Buschreiter.de — aktuell: Veranstalter-Finanzen

Weg aus der Geldklemme

VON WOLF-DIETRICH NAHR

(9.3.04) Die Vielseitigkeits-Veranstalter in der Finanzklemme: Zunehmender Aufwand für die Organisation der Events einerseits, andererseits schwindende Sponsorengelder. Am Rande des Balls der Vielseitigkeit in Göttingen gab es viel Zustimmung und keinen Widerspruch zu einem neuen Fianzierungsmodell: Die Buschreiter bezahlen pro tatsächlich vollführten Start eine zusätzliche Pauschale an die Ausrichter.

Aktivensprecher Peter Thomsen plädierte vor einem großen Fachpublikum für eine reiterbezogene Veranstalterpauschale, die der Turnierorganisator zwischen 0 und 20 Euro ansetzen kann. Zielsetzung ist einerseits, die Ausrichter finanziell besser auszustatten; andererseits sollen Marktmechanismen in den Standard der Turniere eingeführt werden. Sprich: Organisatoren, die viel in die Qualität der Events investieren, sollen dies durch die Pauschale angemessen refinanzieren können, wobei die Reiter "mit den Füßen" über die Höhe des Zuschlages abstimmen. Thomsen: "Ich würde gerne 20 Euro zahlen, wenn ich guten Boden und gute Sprünge dafür bekomme." Die Argumentation: Niemand findet etwas dabei, beim Training für die Platzbenutzung extra zu bezahlen — warum nicht auch beim Turnier? CDV-Präsident Hans-Friedrich Nagel, selbst Veranstalter, würde sich über ein solches "Votum", ein direktes Feedback der Reiter freuen. Allerdings funktioniere das Modell nur dann, wenn die Veranstalter nicht nur Geld einnehmen, sondern mit den Mitteln tatsächlich die Qualität der Prüfungen verbessern, sagte Nagel. Fritz Otto-Erley (Fotos Julia Rau) von der FN-Abteilung Turniersport ging noch einen Schritt weiter: Warum diese Zusatzgebühr nicht an den tatsächlich erfolgten Start koppeln? Das bisherige Reglement gibt den Ausrichtern bereits die Möglichkeit, ihre Einnahmesituation zu verbessern. Doch diese Optionen reichen dem Vernehmen nach nicht aus — oder sie werden nicht genutzt. So gibt es laut LPO schon seit eineinhalb Jahren die Chance, per Ausschreibung den Teilnehmern den Verzicht auf die Geldpreise aufzuerlegen. Otto-Erley: "Das wird bisher kaum angenommen." Bei internationalen Turnieren und Kat. A-Events gibt es Einsatzhöchstgrenzen, die sich auf 35 Euro plus 1 Prozent des Geldpreises belaufen. Der FN-Turnierexperte: "Damit kommen die Veranstalter nicht aus." Die LPO 2004 sieht auch schon einen gedeckelten "Organisationsbeitrag" vor: In Kat. B sind dies 10 Euro plus 3 Prozent des Geldpreises. In Göttingen stellten die Busch-Fachleute einen Vergleich mit England an. Dabei kam heraus, dass die deutschen Eventer eigentlich noch finanzielle Spielräume haben müssten, sich stärker an der Finanzierung der Turniere direkt zu beteiligen. Im Mutterland der Vielseitigkeit kostet die Jahreslizenz umgerechnet 142,50 Euro, hierzulande 37,80 Euro. Auch die Gebühren für Fortschreibung der Erlaubnis auf den verschiedenen Levels klaffen erheblich auseinander: Ein-Stern/L in England 97 bis 105, hier 21,18; Zwei-Sterne/M dort 126 bis 133, hier 55; Drei-Sterne/S jenseits des Kanals 163 bis 178, hier 55 bis 75 Euro. Zudem können sich in Großbritannien nur die ersten vier oder fünf Bestplatzierten über Bares freuen, während in Deutschland auch weitere Ränge mit Geldpreisen belohnt werden. Bekanntermaßen sind in England die Nennungsgebühren erheblich höher als hier. Offen ausgesprochen wurde in Göttingen aber auch, dass bei englischen Events häufig generell ein höherer Standard geboten wird. Im vergangenen Jahr wurden bei 1140 Vielseitigkeitsprüfungen in Deutschland nur 517500 Euro an Geldpreisen ausgeschüttet, während es im gesamten Turniersport sage und schreibe rund 27 Millionen Euro waren. Diese Zahl dokumentiert die Randexistenz des Vielseitigkeitssportes hierzulande. Dressur- und Springreiter kassieren demnach richtig fett ab — und mokieren sich neuerdings auch über die angeblich zu üppige Finanzförderung der FN für den Buschsport. Die reine Veranstalterförderung der FN für CIC und CCI-Prüfungen in Deutschland beläuft sich aber in Wirklichkeit für die gesamte Saison 2003 auf schlappe 90000 Euro.

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