Olympia-Reservisten Andreas Dibowski/Euroridings Butts Leon
Plan B nach Luhmühlen
VON WOLF-DIETRICH NAHR
Der Reservisten-Reservist für Hongkong, Andreas Dibowski, ist nach Luhmühlen "mit dem Endergebnis nicht zufrieden". Aller Voraussicht nach kann er selbst dann nicht auf einen Olympiaeinsatz hoffen, wenn eines der fünf berufenen Paare der ersten Wahl ausfallen sollte. Es hat nach Luhmühlen den Anschein, dass die Bundestrainer dann das erfahrenere Pferd Twinkle Bee mit seiner Reiterin Anna Warnecke vorziehen würden (buschreiter.de berichtete).
Andreas Dibowski bestätigte auf Anfrage von buschreiter.de, dass es der Wunsch der Reiter gewesen sei, nach der ersten Sichtung in Luhmühlen eine Rangfolge der Reservisten nach den ersten fünf Paaren festzulegen. Das hatte Bundestrainer Hans Melzer auch vor dem Geländetag im buschreiter-Interview angekündigt. Am Abend nach dem Cross gab es dann im Vielseitigkeitsausschuss eine Diskussion darüber, wer erster Reservist sein sollte – und offenbar keine Einigung; deshalb die gleichberechtigte Nominierung der Reservisten Dibo/Butts Leon, Anna Warnecke/Twinkle Bee und Dirk Schrade/Huskey sowie Frank Ostholt mit seinerm zweiten Pferd Little Paint.
"Ein paar Punkte mehr"
Andreas Dibowski zeigte sich im buschreiter-Interview enttäuscht von der Bewertung von Euroridings Butts Leon durch die Richter in der Dressur. 48.9 waren Dibo nicht genug: "Ich hätte mir ein paar Punkte mehr gewünscht." Während die beiden Abwürfe im Parcours denkbar überflüssig gewesen seien, finde er die "entspannte Nummer" von Butts Leon im Cross "überragend".
Gegen Order gewehrt
Immer und immer wieder war Andreas Dibowski die Hinderniskomplxe 5 und 6, das Coffin, mit zwei alternativen Bürstensprüngen nach dem Graben abgegangen, hatte immer wieder mit finsterer Miene die Distanzen geprüft. Anfangs habe es die "Order" der Bundestrainer für die Hongkong-Bewerber gegeben, nach dem Graben die rechte, schwierigere Vier-Sterne-Bürste zu reiten. "Die Reiter haben sich gegen die strikte Order gewehrt", berichtete Dibowski. Seiner Meinung nach sei dies der schlechtere Weg vor allem durch die "unangenehme" Linie zum folgenden Graben mit Palisade gewesen. Daraufhin hatte der Bundestrainer die Order in eine "Empfehlung", einen "Wunsch" umgewandelt.
"Das wäre nicht fair"
Dibo hatte trotz der Bedenken die feste Absicht, dem Wunsch nachzukommen und rechts zu reiten. Doch dann habe das Pferd am Graben etwas an Schwung verloren. Deshalb habe er sich in dieser Situation spontan entschlossen, die linke Bürste zu wählen. Die Trainer haben dann Dibo nach dessen Darstellung hinterher nicht mitgeteilt, ob diese Entscheidung einen Einfluss auf seine Nominierung gehabt habe. "Wenn ja, dann wäre das nicht fair", sagte Andreas Dibowski.
Pau in der Saisonplanung
Der Reservereiter wird mit Butts Leon in Aachen bei der zweiten Sichtung am Start sein und voraussichtlich auch in die Quarantäne in Warendorf mit einziehen. Einen Olympiaeinsatz einmal nicht angenommen, erwartet Butts Leon eine Pause und dann unter Umständen das Weltcup-Finale, die Deutsche Meisterschaft in Schenefeld und schließlich die Vier-Sterne-Prüfung in Pau.
Badminton war Pflicht
Im buschreiter-Interview erklärte Andreas Dibowski, warum er nicht Little Lemon ins Rennen um Olympia geschickt hat: Das Pferd hätte eine lange Prüfung gehen müssen, um ein Qualifikationsergebnis zu erzielen. Der CCI*** in Saumur hätte dafür nicht ausgereicht. Die Trainer hätten darauf bestanden, dass Little Lemon eine gute Leistung beim CCI**** in Badminton erbringen muss, falls eine Nachnominierung des Pferdes in Frage kommen soll. Little Lemon steht nicht auf der Longlist. Little Lemon musste nach dem Badminton-Cross wegen einer Lahmheit zurückgezogen werden.
"Ein Notnagel"
Andreas Dibowski im Hinblick auf einen Championatseinsatz von Little Lemon: "Er ist ein tolles Mannschaftspferd, aber es war niemals erste Wahl, es rangiert immer ganz hinten, ein Notnagel." Der Reiter hat außerdem so seine Zweifel, ob mit Serve Well eine Nominierung möglich gewesen wäre. "Auch an ihr gab es ja Zweifel, selbst wenn sie gute Leistungen gezeigt hat." Serve Well stand für Olympia ohnehin nicht zur Verfügung, weil sich die Besitzerin Beate Hohnfeldt dagegen entschieden hat.
Mit Fantasia in Kreuth
Aber auch ohne Ausflug nach Hongkong hat Andreas Dibowski in der restlichen Saison genug zu tun. FRH Fantasia, 12. im CIC*** in Luhmühlen, pausiert nun. Die Führende im Derby Dynamic-Cup wird dann durch Starts in Bad Harzburg und Schenefeld auf den Herbst-Event in Kreuth eingestimmt.
Außerdem hat Dibo im Moment nicht weniger als drei junge Pferde im Stall, die für das Bundeschampionat qualifiziert sind.
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Lesermeinungen
Es entsteht rückwirkend bei mir der Eindruck, dass es neben der sportlichen Leistung noch weitere Faktoren geben muss, die auf die Nominierungen Einfluss nehmen. Trotzdem Dibo - neben Bettina Hoy - der konstanteste und einer der erfahrendsten Reiter ist, wird er jetzt selbst in der Rangfolge der Reservisten hinter Anna Warnecke eingeordnet. Betrachtet man die Konstanz in allen Teilprüfungen (das Springen in Luhmühlen ist wirklich die Ausnahme gewesen), müsste alles für Dibo sprechen.
Ich denke, dass die Kompromisslosigkeit von Dibo (auch im Bezug auf Teamempfehlungen, Offentlichkeitsarbeit, etc.) zu Gunsten seiner Pferde mit ausschlaggebend ist. Dibo spricht immer sehr offen Probleme und Wünsche aus. Das ist nicht immer zur Zufriedenheit der Offiziellen. Bleibt zu hoffen, dass Aachen noch die Entscheidung für Dibo bringt. Offenbar startet er nur dann, wenn man nicht an seinen Leistungen vorbeigehen kann... Schade, dass jetzt doch auch der sonst so "frische" Bundestrainer politische Entscheidungen trifft.
Peter Zak
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