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Gibt es noch Hoffnung für die Geländestrecke in Flinten zwischen Lüneburg und Celle? Oder bemächtigen sich einflussreiche Gegner der Reitsportgemeinschaft der Kreisverwaltung, um die Anlage von der Landkarte zu tilgen? (Foto: privat)

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Cross der RSG Flinten vor dem Aus

Vereinsvorsitzender mit Haft bedroht

VON WOLF-DIETRICH NAHR

Der Landkreis Uelzen geht unbeeindruckt von befürwortender Unterstützung der niedersächsischen Landesregierung massiv gegen die Geländestrecke der Reitsportgemeinschaft Flinten in der Samtgemeinde Bad Bodenteich vor: Der Vorsitzende sieht sich mit einem 7500-Euro-Bußgeld und sogar mit Haft bedroht, falls er bis Ende April 2009 die seit Jahren benutzten Geländehindernisse nicht beseitigt.

Jagdszenen in Niedersachsen. Oder: Wildwest in der Lüneburger Heide. Der Dauerkonflikt zwischen Reitern und Jägern in und um Flinten, zwischen Lüneburg und Celle gelegen, ist im vergangenen Jahr so eskaliert, dass sogar Schüsse gefallen sind: Mitglieder der RSG Flinten sollen zu Pferde angeblich eine Treibjagd gestört haben; deshalb hätten Jäger die Gruppe bedroht und Schüsse in die Luft abgegeben. Ein Kind sei von einem scheuenden Pferd abgeworfen worden, berichtete der Vereinsvorsitzende Friedrich-Wilhelm Buhr.

"Vor den Karren spannen lassen"

Ein gut informierter Außenstehender äußerte im Interview mit buschreiter.de die begründete Vermutung, das "maßgebliche örtliche Landwirte" ihre Kontakte zum Landkreis Uelzen haben spielen lassen. Der Informant: "Und der Landkreis hat sich vor deren Karren spannen lassen."

7500 Euro Bußgeld

Die Connections der lokalen Gegenspieler Buhrs und der RSG Flinten (70 Mitglieder) haben für den Verein und sein Gelände existenzbedrohende Auswirkungen: Der Landkreis hat für das 3,5 Hektar große Gelände ab Ende März eine Nutzungsuntersagung und schließlich zum 30. April eine Abbauverfügung für die dort platzierten Geländehindernisse erlassen. Der Vorsitzende Buhr hat es schriftlich, dass er bei Zuwiderhandlung bis zu 7500 Euro Bußgeld bezahlen oder sogar in den Knast gehen muss.

"Reitsport dort illegal"

Der Landkreis Uelzen begründet die Abbauverfügung damit, dass es "für das Reiten auf dem Gelände keine Rechtsgrundlage" gebe. Kreis-Pressesprecher Martin Theine auf Anfrage von buschreiter.de: "Formell ist dort der Reitsport illegal." Nach dem niedersächsischen Baugesetzbuch sei dort Reiten auch "nicht genehmigungsfähig". "Zum Teil fehlt die planungsrechtliche Grundlage", sagte Theine.

"Keine Stellungnahme"

Doch diese Rechtsgrundlage könnte längst bestehen, denn anders als der Landkreis steht die Gemeinde Bad Bodenteich hinter den Reitsportler. "Der Flecken möchte den Standort nicht aufgeben", sagte Gemeindedirektor Rainer Kölling gegenüber der örtlichen Allgemeinen Zeitung. Deshalb hat die Kommune auch einen förmlichen Flächennutzungsplan für die "Sportanlage im Außenbereich" beschlossen, der aber noch nicht rechtskräftig ist, weil der Landkreis "mauert", wie der Vereinsvorsitzende Buhr im buschreiter-Interview sagte. Der Landkreis dagegen möchte "keine Stellungnahme" zu dem Vorwurf abgeben, dass gerade er es sei, der das Inkrafttreten des längst beschlossenen Flächennutzungsplanes verhindert. So das Statement von Kreissprecher Theine.

Früheres Grünland gepachtet

Die RSG Flinten hat das vormalige Grünland vor fünf Jahren gepachtet und 2005 mit dem Bau der Geländestrecke begonnen – unter ausgesprochen fachkundiger Anleitung: Als beratender Course Designer fungierte Burkhard Beck-Broichsitter, der schon an der internationalen Vielseitigkeit in Luhmühlen mitgewirkt hat. "Da ist alles in Ordnung, es hat auch keine wesentlichen Bodenveränderungen gegeben." Immerhin hat sich durch die Nutzungsänderung als Geländestrecke eine vitale Vogelwelt auf dem extensiv "bewirtschafteten" Platz entwickelt: Die gefiederten Gästen lassen sich offensichtlich überhaupt nicht durch den gelegentlichen Reitbetrieb stören – ganz im Gegenteil.

Kreis reklamiert Schutzgebiet

2007 gab es dann nach Angaben des Vereins eine Kartierung für ein künftiges Vogelschutzgebiet "V 25 Ostheide bei Himbergen und Bad Bodenteich". Laut Stellungnahme von Landkreis-Sprecher Theine liege das Reitgelände "in einem Vogelschutzgebiet", also einem "ausgewiesenen Naturschutzgebiet".

Ministerpräsident: "Das ist lösbar"

Die Flintener Vielseitigkeitsreiter haben aber auch durchaus einflussreiche Fürsprecher. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff hat dem Vorsitzenden Buhr geschrieben, die Angelegenheit erscheine "insgesamt durch den Landkreis Uelzen lösbar". Gleichzeitig lehnt der Landesvater aber eine direkte Einflussnahme auf die kommunale Planungshoheit ab.

"Keine Bedenken in jagdlicher Hinsicht"

Offensichtlich ist, dass einflussreiche Jäger hier im Hintergrund massiv Druck machen, obwohl die Kreisjägerschaft Uelzen laut Allgemeiner Zeitung zum Ausdruck gebracht hat, "dass gegen die derzeitige Nutzung des Reitplatzes keine Bedenken in jagdlicher Hinsicht bestehen". Der Jagdpächter könne "auch keine Störungen geltend machen, da der Reitplatz bei Pachtung der Jagd in Flinten schon vorhanden war". Der Vorsitzende der Jagdgenossenschaft Flinten, Hans-Werner Müller, bekennt sich dagegen laut Lokalzeitung zu seiner Antihaltung: "Wir haben nichts dagegen, dass die Kinder reiten, sondern dass auf dieser Fläche im Außenbereich geritten wird."

"Rechtlich überprüfbar"

Ein Rechtsanwalt hat inzwischen Widerspruch gegen die Abbauanordnung des Landkreises eingelegt. Dessen Baudezernent Frank Peters kommentierte die Verfügung so: "Wir haben nach pflichtgemäßem Ermessen entschieden, und diese Entscheidung ist rechtlich überprüfbar." Dies entbehrt nicht eines gewissen Zynismus': Der Kreis hat dem widersprechenden Verein mitgeteilt, dass das Rechtsmittel "keine aufschiebende Wirkung" hat. Sprich: Die Hindernisse müssen dennoch zum festgesetzten Termin beseitigt werden.

"Nur Schikane"

"Es gibt keinen Grund, die sofortige Vollziehbarkeit anzuordnen, das ist nur Schikane", sagte ein Rechtsanwalt und Notar aus Niedersachsen auf Anfrage von buschreiter.de.

Ungestörte Brutperiode?

Die Redaktion von buschreiter.de wollte vom Landkreis wissen, warum die Anordnung sofort und ohne Rücksicht auf mögliche gerichtliche Urteile vollzogen werden muss. Die Verfügung müsse unverzüglich erfüllt werden, weil in dem Vogelschutzgebiet die "ungestörte Brutperiode" sichergestellt werden müsse, so Kreissprecher Martin Theine. Er konnte allerdings die Frage nicht beantworten, ob der Einsatz eines Traktors oder Radladers zum "dringlichen" Abbau der Geländehindernisse gerade jetzt für die brütenden Vögel auf dem Gelände der RSG Flinten nicht eine viel nachhaltigere Störung darstellt als jede andere Nutzung.

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Nur Steine in den Weg

Es ist schon nicht wirklich erkennbar, worum hier gestritten wird. Ich kann nicht nachvollziehen, weshalb im grössten und weltweit erfolgreichsten Zuchtgebiet Vereinen, die noch einigermaßen aktiv sind und etwas für junge Reitsportler tun, nichts als Steine in den Weg gelegt werden.

Es kann nicht angehen, dass Niedersachsen als Pferdeland wirbt und die Ausübung des Sportes beschneidet. Ich bin der Meinung, dass durchaus landesweit solche Einrichtungen in akzeptabler Umgebung privilegiert behandelt werden sollten.

Sind wir froh, dass es noch Individualisten gibt, die selbstlos solche Einrichtungen schaffen.

Elmar Lesch

 

Wo bleibt die Logik?

Wem dient dieser Streit??? Faktisch wird niemand gestört: Die Vögel haben durch die Bepflanzung ein attraktiveres Gelände als nacktes Grünland, den Jägern und dem Wild geschieht kein Unrecht, die Dorfbewohner sind weit genug weg und können sich weder durch Staub noch durch Geräusche gestört fühlen....höchstens durch die Tatsache, dass engagierte Jugendliche ihrem Sport viel Einsatz und Zeit widmen - und glücklich sind.

Ein guter Dienst an der Jugend, den "Reichensport" auch ganz normalen Jugendlichen zugänglich zu machen, so wie der Verein in Flinten das tut.... Kann man mal ein bisschen Logik walten lassen?

Astrid Tammer

 

Fehlende Kooperationsbereitschaft

Was dort in der Gemeinde Bad Bodenteich (Flinten) abläuft, ist ein typisches Beispiel für das beständige Spannungsfeld zwischen Reiten und Jagen - wobei die fehlende Kooperationsbereitschaft meistens auf Seiten der Jäger, Waldbesitzer und Landwirte anzutreffen ist. Kooperationsbereit sind die immer noch oft als Gutsherren auftretenden Großlandwirte nur dann, wenn sie an Reiter bzw. Reitstallbesitzer Hafer, Stroh und Heu (Silage) verkaufen können.

Was gegen einen relativ selten genutzten Geländepark einzuwenden sein soll, entzieht sich meiner Vorstellungskraft.

Ich erinnere mich, dass vor Jahrem in unserer Gegend ein Landwirt und Waldbesitzer auf Wegen, die von Reitern genutzt wurden, in etwa zwei Metern Höhe Drähte spannte, um die Reiter damit vom Pferd zu reißen.

Es bleibt nur, der Reitsportgemeinschaft in Flinten Energie, Kraft und einen guten Anwalt zu wünschen, um diesen Streit doch noch für sich zu entscheiden.

Rolf Hillmann

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