkong nicht einmal die ortsüblichen Pferderennen gebe.
Mit Boykott nichts zu tun
Einen Verzicht auf Hongkong möchte die Pferdeeignerin keinesfalls als persönlichen Boykottakt verstanden wissen, wobei sie es durchaus für angezeigt hält, dass sich Athleten und Funktionäre zu den Vorgängen in Tibet äußern. Allerdings sollten Sport und Politik getrennt werden. Insbesondere lehnt Beate Hohnfeldt einen Sportler-Boykott grundsätzlich ab: Die Athleten hätten sich über Jahre auf dieses Ereignis vorbereitet und ihr Leben darauf eingestellt. Es sei ein grundsätzlicher Fehler gewesen, Olympia nach China zu vergeben.
Ende der Saison S-Dressur
Schließlich hat Serve Wells Besitzerin die leichte Verletzung der Stute beim CCI**** in Badminton im Hinterkopf ("nichts Dramatisches"). Diese sei zwar voll auskuriert, aber "sie hat ja schon viele Kilometer auf dem Buckel und wir wollten immer ihre Füße schonen". Jedenfalls ist das Pferd topfit für die Turniereinsätze auf dem Dressurviereck und im Springparcours: Beate Hohnfeldt war mit der Stute bei M-Dressuren und L-Springen platziert. Die Eigentümerin hat die Hoffnung, dass sie mit dem Pferd am Ende der Saison eventuell bei einer S-Dressur starten kann. "Es macht einfach viel Spaß, das Pferd selbst zu reiten."
"Darauf habe ich gewartet"
Der Olympia-Verzicht ist umso leichter gefallen, als Andreas Dibowski mit Euroridings Butts Leon sein zweites Pferd auf der Longlist in Portugal qualifiziert hat. "Darauf habe ich gewartet, selbstverständlich hätte ich Andreas Serve Well zur Verfügung gestellt, wenn er keine andere Chance gehabt hätte", sagte Beate Hohnfeldt im buschreiter-Interview.
Serve Well werdende Mutter
Eine fast sensationelle Nachricht: In etwa drei Wochen bekommt Serve Well ein Fohlen. Allerdings ist die Stute nicht selbst tragend, sondern der Nachwuchs wurde im Wege des sogenannten Embryonentransfers erzeugt. Das Serve-Well-Fohlen angeblich noch nicht bekannten Geschlechts wird von der "Leihstute" Gina des Hannoveraner-Verbandsvorsitzenden Manfred Schäfer ausgetragen. Vater ist der Hannoveraner Halbblüter Newcomer (Familie Philipps), der selbst in Luhmühlen, Rodderberg und Achselschwang hoch platziert gewesen ist.
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