Start / Allgemein / Höhepunkte der internationalen Vielseitigkeitssaison 2015

Höhepunkte der internationalen Vielseitigkeitssaison 2015

von Dr. Hans G. Stürmann

Im Mittelpunkt der internationalen europäischen Vielseitigkeitsszene stehen 2015 neben der EM wiederum die Classics-Serie der CCI4* sowie die Nationenpreis-Serie auf Drei-Sterne-Level.

Die zum 32. Mal seit 1953 ausgetragene Europameisterschaft findet vom 10. bis 13. September auf dem Gelände von Blair Castle im schottischen Hochland knapp 50 Kilometer nördlich von Perth statt. Die Chronik des Castle geht bis 1269 zurück und ist eng mit der Geschichte der Herzöge von Atholl verbunden. Seit 1991 werden hier CCI ausgetragen. Das Dressur- und Springstadion umfasst Tribünen mit 2.000 Plätzen. Die von dem früheren britischen Championatsreiter Ian Stark gestaltete Geländestrecke mit festen und transportablen Hindernissen sowie zwei großen Wasserkomplexen verlangt leistungsstarke Pferde, obwohl die Strecken während der letzten Jahre aus dem bergigen Areal mehr in das Parkland verlegt worden sind. EM-Zuschauer sollten sich für Blair Castle rechtzeitig einen Member Pass sichern, um alle Vorteile genießen zu können. Informationen dazu unter www.blair2015.com.

Die Classics-Serie weiterhin gut dotiert

Die Classics-Serie auf höchstem Vier-Sterne-Level schreibt die FEI 2015 zum achten Mal aus und dotiert die fünf Bestplatzierten der Serie mit insgesamt 120.000 US-Dollar (derzeit ca. 106.000 Euro). In der ersten sechs Jahren seit 2008 waren es dagegen mit einem Sponsor 150.000 US-Dollar für den Serien-Champion und insgesamt 330.000 US-Dollar.
Die ersten beiden CCI4* der Serie 2015 fanden bereits im Spätherbst 2014 statt. Ende Oktober im südfranzösischen Pau mit 34 Teilnehmern aus zehn Nationen. Die beiden deutschen Starter, Ingrid Klimke/Hale Bob – die nun die Serienwertung anführt – und Andreas Dibowski/FRH Butts Avedon belegten dabei die ersten beiden Ränge vor dem Franzosen Arnaud Boiteau/Quoriano und der neuseeländischen WM-Vierten Jonelle Price. An dem südaustralischen CCI4* Adelaide nahmen Ende November 14 Australier teil, die außer Megan Jones (2. Rang) international noch wenig bekannt sind.
Die weiteren vier CCI4* der Serie in Lexington/Kentucky (22./26. April), Badminton (7./10. Mai), Luhmühlen (18./21 Juni) und Burghley (3./6. September) werden nun mit einer zahlenmäßig stärkeren Beteiligung rechnen können.
Lexington hat seinen Gesamtgeldpreis auf 300.000 US-Dollar (ca. 265.000 Euro) erhöht und für den in dem CCI4* ausgetragenen Team-Wettbewerb, an dem 2014 neben den USA Teams aus Großbritannien und Kanada teilnahmen, weitere 20.000 US-Dollar ausgeschrieben. In Badminton, wo höchsten 85 Starter zugelassen werden und darum jedes Jahr eine Warteliste geführt wird, beträgt der Gesamtgeldpreis wie im Vorjahr 347.250 Pfund Sterling (ca.425.ooo Euro). Luhmühlen bleibt weiterhin bei 100.000 Euro, hat seinen CCI4* durch Sponsorenverträge aber für weitere vier Jahre finanziell abgesichert.

Deutsche Teilnehmer stark vertreten

Deutsche Aufgebote nehmen voraussichtlich in allen noch ausstehenden CCI4* teil und werden hoffentlich auch unter die zehn Bestplatzierten kommen, die jeweils für die Serienwertung zählen.
Lexington im eindrucksvollen Kentucky Horse Park kennen deutsche Vielseitigkeitsreiter außer Kai Rüder, der 2006 im Gelände des CCI4* ausschied, bisher nur von zwei Weltmeisterschaften: 1978, als Helmut Rethemeier/Ladalco mit seiner Bronzemedaille in der Einzelwertung dem damaligen FEI-Reglement entsprechend die nächste WM 1982 nach Luhmühlen holte und das Team WM-Silber gewann; sowie 2010, als Michael Jung mit Sam Weltmeister wurde, die Mannschaft mit Ingrid Klimke/Butts Abraxxas (13.), Andreas Dibowski/FRH Butts Leon (46.) und dem ausgeschiedenen Dirk Schrade aber nicht über den fünften Rang hinaus kam.
Im April wird man möglicherweise für deutsche Reiter im Horse Park wieder die Daumen drücken können. Für ein größeres Aufgebot, wie es die Briten zumeist entsenden, fehlen allerdings Sponsoren. Denn, so Bundestrainer Hans Melzer, „das Unternehmen würde für jedes Pferd rund 25.000 Euro kosten“. Ingrid Klimke und Peter Thomsen haben ihr Interesse darum zurückgenommen. Für Michael Jung ist derzeit ein Start mit Sam und fischerRocana indessen noch „ziemlich sicher“, sofern das Wetter nicht mit einem langen, frostigen Winter mangels Trainingsmöglichkeiten noch einen Strich durch die Planung macht. „2010 wurde ich dort mit Sam Weltmeister. Darum wollen wir dort auch wieder hin“. Auch für Andreas Dibowski ist der Terminplan mit FRH Butts Avedon noch auf Kentucky ausgerichtet. „Nachdem das DOKR die Ankündigung einer finanziellen Beteiligung zurückgenommen hat, bemühe ich mich, über private Investoren ein Konzept zu entwickeln. Nach der enttäuschenden WM 2010 (zwei wohl unnötige Verweigerungen am Wassergraben eines Coffin) habe ich mit dem dortigen Geländekurs noch eine Rechnung offen“.
Sollte es mit Kentucky nicht klappen, planen Michael Jung und Andreas Dibowski Starts in Badminton. Dort rechnet Hans Melzer zudem mit Ingrid Klimke/Hale Bob, Bettina Hoy/Designer sowie den Nachwuchsreitern Claas Hermann Romeike/Cato und Niklas Bschorrer/Tom Tom Go sowie Lord Shostakovich. Auf diese Paare wird dann der CIC3* Marbach verzichten müssen, der auf dasselbe Wochenende terminiert ist.
Angedacht für den CCI4* Luhmühlen sind danach Ingrid Klimke/FRH Escada JS, Dirk Schrade/Hop an Skip, Peter Thomsen/Cayenne sowie Andreas Dibowski , der dort das Vier-Sterne-Debut des achtjährigen Oldenburgers Hans Dampf und des zehnjährigen Vollblüters It’s me xx plant.

Nationenpreis-Serie 2015 in acht europäischen Ländern

In der Nationenpreis-Serie sind 2015 sieben CICO3* sowie zum Abschluss der CCIO3* Boekelo ausgeschrieben. Gewertet werden für jede Nation die sechs besten Ergebnisse. Neu ist, dass mindestens drei Nationen an den Events teilnehmen müssen, damit sie als Nationenpreise gelten.
Ob eine deutsche Mannschaft bereits an dem CICO3* Fontainebleau (19./22. März) teilnehmen wird, hängt davon ab, ob sich neben Michael Jung und Andreas Dibowski auch Sandra Auffarth entschließen wird, mit Blue Frontier dort zu starten.
„Für uns hat die individuelle Planung sowie die Qualifikation der Pferde unserer Kaderreiter für Olympia Vorrang vor den Nationenpreisen“ wertet Hans Melzer. Er plant aber fest, Teams nach Houghton Hall/GBR (21./24. Mai), Aachen (11./14. August), Waregem/BEL (24./27. September) und Boekelo/NED (8./11. Oktober) zu entsenden. Ob sich für das bei deutschen Reitern beliebte polnische Strzegom (25./28. Juni) eine Mannschaft zusammenstellen lässt, ist noch offen, da dieser CICO3* nur eine Woche nach dem mit der DM verbundenen Luhmühlener CIC3* stattfindet. Ebenso ist ungewiss, ob sich deutsche Teams fürdie restlichen beiden CICO3* in Ballindenisk/IRL (24./26. April) und Montelibretti/ITA (17./2o. September) finden lassen.