Buschreiter.
de Ð aktuell: Event Rider Association
VON WOLF-DIETRICH NAHR
Ein prominenter Vertreter des Buschsportes, der Vizeweltmeister Clayton Fredericks, ist im Begriff, eine neue internationale Organisation auf die Beine zu stellen, die die Interessen der Vielseitigkeitsreiter bŸndeln soll. Die bereits gegrŸndete Event Rider Association (ERA) will Preisgelder ausloben und sich zu einer schlagkrŠftigen Interessenvertretung auch gegenŸber den SportverbŠnden entwickeln. Deshalb sucht Fredericks nun UnterstŸtzer auch in Deutschland (Fredericks bei der Siegerehrung im Aachen, Foto: Nahr).
Der in England beheimatete
australische Vielseitigkeitsreiter hat bereits eine klare Zielsetzung
entwickelt. Demnach soll die ERA mit einem ãpolitischenÒ Auftrag auftreten: die
Interessenvertretung gegenŸber der FEI zum Beispiel bei €nderungen des
Regelements. Fredericks beklagt in einem programmatischen Papier, dass bisher
alle Entscheidungen der FEI ãŸber die Kšpfe der Reiter hinwegÒ getroffen worden
seien. Ein formal bestimmter Reitervertreter bei der FEI, Carl Boukart, habe
wegen fehlender demokratischer Legitimation kein Mitspracherecht. Die
Legitimation fŸr die Vertretung der Interessen der Vielseitigkeitsreiter will
sich die ERA durch die Zahl der Mitglieder verschaffen. Deshalb mŸssten in
kurzer Zeit mšglichst viele Reiter dem Verband beitreten, argumentiert
Fredericks. Dies ist vom Schreibtisch aus mit wenigen Mausklicks mšglich: Die
ERA hat bereits eine sehr gut gemachte Website unter www.eventridersassociation.com/index.php
im Netz, wo sich jeder Reiter direkt als Mitglied ohne finanzielle
Verpflichtungen registrieren lassen kann. Doch diese Website und der Aufbau der
Organisation ist zum Nulltarif nicht zu bekommen, so Initiator Clayton
Fredericks. Deshalb hat er eine Idee entwickelt, mit deren Verwirklichung auch
noch der finanzielle Grundstock fŸr Ranglistenwettbewerbe mit Preisgeldern
geschaffen wŸrde. Davon sollen dann laut Fredericks nicht nur die Profis, sondern
auch die Amateure auf verschiedenen Levels profitieren. Die ERA-Initiatoren
werben deshalb im Moment dafŸr, dass die Reiter und die FEI einem speziellen
Modell zustimmen: Anstelle von MitgliedsbeitrŠgen sollen die Eventer bei jeder
Nennung fŸr einen CIC oder CCI einen kleinen Beitrag zum Beispiel in Hšhe von
fŸnf Euro entrichten und damit obligatorisch Mitglied bei der ERA werden. Das
Inkasso soll die FEI erledigen und das Geld an die ERA weitergeben. ãWir haben
einen Sponsor gefunden, der garantiert, das Gesamtaufkommen der BeitrŠge zu
verdoppeln. Dieses Sponsoring flie§t komplett in einen Fonds fŸr Preisgelder
fŸr Ranglisten oder Šhnliche internationale WettbewerbeÒ, so Fredericks. Die
Diskussion Ÿber dieses Modell hat bereits begonnen: In der Szene ist eine
Denkschrift in Umlauf, die von dem baden-wŸrttembergischen
Vielseitigkeitsreiter Eckart Siewert stammt und verbreitet wird. Am Rande der
CDV-Jahreshauptversammlung in Gšttingen ist unter ãVerschiedenesÒ dieses Thema
auch diskutiert worden. Dabei wurde der Vorschlag geŠu§ert, dass Clayton
Fredericks eventuell im Rahmen der Vier-Sterne-PrŸfung in LuhmŸhlen direkt die
Reiter Ÿber das Konzept informieren kšnnte. Die Reaktionen blieben bei dem
CDV-Treffen bei kleiner Teilnehmerzahl widersprŸchlich. Andreas Baumann,
Event-Sponsor und aktiver Reiter aus Kempen, bezeichnete das Vorhaben zwar als
ãschwer ŸberschaubarÒ, aber er signalisierte Zustimmung. Auch der vormalige
CDV-Vorsitzende Hans-Friedrich Nagel (Bielefeld) Šu§erte sich ambivalent: Die
FEI sei eben im Begriff, sich neu zu organisieren Ð ein guter Zeitpunkt fŸr die
Sportler, mehr Einfluss auf den internationalen Verband zu gewinnen. Eine
ãZwangsmitgliedschaftÒ und eine 5-Euro-Abgabe auch fŸr die ãlŠndlichenÒ Reiter
auf Ein- und Zwei-Sterne-Niveau kšnne man aber ãheute nicht verkaufenÒ, meinte
Nagel. Er warnte davor, den ãSport unnštig zu verteuernÒ. Sein
Alternativ-Vorschlag: Das Modell solle auf die Teilnehmer von Drei- und
Vier-Sterne-PrŸfungen beschrŠnkt werden. Von CDV-Seite gab es keine klare
Empfehlung, obwohl der Club Deutscher Vielseitigkeitsreiter praktisch schon die
nationale Variante der ERA darstellt. Allerdings macht der Verein nach au§en
heute nicht mehr den Eindruck, dass er sich als Interessenvertreter der Reiter
gegenŸber der FEI oder der FN in Warendorf versteht. Zur Erinnerung: GegrŸndet
hat sich der CDV, als es um das Jahr 2000 darum ging, gegenŸber der Deutschen
Reiterlichen Vereinigung einen personellen Wechsel und programmatischen Wandel
im Vielseitigkeitssport herbeizufŸhren. Dieses Ziel ist erreicht worden. Heute
setzt der CDV gesellschaftliche, aber auch sportliche Akzente: Mit der
Organisation des Balls der Vielseitigkeit und dem CDV-Cup.
CDV-Vorstandsmitglied Oliver Weiss (Deggendorf) begr٤te die Initiative der
ERA, weil diese einen ãgewissen Druck auf die FEIÒ ausŸben kšnne. Einen
offiziellen ERA-Ansprechpartner in Deutschland gibt es offensichtlich nicht. www.buschreiter.de als das am weitesten
verbreitete Vielseitigkeits-Medium im deutschsprachigen Raum šffnet gerne ein
Diskussionsforum zu dem Thema und bittet um MeinungsŠu§erungen.
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