Beispiel Panamerikanische Spiele 1995 in Buenos Aires: Wolfgang Feld saß am 23. Dezember 1994 auf gepackten Koffern zur Abreise in den Familien-Skiurlaub, als die Hiobsbotschaft eintraf. Ende März sollten sie Spiele eigentlich auf einem Militärgelände stattfinden, doch das stand nun plötzlich für das Großereignis nicht mehr zur Verfügung.
Arbeit rund um die Uhr
Wolfgang Feld ließ sich nicht irritieren, fuhr ins Wintervergnügen und bestieg am 12. Januar den Flieger nach Südamerika. Dort hatte er die zweifelhafte Freude, innerhalb von sechs Wochen bei zeitweise 44 Grad im Schatten mit einem Heer von Bauarbeitern und einer Armada von Maschinen eine völlig neue Vier-Sterne-Strecke für die nord- und südamerikanische Olympiaqualifikation regelrecht aus dem Boden zu stampfen. "Das Team arbeitete rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche, es war toll."
Beispiel Burghley: Für Wolfgang Feld war es wie "Weihnachten, Ostern und Geburtstag" gleichzeitig, als er in Badminton angesprochen wurde, ob er das Course Design beim Vier-Sterne-Klassiker in Burghley übernehmen wolle. "Das war der beste Abschluss, den man sich denken kann." 2002 bis 2004 zeichnete Wolfgang Feld bei dem Event, den manche als den weltweit schönsten im Sterne-Zirkus bezeichnen, für das Cross verantwortlich. Auch dort musste er nicht auf eingefahrenenn Schienen unterwegs sein: 24 neue Hindernisse konnte Feld in den Schlosspark stellen. Und 2004 beendete er in Burghley spontan seine Karriere als Geländegestalter: "Ich sagte mir, eine Steigerung gibt es nicht, und schließlich war ich ja kein junger Hüpfer mehr."
18 deutsche Meisterschaften
Wie viel Geländestrecken hat Wolfgang Feld in seiner Karriere entworfen und realisiert? Der Course Designer i.R. hat nie nachgezählt. 1965 war jedenfalls ein CCI** in Bad Harzburg der erste Event. 20 Jahre lang wirkte er in Bielefeld. 18 deutsche Meisterschaften hat er gezählt. Sechs Nachwuchs-EM drückte er seinen Stempel auf, davon vier in Deutschland, und zwar in Wesel, in Walldorf, Luhmühlen und Bonn-Rodderberg. Drei Senioren-EM und die Weltmeisterschaft (1982) in Luhmühlen sind in seiner Vita zu finden.
Assistent von Olaf Petersen
Bei zahllosen Events fungierte Wolfgang Feld als Technischer Delegierter, unter anderem sechs Jahre lang in Badminton. Und er hat eine ganze Reihe international bedeutsamer Springturniere im Lebenslauf, unter anderem als Assistent von Olaf Petersen bei Olympia 1988 in Seoul und 1990 bei den Weltreiterspielen in Stockholm.
International in allen Sätteln
Der 1935 in Lüdenscheid geborene Pferdemann, verheirateter Vater zweier Söhne, kennt die Reiterperspektive in allen möglichen Sätteln zu Genüge: In den 50er Jahren ritt er in Enzen-Euskirchen die Pferde des Vereinsvorsitzenden Carl Bolten bei internationalen Vielseitigkeitsprüfungen und Springen, war in St. Gallen in der Schweiz in einem Springstall aktiv, stellte später für Josef Neckermann Pferde bei internationalen Dressur- und Springprüfungen vor und verhalf Ende der 60er Jahre dem Stall Buchhorst in Braunschweig zu internationalen Erfolgen im Buschsport und im Parcours.
Von 1971 bis 1985 fungierte Wolfgang Feld als Vielseitigkeits-Bundestrainer für die Junioren und Jungen Reiter. In diese Zeit fielen sieben Goldmedaillen bei Europameisterschaften und zahlreiche Silber- und Bronzemedaillen.
Das "heilige Vorwärts" geht verloren
Neuere Trends des Course Design sieht Wolfgang Feld durchaus distanziert: Zu seiner Zeit habe man sich möglichst um das "heilige Vorwärts" bemüht – Ross und Reiter sollten unterwegs "ihren Spass" haben. Und heute regiere das "heilige Rückwärts, um all die schmalen Dinger zu treffen", kritisierte Feld im buschreiter-Interview mit der Distanz und Unabhängigkeit des Ruheständlers. "Wenn ein Routinier wie Flambeau nach einer halben Luhmühlen-Runde die Schnauze voll hat und einfach nicht mehr mag, dann sollte einem das zu denken geben." Die "übertriebenen Wendungen" im Cross bedeuteten für die Pferde "Stress hoch drei". Nach 100 Metern müssten die Reiter oft mit Hilfe scharfer Gebisse voll "auf die Scheibenbremse" treten, um ihnen dann die Sporen zu geben, damit sie in der Zeit bleiben. "Die Pferde haben keine Zeit mehr, um ausreichend Luft zu holen."
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