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Alles geschafft: Wolfgang Feld bei seinem letzten Einsatz als Course Designer 2004 in Burghley (Archivfoto Julia Rau)

Wolfgang Feld wird 75

Beispiellose Welt-Karriere als Course Designer

VON WOLF-DIETRICH NAHR

"Ich habe ziemlich alles erreicht", sagt Wolfgang Feld – und er stapelt etwas tief, denn das "ziemlich" kann er getrost weglassen: Als Bundestrainer der Jungen Reiter und Junioren sammelte er Edelmetall, als Course Designer führte er bei zahllosen nationalen und internationalen Championaten, bei Olympia und bei Weltmeisterschaften Regie. Wolfgang Feld vollendet am Montag, 15. März 2010, sein 75. Lebensjahr.

"Der Course Designer liebt es, wenn er nicht alte Sachen übernehmen muss, sondern wenn er auf jungfräulichem Terrain bauen kann." Diese Möglichkeit hatte Wolfgang Feld wiederholt in seiner beispiellosen Welt-Karriere als Parcoursbauer in der Vielseitigkeit.

Europameisterschaften in Luhmühlen

Beispiel Luhmühlen: Kaum einer der jüngeren Fans des Buschreiterei erinnert sich, dass das Cross bei dem Top-Event in der Lüneburger Heide einmal jenseits der Autobahn situiert war. Wolfgang Feld kam die Aufgabe zu, die Geländestrecke auf dem heutigen Terrain völlig neu zu konzipieren – und zwar erstmals für die Europameisterschaft 1975. Von da ab sollte Feld der Chefdramaturg im Cross für 24 Jahre sein. Und es fand seinen Abschluss wie es begonnen hatte: Mit einer Europameisterschaft im Jahr 1999.

Beispiel Olympische Spiele in Barcelona 1992: Wolfgang Feld erinnert sich noch an die ersten Exkursionen mit Mitgliedern des Organisationskomitees im Weichbild von Barcelona. Die Honoratioren zeigten dem Course Designer drei Liegenschaften nicht weit von der katalonischen Millionenstadt, doch Feld musste den Daumen senken: "Wegen des Klimas und des Smogs kamen die Plätze für die Vielseitigkeit nicht in Frage." 60 Kilometer entfernt von Bacelona, in 700 Metern Höhe, fand Wolfgang Feld dann das geeignete Terrain, wo sich Rösser und Reiter bei frischer Brise und guter Luft wohlfühlen konnten. Und der Designer konnte wiederum die Geländestrecke völlig neu konzipieren, ohne auf Altlasten Rücksicht nehmen zu müssen.

Optik und Originalität

Barcelona ist für Wolfgang Feld zweifellos der Karrierehöhepunkt, der an erster Stelle steht: "Das war ein Endergebnis, wie es besser nicht hätte sein können. Alle Mannschaften haben die olympische Prüfung beendet, und es waren noch nie so viele in der Wertung." Barcelona hat auch Maßstäbe gesetzt, was die Optik und die Originalität der Geländehindernisse angeht. "Das ist alles auf meinem Mist gewachsen", sagt Feld stolz. Einen "Ghost Designer" hatte er dafür nicht, allerdings gab es den Wunsch der Organisatoren, nicht ein "spanisches", sondern ein "katalonisches" Cross zu bauen. Dafür griff Feld auf einen umfangreichen Fundus an Bildmaterial zurück. "Als Designer durchwandert man einfach das Gelände und findet Plätze, die danach schreien, dass man dort ein Hindernis hinstellt. Das muss so aussehen, als hätte das Ding vor 100 Jahren schon dort gestanden."

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Mit den Größen des Vielseitigkeitssports auf Du und Du: Wolfgang Feld mit Mark Todd und Blyth Tait beim Pfingsturnier 1998 in Wiesbaden-Biebrich (Foto Julia Rau)

Beispiel Panamerikanische Spiele 1995 in Buenos Aires: Wolfgang Feld saß am 23. Dezember 1994 auf gepackten Koffern zur Abreise in den Familien-Skiurlaub, als die Hiobsbotschaft eintraf. Ende März sollten sie Spiele eigentlich auf einem Militärgelände stattfinden, doch das stand nun plötzlich für das Großereignis nicht mehr zur Verfügung.

Arbeit rund um die Uhr

Wolfgang Feld ließ sich nicht irritieren, fuhr ins Wintervergnügen und bestieg am 12. Januar den Flieger nach Südamerika. Dort hatte er die zweifelhafte Freude, innerhalb von sechs Wochen bei zeitweise 44 Grad im Schatten mit einem Heer von Bauarbeitern und einer Armada von Maschinen eine völlig neue Vier-Sterne-Strecke für die nord- und südamerikanische Olympiaqualifikation regelrecht aus dem Boden zu stampfen. "Das Team arbeitete rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche, es war toll."

Beispiel Burghley: Für Wolfgang Feld war es wie "Weihnachten, Ostern und Geburtstag" gleichzeitig, als er in Badminton angesprochen wurde, ob er das Course Design beim Vier-Sterne-Klassiker in Burghley übernehmen wolle. "Das war der beste Abschluss, den man sich denken kann." 2002 bis 2004 zeichnete Wolfgang Feld bei dem Event, den manche als den weltweit schönsten im Sterne-Zirkus bezeichnen, für das Cross verantwortlich. Auch dort musste er nicht auf eingefahrenenn Schienen unterwegs sein: 24 neue Hindernisse konnte Feld in den Schlosspark stellen. Und 2004 beendete er in Burghley spontan seine Karriere als Geländegestalter: "Ich sagte mir, eine Steigerung gibt es nicht, und schließlich war ich ja kein junger Hüpfer mehr."

18 deutsche Meisterschaften

Wie viel Geländestrecken hat Wolfgang Feld in seiner Karriere entworfen und realisiert? Der Course Designer i.R. hat nie nachgezählt. 1965 war jedenfalls ein CCI** in Bad Harzburg der erste Event. 20 Jahre lang wirkte er in Bielefeld. 18 deutsche Meisterschaften hat er gezählt. Sechs Nachwuchs-EM drückte er seinen Stempel auf, davon vier in Deutschland, und zwar in Wesel, in Walldorf, Luhmühlen und Bonn-Rodderberg. Drei Senioren-EM und die Weltmeisterschaft (1982) in Luhmühlen sind in seiner Vita zu finden.

Assistent von Olaf Petersen

Bei zahllosen Events fungierte Wolfgang Feld als Technischer Delegierter, unter anderem sechs Jahre lang in Badminton. Und er hat eine ganze Reihe international bedeutsamer Springturniere im Lebenslauf, unter anderem als Assistent von Olaf Petersen bei Olympia 1988 in Seoul und 1990 bei den Weltreiterspielen in Stockholm.

International in allen Sätteln

Der 1935 in Lüdenscheid geborene Pferdemann, verheirateter Vater zweier Söhne, kennt die Reiterperspektive in allen möglichen Sätteln zu Genüge: In den 50er Jahren ritt er in Enzen-Euskirchen die Pferde des Vereinsvorsitzenden Carl Bolten bei internationalen Vielseitigkeitsprüfungen und Springen, war in St. Gallen in der Schweiz in einem Springstall aktiv, stellte später für Josef Neckermann Pferde bei internationalen Dressur- und Springprüfungen vor und verhalf Ende der 60er Jahre dem Stall Buchhorst in Braunschweig zu internationalen Erfolgen im Buschsport und im Parcours.

Von 1971 bis 1985 fungierte Wolfgang Feld als Vielseitigkeits-Bundestrainer für die Junioren und Jungen Reiter. In diese Zeit fielen sieben Goldmedaillen bei Europameisterschaften und zahlreiche Silber- und Bronzemedaillen.

Das "heilige Vorwärts" geht verloren

Neuere Trends des Course Design sieht Wolfgang Feld durchaus distanziert: Zu seiner Zeit habe man sich möglichst um das "heilige Vorwärts" bemüht – Ross und Reiter sollten unterwegs "ihren Spass" haben. Und heute regiere das "heilige Rückwärts, um all die schmalen Dinger zu treffen", kritisierte Feld im buschreiter-Interview mit der Distanz und Unabhängigkeit des Ruheständlers. "Wenn ein Routinier wie Flambeau nach einer halben Luhmühlen-Runde die Schnauze voll hat und einfach nicht mehr mag, dann sollte einem das zu denken geben." Die "übertriebenen Wendungen" im Cross bedeuteten für die Pferde "Stress hoch drei". Nach 100 Metern müssten die Reiter oft mit Hilfe scharfer Gebisse voll "auf die Scheibenbremse" treten, um ihnen dann die Sporen zu geben, damit sie in der Zeit bleiben. "Die Pferde haben keine Zeit mehr, um ausreichend Luft zu holen."

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