EM 2009 Fontainebleau
Cook/Miners Frolic Champions, Jung und Sam bekommen Bronze
VON JULIA RAU (Fotos) und WOLF-DIETRICH NAHR (Text)
Die neue Europameisterin heißt Kristina Cook im Sattel von Miners Frolic. Michael Jung und La Biosthetique Sam wurden bei ihrem ersten Senioren-Championat Bronzemedaillengewinner. Jung leistete sich einen Abwurf und verlor dadurch den Titel. Piggy French/Some Day Soon blieb im Parcours null und schob sich auf den zweiten Rang. William-Fox-Pitt mit Idalgo produzierte einen Abwurf und kickte sich so aus den Medaillenrängen.
Die britische Zeitschrift "Horse & Hound" apostrophierte sie als "rising star" der Eventing-Szene. Und irgendwie war sie an diesem sonnendurchfluteten Finaltag der Europameisterschaft in der Arena von Fontainebleau auch der Star: Georgina "Piggy" French setzte mit Some Day Soon im Springparcours das führende Trio mit einer Nullrunde – eine von nur zwei an diesem Tag – mächtig unter Druck. Alle drei Spitzenpaare erzeugten dann auch glatt Fehler. Für Kristina Cook und Miners Frolic blieb das ohne Auswirkungen. Sie wurde Europameisterin. Doch Michael Jung und La Biosthetique Sam FBW verloren durch den Klotz am dritten Sprung den Europameisterschaftstitel und gewannen Bronze. Zunächst hatte es etwas Verwirrung gegeben, denn es sah bei Cook und Miners Frolic nach nur einem Abwurf aus. Dann aber schlugen weitere Zeitfehler zu Buche. Was wäre wenn: Ohne den Abwurf von Sam hätte es für den Shooting Star zum Europameistertitel gereicht – alles in allem trotzdem ein sensationelles Ergebnis. Die deutsche Vielseitigkeitsszene freut sich auf viele Championate mit Michael Jung und La Biosthetique Sam.
Und William Fox-Pitt rutschte durch die fallende Stange am ersten Element der Dreifachen auf dem extrem abschüssigen Platz aus den Medaillenrängen auf Rang 4 – mit 0.1 Punkten Abstand zu Jung.
Noch eine zweite Nullrunde
Die zweite Nullrunde an diesem Tag lieferte übrigens die schwedische Einzelreiterin Malin Larrson mit Piccadilly Z ab und wurde 12.
Eine wichtige Vorentscheidung in der Teamwertung brachte die Verfassungsprüfung am Sonntag: Weil der Weltmeister von 2002, Jean Teuleure, Espoir de la Mare nicht mehr vorstellte, war das an 2. Stelle liegende französische Team geplatzt. Publikumsliebling und Ex-Europameister Nicolas Touzaint war am Samstag mit Tatchou ins erste Wasser wie in Trance getrudelt und hatte am Eckenelement die weiße Flagge allzu weit links regelrecht überritten. Die Fans waren ungläubig bis entsetzt, aber es half alles nichts: Nach einem schnellen Ortstermin der Offiziellen mit den Hindernisrichtern fiel die Entscheidung: Disqualifikation (siehe dazu das exklusive buschreiter-Video).
Townend das Streichergebnis
Die Team-Europameister Großbritannien konnten es am Ende verschmerzen, dass Oliver Townend mit Flint Curtis bei der Verfassungsprüfung aus dem Rennen genommen wurde. Er wäre ohnehin nach dem verpatzten Cross das Streichergebnis gewesen. Kristina Cook/Miners Frolic, Fox-Pitt/Idalgo und Nicola Watson/Opposition Buzz ritten das Teamgold bequem nach Hause – mit gut 90 (!) Punkten Vorsprung auf die Silbermedaillengewinner Italien. Diese waren ebenfalls auf drei Paare reduziert worden, indem Susanna Bordone/Blue Moss im Gelände ausgeschieden waren.
Nur die Schweden mit vier komplett
Teambronze ging an Belgien, wobei auch hier ein Reiter, Constantin van Rijckevorsel, sein Pferd Our Vintage nicht mehr zur Verfassung vorstellte. Die einzige komplette Mannschaft stellten die Schweden (4.). Die restlichen Teams hatten nur noch astronomisch-symbolische Punktwerte: Frankreich, Irland, Niederlande und Schlusslicht Deutschland.
Ambros und Quick: Platz 10
Der einzige österreichische Teilnehmer Harald Ambros hat mit Quick erneut sein bemerkenswertes Format auf der internationalen Bühne unter Beweis gestellt: Nach einer der schnellsten Nullrunden im Cross machte er mit einem konzentrierten Auftritt im Parcours (ein Abwurf, zwei Zeitfehler) noch einmal vier Plätze gut und beendete die EM an Rang 10.
Bartle: Zu wenig Turnierpraxis im Ausland
Bundestrainer Christopher Bartle unternahm am Sonntag vor Medienvertretern eine Analyse des missglückten Auftritts bei der EM: Die deutsche Spitzensport-Vielseitigkeit weise inzwischen viel mehr gute Reiter und Pferde auf, aber die Top-Paare hätten "nicht genug Übung". Bartle präzisierte diese Formel: Die deutschen Spitzeneventer seien zu viel "zu Hause", bei Turnieren im Inland unterwegs, während die Cracks anderer Nationen mehr im Ausland Erfahrungen sammelten. Bartle: "Und die Engländer reiten jede Woche fünf bis sechs Pferde auf diesem Niveau."
Risiko-Kandidat Air Jordan
Ungefragt erklärte Bundestrainer Bartle auch im Beisein mehrerer Journalisten, dass die Berufung von Air Jordan durch den Vielseitigkeitsausschuss in das EM-Aufgebot ein "Risiko" gewesen sei. Dies sei nicht seine persönliche Entscheidung gewesen, aber er stehe dahinter. Seit der EM 2007 in Pratoni wisse man, dass das Pferd ein "Limit" habe. Man habe aber angenommen, dass die "flache Strecke" in Fontainebleau ohne Probleme für Air Jordan sein werde. Frank Ostholt hatte nach zwei Verweigerungen aufgegeben.
Aktualisierung: Nach der Veröffentlichung dieses Berichtes hat sich Christopher Bartle per E-Mail an buschreiter.de gewandt und zum Ausdruck gebracht, dass er die Berufung Frank Ostholts mit Air Jordan für die EM durchaus als "Risiko" bezeichnet und erklärt habe, dass er hinter dieser Entscheidung des Vielseitigkeitsausschusses stehe – dies hatte buschreiter.de auch so berichtet. Bartle distanziert sich von seiner Aussage, dass dies "nicht seine persönliche Entscheidung" gewesen sei.
Der britische Honorar-Bundestrainer, der nach wie vor sehr gebrochen Deutsch spricht, war bei der improvisierten Pressekonferenz vor dem Medienzentrum in Fontainebleau von einem Journalisten - nicht vom Autor dieses Beitrages - im Kreis mehrerer Medienvertreter gefragt worden: "Das war nicht ihre persönliche Entscheidung?" Bartle antwortete wörtlich: "Das war nicht meine persönliche Entscheidung."
buschreiter.de hat Christopher Bartle eine Ablichtung der Interview-Mitschrift übermittelt.
Bartle erklärt in der Stellungnahme weiter, er selbst trage die Verantwortung dafür, dass Ostholt und Air Jordan bei der EM als Mannschafts- und nicht als Einzelreiter am Start gewesen seien. Und er sei auch für die Order verantwortlich gewesen, "zu attackieren und nicht langsam und vorsichtig zu reiten", weil die deutsche Equipe Gold gewinnen und nicht nur teilnehmen wollte.
Hintergrund/Gelände
Gelände
Ergebnisse
www.fontainebleau2009.com
Video
Verfassung
1. Dressurtag
2. Dressurtag
|