Buschszene-Hintergrund: Medienkampagne gegen Mark Todd?

 

"Ich will die Anschuldigungen nicht kommentieren"

 

Viele halten ihn schlicht für den Reitsportler des Jahrhunderts, einen begnadeten Vielseitigkeitsreiter, einen unvergleichlichen Stylisten in allen drei Eventing-Phasen, einen echten Horseman, bei Olympia und vielen Championaten hochdekoriert. Für viele Buschreiter ist er ein Vorbild. In Neuseeland, seiner Heimat, ist er eine Art Nationalheld. Just dort — und in seiner Wahlheimat England — versuchen offenbar bestimmte Medien, den Heroen vom Sockel zu stoßen. Der seit Wochen down under kursierende Vorwurf: Der beliebte Spitzensportler sei Drogenkonsument und verstoße gegen olympische Doping-Bestimmungen.

Was ist die Basis für die bizarren Anschuldigungen? Ein Ermittlungsverfahren der Justiz? Ein Strafverfahren? Eine Anzeige? Nach buschreiter.de-Recherchen ist nichts von alldem der Fall. Eine Medienkampagne mit denunziatorischem Charakter? Soll man auf Gerüchte überhaupt eingehen, sie auch noch multiplizieren? Tatsache ist jedenfalls, dass die internationale Vielseitigkeits-Szene intensiv über den Fall diskutiert, Offizielle in Neuseeland zu dem Kasus Mark Todd — wie der Betroffene selbst — öffentlich Stellung genommen haben und dort die Nachricht sogar zum Aufmacher der TV-News wurde.

Buschreiter.de hat versucht, die Entstehung der ungeheuerlichen Drogen-Anschuldigung nachzurecherchieren. Demnach druckte die Zeitung "The New Zealand Herald" bereits Mitte Juni eine Geschichte ab, die offensichtlich zuvor in der britischen Boulevard-Zeitung Sunday Mirror erschienen war. In den Veröffentlichungen nehmen die Zeitungen Bezug auf einen Informanten, der lediglich als "Reporter" und "David" bezeichnet wird. Mehrere Wochen lang diente die unglaubliche Mark-Todd-Geschichte im Internet-Angebot des "The New Zealand Herald" als Aufmacher, ergänzt durch eine zusätzliche Geschichte mit wörtlichen Zitaten Todds. Daraus lässt sich schließen, dass von dem Gespräch Todds mit "David" heimlich ein Tonband aufgezeichnet worden ist. Dabei soll sich Todd über seinen Drogenkonsum, drohende Doping-Tests vor Olympia und seine massiven Befürchtungen geäußert haben, alles könne herauskommen.

Zwei Tage nach den Presseberichten veröffentlichte Mark Todd folgende Stellungnahme (Übersetzung buschreiter.de): "Heute hatte ich eine lange Unterredung mit meinen Rechtsanwälten in London und sie haben mir geraten, die gemachten Anschuldigungen in keinster Weise zu kommentieren. Aber wir möchten in der gegenwärtigen Situation nachdrücklich allen in Neuseeland, unseren Freunden und Bekannten danken, die mir und Carolyn und unseren übrigen Familienmitgliedern ihre Solidarität bekundet haben. Wir würden es außerordentlich begrüßen, wenn man uns in Ruhe lassen würde."

Der Generalsekretär des neuseeländischen Olympischen Komtees, Mike Hooper, reagierte merkwürdig distanziert auf den Fall und erklärte allgemein, dass alle Athleten die Konsequenzen tragen müssten, falls sie gegen Anti-Doping-Bestimmungen verstoßen hätten. Gleichzeitig sagte Hooper einschränkend, das Kommitee werde nicht auf "Gerüchte und Spekulationen" reagieren.

Inzwischen hat der Verband Eventing New Zealand eine Shortlist für Sydney veröffentlicht, in der laut Internet-Dienst www.eventers.co.nz auch Mark Todd aufgeführt ist.

Bericht und Foto: Wolf-Dietrich Nahr

NZ-Eventers

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Mark Todd in Badminton

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