Buschreiter.de aktuell: Neue Dressuraufgaben
Deutsche Offizielle wieder federführend
VON WOLF-DIETRICH NAHR
Mit Beginn der Saison 2005 sehen sich die international reitenden Eventer mit neuen Dressuraufgaben konfrontiert. Obwohl die Autoren der Lektionen der Leiter der Abteilung Ausbildung der FN in Warendorf und Turnierrichter, Christoph Hess, sowie Bundestrainer Christopher Bartle größtmöglichen Konsens durch die Einbeziehung aller möglichen Akteure gesucht haben, blieben die gestiegenen Anforderungen auf dem Viereck erwartungsgemäß im englischsprachigen Raum nicht ganz unumstritten. Christoph Hess im buschreiter-Interview: "Das Herzstück der Vielseitigkeit ist natürlich das Gelände, aber finde es richtig, über die Dressur die guten Reiter nach vorne zu bringen. Das ist auch ein wichtiger Sicherheitsfaktor: Es soll nicht nur schnell und wild im Gelände geritten werden."
Die Trennung in Dressuraufgaben für kurze und lange Prüfungen fällt künftig weg. Seit Jahresanfang gibt es nur noch jeweils zwei Aufgaben für das Ein- bis Drei-Sterne-Niveau und auch zwei Varianten für CIC/CCI****. "Sie spiegeln eine einheitliche Reitphilosophie wider und sollen aus einem Guss sein", sagte Hess. Er und Christopher Bartle haben ihre Vorschläge nicht nur mit zahllosen Offiziellen auf nationaler und interationaler Ebene, mit Reitern, Trainern und Veranstaltern diskutiert und in der Praxis am DOKR in Warendorf getestet. Zudem haben die Autoren auch noch das Urteil von Mariette Witthages vom FEI-Dressur-Komitee eingeholt. Die Philosophie ist eigentlich ganz einfach: Die Anforderungen folgen der klassischen Ausbildungsskala, die Christopher Bartle in dieser Reihenfolge benennt:
Takt und Losgelassenheit, Rückentätigkeit, Engagement der Hinterhand, Gehorsam und Durchlässigkeit, Elastizität und Reinheit der Gänge, Geraderichtung und schließlich Versammlung.
Die Aufgaben der Sterne-Niveaus sind so aufgebaut, dass das Training für die Teilprüfung idealerweise genau dieser Ausbildungsskala folgen sollte. Bartle: "Hohe Noten können nur erreicht werden, wenn alle Elemente der Ausbildung im Einklang miteinander sind und korrekt ausgeführt wurden." Der Einstieg auf Ein-Sterne-Level erfolgt bewusst "so leicht wie möglich, um in der Hauptsache die gute Grundausbildung des Pferdes abzuprüfen", sagte Christoph Hess. Stimmt der Takt? Zeigt das Pferd Losgelassenheit, passt die Anlehnung? Kommt der Reiter zum Sitzen? Hat er das Pferd vor den treibenden Hilfen? "Das sind alles Elemente, die man zum guten Reiten im Gelände und beim Parcoursspringen auch braucht", so der internationale Richter, der schon in Lexington, Badminton, Jerez und Athen zur Jury gehörte. Wie schon bei der Novellierung der Dressuren 2002 hat es offensichtlich wiederum eine Grundsatzdiskussion gegeben: Die englischsprachigen Eventing-Puristen meinen gelegentlich, dass ein Zuviel an Dressur dem Pferd die Selbstständigkeit und Leistungsbereitschaft im Cross nehme, eine Position, die der Brite Bartle, Dressur-Olympiareiter und Badminton-Gewinner, nicht teilen kann: "Meiner Meinung nach ist ein falsches Dressurtraining ein viel größeres Problem als zu viel
Dressurtraining." Vor diesem Hintergrund gab es eine "sehr lange und kontroverse Diskussion" (Hess) mit den Verfechtern überkommener Eventing-Traditionen, weil Hess und Bartle ab dem Zwei-Sterne-Level erstmals Lektionen eingebaut haben, die einen steigenden Grad an Versammlung von Reiter und Pferd verlangen. Diese Versammlung wird beim Außengalopp (ab **), fliegenden Galoppwechseln (Drei Sterne: zwei Mal, vier Sterne: vier Mal) und bei den Seitengängen verlangt. Die Anglophilen befanden: alles viel zu deutsch, für die blutgeprägten Pferde mit besonderen Schwierigkeiten verbunden. Christopher Bartle lässt Revue passieren, dass die Galoppversammlung ebenfalls 2002 eingeführt inzwischen allgemein akzeptiert sei, weil sich die Einsicht durchgesetz habe, wie wichtig diese "Lektion" für das Gelände und das Springen sei. Ab Zwei-Sterne-Niveau wird nun auch versammelter Trab verlangt. Dies relativiert sich aber: Nach Meinung des Bundestrainers war auch bisher schon ein gewisser Versammlungsgrad auch im Trab verlangt; zudem seien die Anforderungen mit denen in der Spezialdressur nicht vergleichbar. Hess und Bartle folgten dem Wunsch vieler Reiter und Offiziellen und bauten in die B-Version des Vier-Sterne-Dressur Galopptraversalen ein. Inzwischen gibt es auch eine "Dramaturgie", wie die neuen Sterne-Aufgaben zum Einsatz kommen: Bei allen Europameisterschaften im Jahr 2005 stehen nun die geringfügig schwereren B-Versionen an. 2006 werden es dann auf allen Sterne-Niveaus die A-Varianten sein. Ausnahme: Bei den Weltreiterspielen in Aachen sieht das Publikum ebenfalls die anspruchsvollere B-Variante der vier Sterne wer schon mal etwas üben will. Und noch eine Ausnahme: Beim CIC**** Luhmühlen 2005 wollen die Richter "A" sehen. Auf noch eine Neuerung müssen sich Reiter und Pferd einstellen: Bei der Ein-Sterne-Aufgabe beginnen die Paare ohne Halten. Die Autoren versprechen sich davon einen Zeitgewinn im Ablauf und einen flüssigeren Start für nervige Pferde. Ab CIC/CCI** müssen die Teilnehmer aber vor Beginn auf dem Viereck innehalten (Fotos: Julia Rau, 3, und Wolf-Dietrich Nahr, oben Bettina Hoy mit Woodsides Ashby und unten Ingrid Klimke mit Robinsons Concord).
Dressuraufgaben (englisch, franzoesisch), Link zum Video-Download
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