Birkhofs Grafenstolz TSF:
Wunder-Hengst geht nach England
VON WOLF-DIETRICH NAHR
Und noch ein deutsches Top-Vielseitigkeitspferd hat die Reise ins Mutterland des Sports, nach England, angetreten: Birkhofs Grafenstolz TSF steht bereits im Stall des britischen Championatsreiters Oliver Townend.
Wie buschreiter.de am Mittwoch aus verlässlicher Quelle erfahren hat, ist Grafenstolz bereits in England. Dorthin hat ihn der Eigentümer, das renommierte Gestüt Birkhof, verkauft. Der Hengst, der 2004 als Sechsjähriger Bundeschampion und Weltmeister der jungen Vielseitigkeitspferde geworden war, hatte mit dem Reiter Michael Jung aus Baden-Württemberg den Sprung in den Top-Sport geschafft. Das Pferd schrieb Bundeschampionats-Geschichte, weil es das erste gewesen ist, das sich in den Disziplinen Vielseitigkeit, Dressur und Springen qualifiziert hat. Bereits im Alter von acht Jahren verbuchte Grafenstolz den ersten Sieg in einer nationalen S-Vielseitigkeit. 2006 war der Hengst Bronzemedaillengewinner bei der Deutschen Meisterschaft, vereinnahmte zwei internationale Drei-Sterne-Platzierungen und drei internationale Zwei-Sterne-Siege, um in jenem Jahr die Auszeichnung „Trakehner Pferd des Jahres 2006" zu erlangen.
Ab 2008 überwiegend im Deckeinsatz
Auf der internationalen Bühne sorgte Grafenstolz dann 2007 mit dem 3. Platz beim CIC*** in Marbach für Aufsehen. Ein Jahr später wurde er CCI**-Sieger im französichen Compiègne. Dann allerdings endete erst einmal die sportliche Karriere des Hengstes. Michael Jung enschloss sich damals, Grafenstolz nicht weiter auf Turnier vorzustellen, weil sich die Einsätze nicht ohne weiteres mit dem Deckeinsatz des Hengstes vertragen hätten. "Der Hengst war bei den Prüfungen nicht mehr so konzentriert und ich wollte nicht, dass mit dem Pferd irgendwann etwas schief läuft", sagte Michael Jung im buschreiter-Interview.
Unter Ausschluss der Öffentlichkeit
Grafenstolz kehrte deshalb dauerhaft ins Gestüt Birkhof zurück und ging seinen Hengst-Dienstpflichten nach. Bis auf eine Vorstellung bei einer Hengstpräsentation wurde Grafenstolz laut Michael Jung nicht mehr öffentlich geritten.
Comeback vorprogrammiert
Der Verkauf an einen Sponsor des britischen Top-Reiters Oliver Townend ist inzwischen nach längeren Verhandlungen perfekt. Grafenstolz hat so gute Chancen, seine Karriere im internationalen Spitzensport fortzusetzen: Oliver Townend war WM-Teilnehmer in Aachen gewesen und hat bei der EM 2007 in Pratoni eine Mannschaftsgoldmedaille gewonnen.
Grafenstolz ging nach längeren Verhandlungen an das französische Konsortium French Stallions und wird in Zukunft wohl züchterisch in Twemlows Hall (Großbritannien) wirken. Neue Eigentümer sind Ken Rehill und Vanessa Vernon.
Begehrte deutsche Zuchtprodukte
Offensichtlich haben britische Top-Reiter erkannt, dass die gut gerittenen und ausgebildeten Spitzenvielseitigkeitspferde aus Deutschland im Zuge der Formatänderung der Vielseitigkeit inzwischen weltweit zur ersten Wahl gehören. Noch ein prominentes Beispiel: William Fox-Pitt hat von Ingrid Klimke den Trakehner Seacookie gekauft und zuletzt mit ihm beim CCI**** in Kentucky eine Top-Platzierung erreicht.
Zuchthintergrund von Grafenstolz:
Der Vater Polarion ist selbst hocherfolgreicher Sport- und Zuchthengst. Die Mutter Gipsy Lady, eine hocherfolgreiche Staatsprämienstute, stammt ab von Camelot (Siegerhengst in Dänemark). Sie ist die Vollschwester zum Moritzburger Landbeschäler Gipsy King (HLP in Warendorf mit 130,47 Punkten!)
Auch die Großmutter, die Staatsprämienstute Grazie vom Elitehengst Arogno, ist eine hoch dekorierte Zucht- und Sportstute (mehrfache Siegerstute und zweimalige Teilnehmerin am Bundeschampionat).
Zwei gekörte Söhne
Aber nicht nur durch die sportlichen Toperfolge ist Grafenstolz aufgefallen. Er liefert jährlich überragende Fohlen und auch seine ersten Jahrgänge unter dem Sattel sind unkompliziert und überzeugen durch ihre vielseitige Begabung. Bestes Beispiel hierfür ist der Vize Bundeschampion Gin Tonic, einer von zwei gekörten Grafenstolz-Söhnen.
Grafenstolz ist zugelassen für Trakehner, Hannover, Oldenburg, Rheinland/Pfalz-Saar, Hessen, Bayern, Thüringen, Sachsen, Baden-Württemberg, Italien und Frankreich.
www.olivertownend.com
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Lesermeinungen
So ein Mist! Ich wollte meine Stute dieses Jahr noch einmal von ihm decken lassen! Nun muss ich mir einen neuen Hengst suchen… Ich finde, so ein tolles Pferd darf nicht ins Ausland verkauft werden!
Ulla Burchert
Blöd für die Züchter, die dieses Jahr Grafenstolz einsetzen wollten. Unsere Stute ist seit 24 Tagen von ihm tragend, aber was ist, wenn sie doch noch resorbiert? Dann müssten wir auf TG zurückgreifen, obwohl uns zugesichert worden war, dass es diese Saison FS gibt.
Silke Recker
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