EM 2009/Der Tag danach
Deutsches Team fiebert mit Michael Jung und Sam
VON JULIA RAU (Fotos) und WOLF-DIETRICH NAHR(Text)
Trotz des im Ergebnis wenig erfreulichen Auftritts von fünf der sechs deutschen Reiter im EM-Cross von Fontainebleau lässt das Team den Kopf nicht hängen. Die Mannschaft entschied sich noch am Samstag, geschlossen Michael Jung und Sam bis zum Schluss des Championats zu unterstützen und vor Ort zu bleiben.
Reitersprecher Andreas Dibowski am Sonntag: "Wir wollen demonstrieren, dass wir als Team hier angetreten sind. Einer kämpft noch um eine Medaille, und deshalb bleiben wir." Allerdings seien die Aktiven etwas gebremst worden, im überbordenden Teamgeist den Medaillenanwärter mit Tipps zu überhäufen.
"Solcher Absturz nicht zu erwarten"
Am Sonntagmittag trafen sich Reiter und Trainer mit Offiziellen zur Mannschaftsbesprechung. Nach Darstellung von Reitersprecher Andreas Dibowski habe Coach Chris Bartle den "grottenschlechten" Tag nicht schöngeredet, sondern daran erinnert, dass das deutsche Team lange Zeit auf hohem Level erfolgreich gewesen sei. Und nach einem solchen Hoch trete auch zwangsläufig einmal ein Tief ein. Dibo: "Aber ein solcher Absturz war sicher nicht zu erwarten." Die Reiter blickten trotz des Einbruchs bei der EM "optimistisch in die Zukunft. Angesichts der sehr guten Leistungen während des ganzen Jahres gebe es keinen Grund, sich nun zu verstecken, so Dibo.
"Keine championatswürdigen Verhältnisse"
Vor mehreren Medienvertretern äußerte sich Andreas Dibowski sehr kritisch in Bezug auf die äußeren Bedingungen bei der Europameisterschaft in Fontainebleau. "Das waren keine championatswürdigen Verhältnisse, man muss sich schon fragen, ob ein Championat an einen solchen Platz gehört." Dibo übte vor allem Kritik an den Bodenverhältnissen, die gegen Ende der Prüfung immer schlechter geworden seien – was auch die Häufung der Fehler erklären könnte. Er bezeichnete es als "gravierend", dass bei der Verfassungsprüfung eine Reihe von Pferden nicht mehr vorgestellt worden seien. Einige der präsentierten Pferde wären schlecht getrabt. "Das hatten wir schon lange nicht mehr, dass die Pferde bei einer Verfassungsprüfung einen so schlechten Eindruck machen." In Luhmühlen beispielsweise seien bei der letzten Horse Inspection alle vorgestellten Pferde auch durchgekommen.
Anhäufung der Abfragen übertrieben
Andreas Dibowski nahm sich im Interview auch den EM-Kurs von Pierre Michelet vor. Er wiederholte die Fundamentalkritik, die er vor und nach Luhmühlen auch geäußert hatte: Die Anhäufung der Fragestellungen sei übertrieben worden; es habe in Fontainebleau zu wenige Erholungssprünge gegeben. Die Hindernisse 1, 2, 4, 6 und 13 hätten dem Anspruch zwar genügt, aber unter dem Strich hätten die Pferde keine Gelegenheit zur "mentalen Erholung" gehabt. Dibo: "Man braucht einfach ein, zwei Sprünge, an denen man einfach rübergaloppieren kann." Und weiter: "Es gab innerhalb des Waldes keinen Sprung, über den die Pferde mit einem guten Gefühl rübergaloppieren konnten."
"Das ist vertretbar"
Dieser Fundamentalkritik des EM-Cross schließt sich Dirk Schrade nicht an: "Sicher kam eine Abfrage nach der anderen, aber wir sind auf dem Championat, und da ist das vertretbar." Die Probleme mit dem "Karnickelsand" in Fontainebleau seien seit Jahren bekannt. Schrade: "Und wenn alle auf einer Spur reiten, dann wird es halt tief." Jede Nation habe ihre Nominierung auch daran ausgerichtet. "William Fox-Pitt kann sich hier nur den Franzosen vorstellen." Er lehnte es ab, Fontainebleau als nicht championatswürdig zu bezeichnen. Schrade: "Die machen hier eine tolle Veranstaltung."
Leichte Schürfwunde
Dibos Sturz mit Butts Leon ("wir sind beide weich abgerollt") an Element 1 des Komplexes 14 führte zu keiner Verletzung. Dies gilt auch für die anderen Teammitglieder. Lediglich TSF Karascada habe sich eine leichte Schürfwunde zugezogen.
15 Zentimeter tiefer
Andreas Dibowskis eigene Sturzanalyse: Butts Leon habe vor dem Rumpler an 14 keinen einzigen schlechten Sprung gemacht. Im Rückblick habe es beim Anreiten, hinsichtlich des Tempos und des Rhythmus' keinerlei Störung gegeben. Er erklärt sich die Irritation des Pferdes durch die extremen Lichtverhältisse bei Sonne im Wald – und durch den Umstand, dass der Boden an der Absprungstelle aufgewühlt und plötzlich 10 bis 15 Zentimeter tiefer gewesen sei. Die Höhe sei aber für Leon kein Problem gewesen. Dibo etwas ratlos: "Jedenfalls untypisch."
Pferde sind Golfplätze gewohnt
"Anspruchsvoll, aber EM-gerecht, er hat seinen Job sicher nicht falsch gemacht", so Course Designer Burkhard Beck-Broichsitter, der als Zuschauer in Fontainebleau war. Er gab aber zu bedenken, ob sein Kollege Michelet letztlich die Konzentrationsfähigkeit der Pferde eventuell etwas überfordert haben könnte. Das schnelle Galoppieren über einen welligen Waldkurs seien viele Pferde nicht mehr gewöhnt. "Die Pferde werden ja meistens mit Golfplätzen konfrontiert." Aber Beck-Broichsitter nannte auch positive Punkte: Genügend Alternativen und eine sehr pferdefreundliche letzte Stadion-Tour. Seine persönliche Lektion von Fontainebleau: Wasserkanten werden viel besser gesprungen, wenn ein dicker Baum dazu animiert. Und: "Die Abfrage der Balance war hier etwas zu viel."
Gelände
Ergebnisse
www.fontainebleau2009.com
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