Buschreiter.de aktuell: FEI-Eventing-Komitee
Opposition gegen "kurz" sehr mächtig
VON WOLF-DIETRICH NAHR
Die Entscheidung des FEI-Fachausschusses für Vielseitigkeit, des Eventing-Komitees, für das kurze Format der Disziplin bei internationalen Championaten wie Europa- und Weltmeisterschaften stößt in den einflussreichen englischsprachigen Buschreiter-Nationen nach wie vor auf entschiedene Ablehnung. Darauf hat Christoph Hess, deutsches Mitglied in dem FEI-Gremium, hingewiesen und das Votum verteidigt. "Es war ein Drahtseilakt, die richtige sportpolitische Entscheidung zu treffen."

Im Rahmenprogramm des Balls der Vielseitigkeit in Göttingen informierte Hess einen großen Kreis von Aktiven, Funktionsträgern, Sponsoren und Fans des Sports über den Stand der Diskussion (Archivfoto Nahr). Ab 2005 wird neben die klassische lange Prüfung mit zwei Wegestrecken, Rennbahn und Geländeteilprüfung (CCI, z. B. Badminton, Burghley) das so genannte Format CCI short (kurz) treten, bei dem der Geländetag auf das reine Cross ohne die Phasen A bis C schrumpft. Die Reihenfolge der Teildiszipline folgt aber der langen Prüfung (Dressur, Gelände, Verfassungsprüfung, Springen). CCI short soll dann künftig das Format der internationalen Championate sein nur mit besonders langer Geländeprüfung. Künftig werden zum Beispiel alle Europameisterschaften (wie 2005 in Blenheim/England) nach diesem Muster ausgetragen werden wie bekanntlich schon die olympische Vielseitigkeit 2004 in Athen. Daneben wird es weiter die bekannten CIC-Kurzprüfungen häufig mit der Reihenfolge Dressur, Springen, Gelände geben. Um alles aber noch komplizierter zu machen, werden nun die Nachwuchs-Europameisterschaften in diesem Jahr doch als lange Prüfung ausgetragen (während die Senioren über CCI short um Medaillen kämpfen). Komitee-Mitglied Hess nannte den Kurs des Gremiums: "Das olympische Format soll das Format der Zukunft werden." Für den Fachausschuss habe sich klar abgezeichnet, dass er
sich mit dem Festhalten an der langen Prüfung für Championate im FEI-Vorstand nicht hätte durchsetzen können. "Ich bin froh, dass das Komitee die Kraft hatte, diese Entscheidung zu fällen, es hätte sich sonst ins Abseits manövriert", sagte Hess. Andererseits bläst den Ausschussmitgliedern aus den englischsprachigen Vielseitigkeitsländern kräftiger Wind entgegen. Viele Aktive dort seien nachhaltig gegen diese Entscheidung. Bei einem Fachforum vor zwei Wochen hätten einflussreiche englische Experten ihren Widerspruch deutlich geäußert. Die FEI werden mit kritischen E-Mails aus der ganzen Welt regelrecht bombardiert, während die "Kontinentaleuropäer mit der aktuellen Entwicklung sehr zufrieden sind". Der Konflikt lässt sich auch personalisieren: Der internationale Top-Eventer David O´Connor (mit Giltedge in Jerez, Foto Nahr) aus den USA ist inzwischen nicht nur Präsident der nationalen FN, sondern er wird demnächst als ordentliches Mitglied in das FEI-Eventing-Komitee einziehen und er gilt als entschiedener Befürworter langer Prüfungen. Christoph Hess: "Es wird sehr spannend, welche Position er beziehen wird." Das FEI-Gremium muss nun praktisch nachträglich den globalen sportpolitischen Konsens herstellen und "versuchen, die gesamte Welt hinter diese Beschlusslange zu bringen", so Mitglied Christoph Hess. Am Rande der EM 2003 im irischen Punchestown hat das Komitee beschlossen, die Vier-Sterne-Events zu
einer Art Superliga oder Weltchampionat für Einzelreiter zusammenzufassen, um für die Veranstalter Anreize zu bieten. Das FEI-Eventing-Komitee betrachtet das Weglassen von Rennbahn und Wegestrecken als "Riesenschritt", möchte sich künftig noch intensiver dem Thema Sicherheit im Gelände widmen und hofft, dass durch die häufigeren Einsätze bei Kurzprüfungen, das Reiten im Cross verbessert wird. Dennoch werde sich beim nächsten internationalen Championat, den Olympischen Spielen in diesem Jahr, in den Augen der Öffentlichkeit wenig tun: Die "Kurzprüfung" werde dennoch auf vier Tage verteilt werden. Der Geländetag in Athen werde für die Vielseitigkeit "ganz wichtig": "Wir müssen die Pferde top durchs Gelände kriegen." Allerdings lieferte das Testturnier 2003 laut Christoph Hess ein äußerst ernüchterndes Ergebnis: "Es war erschreckend, wie schlecht die Pferde bei der Verfassung am Tag nach der Zwei-Sterne-Prüfung ausgesehen haben", sagte Hess wörtlich. Der hochrangige FEI-Funktionsträger führte dies auf den harten Boden zurück, der sich unter dem "wunderschönen Rasen" verberge. Man erinnert sich an die Bodenverhältnisse bei der WM 2002 in Jerez, wo das knüppelharte Geläuf auf Kritik von vielen Seiten gestoßen war. Händeringend hofft man, das die FEI, die Profi-Reiter-Vereinigung oder wer auch immer alle Hebel in Bewegung setzen, um in den wenigen Monaten eine nachhaltige Verbesserung des Geläufs zu erreichen. Künftig können internationale Reiter leichter im Sterne-Bereich "aufsteigen": Philine Ganders von der FN-Abteilung Turniersport rief in Erinnerung, dass die Eventer nur noch zwei statt bisher drei M-Resultate vorweisen müssen, um auf Zwei-Sterne-Niveau starten zu können. Bereits ein Zwei-Sterne-Ergebnis reicht aus, um bei einer Drei-Sterne-Prüfung eine Starterlaubnis zu bekommen. Die CCI-Ergebnisse verfallen künftig nicht schon nach zwei Jahren, wenn sie durch ein CIC-Kurzprüfungs-Ergebnis "aufgefrischt" werden.
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