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Machen diese beiden Paare die Europameisterschaft unter sich aus? Kristina Cook und Miners Frolic sowie Michael Jung und Sam.

EM 2009/Gelände

Jung und Sam auf Silberkurs

Deutsches Team geplatzt

VON JULIA RAU (Fotos) UND WOLF-DIETRICH NAHR (Text)

Diese Europameisterschaft wurde im Gelände entscheiden, obwohl der Champion noch nicht gekürt ist: Nach einem Cross mit zahlreichen Ausfällen und Verweigerungen sind Michael Jung und La Biosthetique Sam mit einer von drei Runden des Tages in der Optimum Time auf Silberkurs – hinter Tina Cook und Miners Frolic. Die traurige Nachricht: Das deutsche Team ist nach Aufgabe und Ausscheiden von Ingrid Klimke/Abraxxas, Andreas Dibowski/Euroridings Butts Leon und Frank Ostholt/Air Jordan geplatzt. Auch die beiden Einzelreiter Dirk Schrade/Gadget de la Cere und Kai-Steffen Meier/TSF Karascada sind nach Stürzen aus dem Rennen. "Wir sind als Favoriten gekommen und haben eine Klatsche bekommen", sagte Bundestrainer Hans Melzer.

Der Crosstag im Wald von Fontainebleau bei herrlichem Wetter und idealen Bodenbedingungen ist aus deutscher Sicht überwiegend die Gschichte der Stürze, Verweigerungen und Aufgaben. Resultat: Drei von vier Mannschaftsreitern sahen das Ziel nicht. "Dieser Totalausfall, das konnte keiner ahnen", sagte Michael Jung, der als einziger Mannschaftsreiter mit La Biosthetique Sam vor dem sonntäglichen Springen noch im Rennen ist.

Air Jordan nicht mehr frisch

Frank Ostholt zog nach einem Steher von Air Jordan am Einsprung des letzten Wasserkomplexes kurz vor dem Ziel den Hut – nachdem er schon mehrere Hindernisse zuvor eine Verweigerung hinnehmen musste. Air Jordan machte am Ende des Cross nicht mehr gerade einen frischen Eindruck.

Ingrid Klimke pilotierte FRH Butts Abraxxas im Prinzip flüssig und rhythmisch durchs Cross – bis auch für sie die Aufgabe nahelag. Sie hatte an den schräg zu springenden Doppelhecken (11) einen Vorbeiläufer und dann an 16 noch einen Steher.

Reiter und Pferde unverletzt

Und Andreas Dibowski erwischte es mit Butts Leon kalt am Einsprung des Komplexes 14, zwei schmale V-Elemente mit einem Wasserdurchritt dazwischen. Das Paar kam am ersten Hindernis zu Fall. Von einer ernsthaften Verletzung ist nichts bekannt.

Dieser vermaledeite Komplex 14: Außer Dibo bremste er auch noch die beiden Individualisten Kai-Steffen Meier/Karascada und Dirk Schrade/Gadget de la Cere. Meier hatte am Einsprung einen Rumpler und glaubte offenbar, zum Aussprung-Element nicht mehr genug Schwung zu haben. Abrupt wendete er nach links ab, um eine alternative Aussprung-Route zu wählen. Doch da stimmten weder Grundtempo, Rhythmus noch Distanz und die beiden stürzten über das vergleichsweise niedrige Hindernis.

Passende Distanz

Bei Dirk Schrade und Gadget sah alles sehr gut aus. Auf direktem Weg pilotierte der Profi sein Pferd durch Komplex 14 – bis beim letzten Element das Pferd trotz passender Distanz nicht abdrückte, sondern sich praktisch gegen das Element fallen ließ. Schrade kam unsanft aus dem Sattel, landete aber auf den Füßen und konnte wenigsten gleich ein paar Verwünschungen ausrufen.

"Alle in Topform"

Hans Melzer versicherte am Abend, dass keiner der Reiter und keines der Pferde bei den Stürzen Verletzungen erlitten hätten. Er war nach dem Ende des Cross einigermaßen ratlos: "Die Pferde waren top in Form gewesen und hatten sehr gute Ergebnisse gebracht." Auf Befragen sagte Melzer: "Für eine EM war das Gelände sicher zu schwer, man kann ein Feld auch anders auseinander bringen. Es waren zu viele Aufgaben. Der Wald hat ganz unterschiedliche Bedingungen für die Reiter bereitgehalten. Vielleicht haben die Lichtverhältnisse dort eine Rolle gespielt. Und es gab keine Erholungssprünge."

"Andere aus der Reserve locken"

Der einzige Plan, der aufgegangen sei, sei der mit Michael Jung und Sam als erster Mannschaftsreiter gewesen: "Er sollte zehn Sekunden besser als die Optimum Time reiten und so die anderen aus der Reserve locken."

Hans Melzer schließt aus, dass die Reiter das Cross unterschätzt haben. "Alle hatten unheimlich Rspekt davor, ich glaube, wir sind noch nie so oft ein Gelände abgegangen. Keiner kann sich erklären, warum es zu diesen Rumplern gekommen ist."

Hoch und sehr technisch

Michael Jung allerdings gab zu bedenken, dass das Klippen-Hindernis 14 wirklich durch mehrere Faktoren allen Paaren sehr viel abverlangt hat: Hoch, technisch gebaut. Er selbst habe dort – wie auf dem Rest der Strecke – ein "super Gefühl" gehabt. "Sam reagiert bedingungslos auf meine Hilfen", beschreibt der Reiter auf Medaillenkurs die Kommunikation mit Sam. Er erklärt sich die perfekte Abstimmung auch dadurch, dass er das Pferd selbst ausgebildet und über Geländepferde- und Ein-Sterne-Prüfungen sorgfältig aufgebaut habe.

"Von allem anderen freimachen"

Michael Jung lüftete im Interview etwas das Geheimnis seiner Einstellung vor der Prüfung: "Man muss sich voll konzentrieren und von allem anderen freimachen. Vielleicht hatte mancher die schlechten Bilder im Kopf und ist deshalb nicht so entschlossen zum Hindernis geritten." Bei seinem ersten Senioren-Championart sei er zwar "hochangespannt, aber nicht zittrig oder übernervös gewesen".

Zum Spannungsabbau hat sicher auch beigetragen, dass Michael Jung bei der EM zum dritten Mal in Fontainebleau am Start ist. Der Stan-the-Man xx-Sohn war hier seine erste Ein-Sterne-Prüfung gegangen.

"Dressur ist Geschichte"

Abschalten ja, aber mit dem 45er-Dressurresultat haderte Jung immer noch, auch am Tag vor dem Cross. Doch Bundestrainer Chris Bartle hatte ihn richtig eingestellt: "Die Dressur ist Geschichte, jetzt konzentrieren wir uns auf das Gelände." Jung: "Nun bin ich nur noch happy, im Moment ärgert mich gar nichts mehr."

Und der junge Profi von Weltklasseformat beherrscht auch die Kunst der Selbstsuggestion: In Anspielung auf einen möglichen Verkauf des Pferdes, das ihm nur zum Teil und zum anderen Teil Sabine Kreuter aus Kaufbeuren gehört, sagte er: "Dass er morgen, nach dem EM-Springen, noch etwas teurer ist, das hoffe ich."

Zukunft noch nicht gesichert

Allerdings bekannte Jung, dass wegen möglicher Verkaufspläne "die Zukunft noch nicht gesichert" sei. Er hoffe nur, dass das Pferd in Deutschland bleiben könne. Man müsse unbedingt versuchen, die besten Pferde in Deutschland zu behalten. Jung: "Sonst schnappen uns die anderen letztlich mit unseren Pferden die Medaillen weg."

Und wer bekommt bei der EM in Fontainebleau die Medaillen? Tina Cook kann sich mit Miners Frolic nur einen Abwurf leisten, wenn sie die Meisterschaft nicht gefährden will. Michael Jung und Sam wiederum haben nur 0.1 Punkte Vorsprung gegenüber William Fox-Pitt und Idalgo. Piggy French/Some Day Soon und Arnaud Boiteau/Expo du Mulin liegen weniger als einen Abwurf hinter der Spitzengruppe.

20 im Gelände rausgeflogen

Von 64 gestarteten Paaren sind nach dem Cross noch 44 in der Wertung. Harald Ambros hat sich - nomen est omen - mit Quick nahe an der Optimum Time vom 39. Dressurplatz auf Rang 14 katapultiert. Die Favoriten mussten reihenweise Verweigerungen und auch Stürze hinnehmen. Der Dressursieger Oliver Townend und Flint Curtis kam mit 40 Hindernisfehler-Punkten aus dem Cross zurück. Der Dressurdritte Nicolas Touzaint und Tatchou wurden disqualifiziert, weil sie am ersten Wasser eine Ecke links von der weißen Fahne überwunden hatten. Auch Jan van Beek (4. nach der Dressur) gab mit Bridget im Cross auf.

Nur noch fünf Mannschaften sind in dieser Reihenfolge im Rennen Großbritannien, Frankreich, Italien, Belgien, Schweden. Irland, die Niederlande und Germany sind nicht mehr komplett.

Ergebnisse

www.fontainebleau2009.com

Verfassung

1. Dressurtag

2. Dressurtag

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Routine ohne Ende: Tina Cook und Miners Frolic am letzten Wasser (links). Frank Ostholt und Air Jordan noch guter Dinge (oben). Noch in Medaillenreichweite: William Fox-Pitt und Idalgo (links unten). Kai-Steffen Meier und TSF Karascada über dicken Klamotten (unten). Glückloser Dirk Schrade mit Gadget de la Cere , ganz unten (alle Fotos Julia Rau)

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