Reiterverwarnungen durch die FEI
Top-Reiter ignorieren Sturz und Disqualifikation
VON WOLF-DIETRICH NAHR
Auch ein Weihnachtsgeschenk: Just am 23. Dezember 2008 hat die FEI eine hochnotpeinliche Liste mit Reitern veröffentlicht, die sich in den Jahren 2006 bis 2008 bei internationalen Vielseitigkeitsturnieren etwas haben zu schulden kommen lassen. Unter den Übeltätern befinden sich auch zwei deutsche Eventer.
Einer der beiden Vielseitigkeitsreiter ist von der FEI mit einer Geldstrafe von 500 Schweizer Franken und der Gelben Karte belegt worden. Dies war die Sanktion für einen Vorfall im Herbst 2008: Der Reiter hatte laut FEI-Dokumentation beim einer langen Drei-Sterne-Prüfung nach der dritten Verweigerung an einem Hindernis den Ritt fortgesetzt (obwohl er diesen laut Reglement hätte einstellen müssen). Der zweite deutsche Eventer taucht ebenfalls in der Aufstellung allerdings ohne den Vermerk "Yellow Card" auf. Er hat nach den Feststellungen der FEI bei einem Vorbereitungsturnier für ein internationales Championat 2007 unmäßig mit der Gerte auf sein Pferd eingewirkt, formal ist dies "abuse".
Schutz überforderter Pferde
Mit den Mitteln der Gelben Karte, den Verwarnungen und Geldstrafen möchte die FEI jede Form des "Missbrauchs" von Pferden bestrafen bzw. unterbinden. Dabei geht es um irreguläre Trainings- und Abreitemethoden, das Reiten eines offensichtlich lahmen oder erschöpften Pferdes bzw. das Antreiben eines offensichtlich müden Pferdes, die Misshandlung bzw. den unmäßigen Einsatz mit/von Gerte oder Sporen, das sogenannte gefährliche Reiten wie die Absolvierung des Cross' mit zu hohem Tempo.
Lebenslange Sperre möglich
Der Strafrahmen ist übrigens happig: Geldstrafen bis zu 15000 Schweizer Franken und Sperren von drei Monaten bis zu "lebenslang" sind bei "abuse" möglich. Daneben gibt es noch den Straftatbestand des "incorrect behaviour", also das Danebenbenehmen während des Turniers, und zwar nicht nur gegenüber Offiziellen, sondern auch gegenüber anderen Reitern, Journalisten (!) oder Zuschauern. Als Strafrahmen hat hier die FEI Geldbußen von 200 bis 10000 Schweizer Franken parat. Zudem können Sperren von drei Monaten bis zu einem Jahr ausgesprochen werden.
FEI-Verfahren droht
Die Idee der Verwarnung mit der Gelben Karte ist, dass Chef-Offizielle eines Turniers schnell ohne formales Verfahren bei offensichtlichen Verstößen gegen einen Reiter vorgehen können. Der Verwarnende händigt dem Delinquenten schlicht direkt die Gelbe Karte aus (die die FEI übrigens als Download im Internet bereithält) und verfügt so die Verwarnung. Der Betroffenen hat die Möglichkeit, diese zu akzeptieren oder sie nicht anzunehmen. Sollte der Verwarnte die Yellow Card nicht hinnehmen, dann entscheiden die Offiziellen über die Einleitung eines FEI-Verfahrens gegen den "Straftäter". Sollte sich jemand innerhalb eines Jahres eine weitere Gelbe Karte einhandeln, dann landet sein Fall automatisch beim FEI-Tribunal.
Namensliste wird veröffentlicht
Die Gelbe Karte hat aber auch die Veröffentlichung des Falles mit voller Namensnennung und Bezeichnung des jeweiligen Turnieres zur Folge. Neben dem deutschen Eventer mit Geldstrafe gibt es einen weiteren internationalen Reiter, der sogar mit einer Geldstrafe von 2000 Schweizer Franken belegt worden ist. Der bekannte französische Jockey hat bei einer langen Drei-Sterne-Prüfung im Herbst 2008 den Ritt nach einem Sturz fortgesetzt, obwohl dies unweigerlich zur Disqualifikation führt.
Zwei Pferde mit "leerem Tank"
In der Liste der Delinquenten sind die Namen von wirklich prominenten Reitern eher die Ausnahme. Auch Wiederholungstäter kann man an einer Hand abzählen: Eine Amazone aus der Schweiz, die im Abstand von einem Jahr bei Events auf Ein-Sterne-Niveau zwei Mal wegen gefährlichen Reitens aufgefallen war; ein bekannter britischer Eventer, der bezichtigt wird, bei einer langen Drei-Sterne-Prüfung in England zwei Pferde mit "leerem Tank" ins Ziel geritten zu haben ("very tired horse").
Wegen Ohrstöpseln disqualifiziert
In der Regel geht es um gefährliches Reiten, ungebührliches Benehmen oder das Springen eines Hindernisses nach dem Ausscheiden im Cross. Es gibt aber auch kuriose Verfehlungen: So war eine irische Eventerin durch "übergewichtige" Gamaschen beim Springen aufgefallen; ein Jockey aus einem eher exotischen Vielseitigkeitsland wurde aus dem Rennen genommen, weil er vor einem Hindernis im Cross abgestiegen war – vielleicht um sich die "näheren Umstände" des Sprungs genauer anzusehen; eine französische Amazone flog aus dem Ein-Sterne-Wettbewerb, weil sie ihr Pferd mit Ohrstöpseln gegen störende Umweltgeräusche ausgerüstet hatte.
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