Buschreiter.de aktuell: Held und Thomsen in Burghley
"Absolutes Highlight im Leben"
VON WOLF-DIETRICH NAHR
Zwei deutsche Spitzen-Eventer vertreten heuer die deutschen Farben beim Vier-Sterne-Klassiker im englischen Burghley (1. bis 4. September 2005): Hans-Heinrich Held mit Salino und Peter Thomsen mit The Ghost of Hamish. Das Duo erlebt ein wahrhaft historisches Turnier: Das letzte CCI**** in England in der langen Form mit Rennbahn und Wegestrecken (Fotos: Julia Rau, Carsten Röhnert und Wolf-Dietrich Nahr).
Peter Thomsen und der 9-jährige The Ghost of Hamish (im Besitz von Harald Salomon und Jürgen Brun, Foto unten) sind Reservisten für die EM in Blenheim - und bleiben dies auch praktisch bis zur letzten Sekunde. Das Szenario, abgesprochen mit den Bundestrainern: Das Paar absolviert in jedem Fall die Dressur in Burghley; sollte es mit einem der sechs Europameisterschafts-Paare im englischen Trainingslager Probleme geben, so könnte Thomsen in Burghley zurückziehen und sich auf die Reise ins nahe Blenheim machen, um doch noch einzuspringen. Während Thomsen vielfache Championatserfahrung und auch schon einen erfolgreichen Auftritt in Badminton (mit White
Girl) hinter sich hat, tritt Hans-Heinrich Held zum ersten Mal auf die ganz große Bühne des internationalen Vielseitigkeitssports. "Das ist das absolute Highlight im Leben", schwärmte der passionierte Eventer aus Massenhausen bei München wenige Tage vor der Abreise im buschreiter-Interview. Er hat schon während der Winterpause 2004/05 bekanntgegeben, dass der Vier-Sterne-Klassiker in Burghley sein Saisonziel ist. Der 11-jährige Salino im Besitz von Fritz Weimer hat sich durch Serien-Platzierungen in Drei-Sterne-Prüfungen, unter anderem durch den Sieg beim CCI*** in Bialy Bor, für die große Aufgabe empfohlen. "Das ist der beste, den ich je hatte", sagte Hans-Heinrich Held schon vorher. Der Erfolg im großen Sport war dem unscheinbaren Vierbeiner nicht in die Wiege gelegt, denn Salino kam eigentlich als "verschenktes Wald- und Wiesenpferd" in den Stall, und er sollte nur zum Ausreiten sicher gemacht werden. Das war mit dem damals sechsjährigen "aufgedrehten, wilden Hund" gar nicht so einfach genau der Typ Pferd, den Hans-Heinrich Held mag. Die Burghley-Pläne schienen Anfang der Saison noch einmal höchst gefährdet: Held war beim Reiten eines anderen Pferdes mit dem Kopf gegen einen Baum geprallt und hatte sich dabei schwere Verletzungen zugezogen. Beide Stirnhöhlen waren eingedrückt; sie mussten mit Eisenplatten rekonstruiert werden. Der drahtige Bayer lag 14 Tage vor dem CCI**** in Luhmühlen noch im Krankenhaus was er mit Erfolg geheimhielt, weil er sonst in der Heide nie und nimmer eine Starterlaubnis erhalten hätte. "Herr Melzer hat mich arg geschimpft", berichtete Held etwas kleinlaut. Mit Salino hatte er trotz des Handicaps
in Luhmühlen eine bemerkenswerte Leistung abgeliefert, auch wenn merklich seine "Kondition im Keller" gewesen sei. Man erinnert sich an Helds atemloses Interview im Zielraum von Luhmühlen. Doch nach der CCI***-Platzierung in Bonn bei der Deutschen Meisterschaft gibt es keine Zweifel an der guten Form von Pferd und Reiter, der trotz der Unfallverletzung inzwischen beschwerdefrei ist. Als Vorbereitung auf Brughley war das Paar in Warendorf, unter anderem für Dressur-Einzelstunden bei Bundestrainer Hans Melzer. "Das hat mich wirklich weitergebracht, ich denke, wir haben viel an den Hufschlagfiguren verbessert." Deshalb hofft Hans-Heinrich Held in Burghley auf eine Dressur unter 60. Burghley kennt der Berufsreiter nur von Videos und den Berichten von Robert Sirch, der den CCI**** 2003 mit Lyonel beendet hat. Deshalb weiß Hans-Heinrich Held, dass ihn aller Wahrscheinlichkeit nach ein "gewöhnungsbedürftiges" Cross erwarten wird. Selbstbewusst verkündet der Eventer, dass er wegen des besonderen Schwierigkeitsgrades nun seinen Stil nicht grundlegend ändern wird: "Ich reite so wie bisher, ich werde mich etwas mehr aufrichten, aber im hohen Rhythmus reiten." In diesem Jahr löst ja Mark Phillips Wolfgang Feld als Course Designer ab. Das Cross weist nicht weniger als 20 neue Hindernisse auf. Phillips:
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