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Events 2012

Immer hochmotiviert im Cross: Der Hengst Leprince des Bois mit Kai Rüder (Archivfoto Julia Rau)

Hengste im Vielseitigkeitssport

Vierbeinige Machos spielen ihre Talente aus

VON WOLF-DIETRICH NAHR

Das trauen sich viele Reiter einfach nicht zu: Turnierauftritte mit einem Hengst. Wie ist das unkastrierte Pferd beim Event zu handeln? Darf der Jockey auf einen leistungsbereiten Partner zählen, dem vielleicht die Hormone einen Streich spielen? Zwei deutsche Buschreiter sind mit ihren Hengsten im Moment die Exoten bei den Events – und sie profitieren von den Vorzügen ihrer Pferde-Männer.

Der eine hat schon Weltformat, und nur ein flüchtiger Steher an einem vergleichweise einfachen Sprung in Badminton vereitelte eine Top-Platzierung beim Klassiker: der 11-jährige Selle Francais Leprince des Bois von Kai Rüder. Das Pferd ist genauso Hengst wie der erst 6-jährige Trakehner Gandalf VM, von Miriam Bray fürs Bundeschampionat 2009 qualifiziert und dort auch vorgestellt – und jetzt bei seiner ersten Ein-Sterne-Prüfung im bayerischen Salgen unter Martin Drescher gleich an 10. Stelle platziert.

In fremder Umgebung sehr umgänglich

Beide Reiter haben mit den Hengsten eine Erfahrung gemacht, die der Laie am allerwenigsten erwarten würde: Beim Event, am Abreiteplatz, in der Nähe fremder Wallache und selbst von Stuten gibt es die geringsten Probleme. "In der fremden Umgebung, zum Beispiel auf dem Vorbereitungsplatz, erweist er sich als sehr umgänglich", berichtet Kai Rüder über Leprince. Zu Hause allerdings, wenn beim alltäglichen Reiten bekannte Stuten in der Nähe sind, dann ist der Prinz schon mal abgelenkt.

"Alles so selbstverständlich"

Beides kann Martin Drescher für Gandalf bestätigen: "In der Prüfung lässt er sich relativ gut arbeiten, da können 15 andere Pferde auf dem Abreiteplatz sein, bis jetzt ist alles so selbstverständlich." Aber auch der junge Trakehner lässt daheim schon einmal etwas die geforderte Konzentration sausen. "Da kann es schon mal sein, dass er mehr auf die Stute guckt als auf meine Hilfen zu achten."

Wertvolle Punkte auf dem Viereck

Das Turnier-Ambiente ist also kein echtes Problem – ganz im Gegenteil: Beide Eventer haben die Erfahrung gemacht, dass die Hengste durch ihr männlich geprägtes Macho-Naturell erst einmal auf dem Viereck glänzen und dem Gros der Stuten und Wallache wertvolle Punkte abjagen. Kai Rüder: "Leprince hat eindeutig Imponiergehabe, setzt sich stolz in Szene und zeigt ein Hengstgebahren wie in der Herde. Und dieser Ausdruck bringt ganz sicher ein paar Punkte." Auch Martin Drescher freut sich über die Eigenheiten des Hengstes: "In der Dressur gewinnt das Pferd an Ausstrahlung und ist dabei überhaupt nicht nervig und unkonzentriert."

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Hochkonzentriert bei der Arbeit: Hengst Gandalf VM mit Martin Drescher im Sattel (Foto Melitta Burger)

Aber auch in der Geländeteilprüfung und im Parcours registrieren die beiden Reiter bei den Hengsten Eigenschaften, die ihnen in der Endabrechnung immer Vorteile bringen. "Gandalf ist ein sehr ehrgeiziges Pferd, das versucht, sich zu präsentieren. Im Parcours und im Gelände ist er sehr gehfreudig, am Sprung hellwach, man muss ihn eher bremsen", berichtet Martin Drescher.

Konfrontation vermeiden

Und Kai Rüder weiß genau, wie man mit dem Hengst nicht umspringen darf: Unnötige Konfrontation und Herausforderung erzeugen Probleme, die sich dann bis zum Handling unter dem Sattel fortpflanzen. Seit drei Jahren hat Pflegerin Mary Walter Leprince des Bois unter ihrer Obhut. "Sie hat einen Draht gefunden, im Umgang ist es wichtig, dass man dem Hengst zwar Grenzen aufzeigt, aber den Respekt zum Teil spielerisch gewinnt, ohne zu sehr zu dominieren." Sonst stelle sich Unzufriedenheit ein. Leprince sei ausgeglichen, zufrieden und schön zu reiten.

Käfighaltung verpönt

Ein bedachtes Stall- und Transportmanagement gehört dazu. Die Fahrt gemeinsam mit Stuten kommt für Kai Rüder natürlich nicht in Frage. Das Einstellen beim Turnier ist seiner Erfahrung nach bei rechtzeitiger Anmeldung jedenfalls kein Problem. Der Profi aus Fehmarn denkt auch nicht daran, den Hengst im Stallzelt zu verbarrikadieren und möglichst auch noch Sichtblenden zu anderen Pferden anzubringen. Ganz im Gegenteil: Leprince liebt die halboffenen Tür der Box, wird zum Grasen geführt, bekommt ein kleines Paddock eingefriedet. "Das ist alles kein Problem, eine verhängte Box dagegen, Käfighaltung würde ihn nur aggressiv machen."

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Mit Hengstmanieren punkten: Dressursieger Leprince des Bois in Badminton (Foto Nahr)

Beiden Hengsten, Leprince und Gandalf, ist allerdings gemeinsam, dass sie im Moment in keiner Form im Deckeinsatz sind. "Dem möchte ich am liebsten aus dem Weg gehen, wichtig ist, dass sich das Pferd im Sport behauptet", so Kai Rüder. Vor etwa fünf Jahren wurde schon einmal Tiefgefriersperma von Leprince des Bois angelegt. Für 2011 ist das wieder geplant. Dies soll dann laut Kai Rüder in der turnierfreien Zeit im Winter passieren.

"Im Sport beweisen"

"Gandalf deckt im Moment nicht, er soll sich erst im Sport beweisen, und wenn er gute Erfolge vorzuweisen hat, dann kann er auch decken", meint Martin Drescher. Dann allerdings, so seine Befürchtung, könnte der Trakehner nicht mehr ganz so unkompliziert im Umgang sein. Drescher: "Ich bin glücklich, so wie es im Moment ist."

Das Datenblatt:

Leprince des Bois, 11 Jahre, V: Yarlands Summer Song, aus Cscale des Bois, Züchter: Didier Couton, Frankreich, Besitzer: Continental Invest & Trade, Genf (Schweiz).

Gandalf VM, 6 Jahre, V: Konvoi, aus Ghani bint Khaled ox (MV: Khaled El Assuad ox), Züchterin und Besitzerin: Melitta Burger, Neudrossenfeld.

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In seinem Element: Gandalf VM im Cross (Foto Melitta Burger)

Lesermeinungen

Das A und O ist der Umgang

Ich kann im wesentlichen zustimmen, aber es gibt natürlich individuelle Unterschiede. Ich hatte 3 Hengste im Turniersport, 2 davon wie beschrieben unkompliziert. Einer war gekörter Hengst, ging bis CCI**, liess sich mit Wallachen verladen und ging mit meinen Wallachen auf die Weide. Der zweite, nicht gekört, ging ebenfalls mit meinen Wallachen auf die Weide und war höchstens in der Siegerehrung nicht so ganz unkompliziert. Der dritte war 4-jährig so hengstig auf dem Turnier, dass ich ihn kastrieren liess und dann Ruhe hatte.

Das A und O ist sicher der Umgang zu Hause - wie auch schon im Bericht angedeutet. Dazu möglichst Unterbringung im Privatstall mit konstanter Umgebung und guter konsequenter Behandlung. Der Chic im Viereck kommt z.T. schon vom Äusseren, ein Hengsthals kombiniert mit muskulösem Gesamtbild kann schon ein paar Punkte bringen.

Ein bedeutender Hengst aus dem Vielseitigkeitsbereich, der sich - soweit ich selbst das beobachten konnte - auf dem Turnier auch anständig benahm, war auch Grafenstolz unter Michael Jung.

Helmut Mett

 

Sogar im Juniorensport vertretbar

Im Springsport sind bereits so viele Hengste unterwegs, auch aktive Deckhengste, das ist überhaupt kein Problem, jedenfalls bei den meisten nicht. Im VS-Sport habt ihr noch einen vergessen: Chant Noir, 10j. Trak.R.H. v. Buddenbrock, Rockefeller, Gazal I, Z.: Ulla Silcher, Bispingen, Bes. u. R. Johann Philipp Bechstein.

Die beiden gingen letztes Jahr im Herbst ihre erste 2* Prfg in Langenhagen-Twenge, konnten sich dort platzieren und bekamen einen Sonderpreis für die stilistisch beste Geländerunde. In diesem Jahr haben sie in Hannover die VL gewonnen und waren zweimal gut platziert in CIC**.

Sie dürfen bei der DM Junge Reiter an den Start gehen, also wenn ein Hengst eine gute Kinderstube und Erziehung hat, ist das Thema sogar im Juniorensport absolut vertretbar.

Ulla Silcher

 

Beispiel für Unkompliziertheit

Einen haben wir alle noch vergessen: El Greco - geb. 1995, Trakehner Hengst, gekört und zuchtaktiv, v. Fontainbleau (der auch selber höchst erfolgreich im VS-Sport und Deckgeschäft unterwegs war) u.d. Elchniederung v. Amagun.

El Greco ist seit Jahren bis CCI*** erfolgreich gestartet, immer geritten von Alexa Bendfeldt, die zu Beginn beider Karrieren immerhin auch noch Juniorin war. Sie konnte ihn zweimal zum Bundeschampionat qualifizieren und entwickelte seine Karriere kontinuierlich weiter - auch hier ein Beispiel für die Unkompliziertheit eines Hengstes, wenn er denn eine gute Erziehung hat, das ist eine absolute Voraussetzung, um gefahrlos mit einem Hengst unterwegs zu sein, egal in welchem Sport.

Ulla Silcher

Anmerkung der Redaktion: Es war natürlich nicht beabsichtigt, eine vollständige Aufzählung der Hengste zu veröffentlichen, sondern es ging nur darum, am Beispiel der beiden im Sport aktiven Hengste die Problematik aufzuzeigen. Deshalb sind auch weitere Leserberichte über Hengste im Vielseitigkeitssport willkommen.

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