Buschreiter.de – aktuell: EM-Nominierung

Anna Warnecke im EM-Team

VON WOLF-DIETRICH NAHR

Ein misslungener Geländeauftritt beim Weltcup-Finale in Malmö kostet Simone Deitermann und Flambeau die Teilnahme an der Europameisterschaft in Blenheim. Ihren Platz in der EM-Equipe wird nun die in England lebende Anna Warnecke aus Osnabrück mit Twinkle Bee einnehmen.

Und das ist am Wochenende in Schweden passiert: Ausgerechnet durch den Sturz von Nicole Grimm und Gandus musste Simone Deitermann mit Flambeau (Archivfoto Nahr) im Cross des Weltcup-Finales ihren Geländeritt nach wenigen Hindernissen unterbrechen – Beginn einer Verkettung unglücklicher Umstände. "Das lief wirklich doof, weil ich zum ersten Mal überhaupt im Cross angehalten worden bin", sagte Simone Deitermann im buschreiter-Interview am Sonntag. Die Reiterin versuchte nun, Flambeau bei Laune zu halten. Nach etwa zehn Minuten schien sich die Unterbrechung weiter hinzuziehen und Flambeau sollte gerade eine Decke übergelegt bekommen, als völlig unerwartet für die Reiterin das Kommando "Go" kam. "Ich habe in dem Moment nicht gewusst, wie viel Vorbereitungszeit ich noch habe. Ich hatte den Eindruck, dass es ganz schnell gehen musste." Am übernächsten Sprung nahm das Schicksal dann seinen Lauf – ein Baumstamm mit Hecke als Wassereinsprung mit tief liegendem Landepunkt. Simone Deitermann: "Flambeau und ich waren noch nicht voll konzentriert und auch noch nicht wieder im Rhythmus." Das Pferd stockte kurz beim Absprung, blieb mit den Hinterbeinen am Hindernis hängen – ein Rumpler mit Folgen: "Plötzlich stand ich neben dem Pferd", erinnert sich Simone Deitermann. Bundestrainer Chris Bartle stand am Wasserkomplex und riet Simone Deitermann sofort, den Ritt zu beenden, zumal bereits vorher ein Vorbeilaufer das Konto des Ausnahmepaares belastet hatte. Der Ausrutscher von Malmö hat Folgen: Das Paar wird nun definitiv nicht an der EM teilnehmen, da ihre Nominierung an eine entsprechende Leistung beim Weltcup-Finale geknüpft war. "Simone und Flambeau bräuchten nun noch einmal ein Geländetraining und eine Prüfung, was in der kurzen Zeit bis Blenheim nicht zu machen ist. Es hat keinen Sinn mit einem unsicheren Gefühl zur Europameisterschaft zu fahren", sagte Bundestrainer Hans Melzer im buschreiter-Interview am Sonntag. Diese Einschätzung teilt die Reiterin voll und ganz: "Die einzige Möglichkeit wäre Martinvast gewesen, aber jetzt wieder eine 10-Stunden-Reise für das Pferd ...Das hätte nichts gebracht." Simone Deitermann und Flambeau haben den Vorfall im Cross unverletzt überstanden, aber die Amazone ist dennoch leicht geknickt: "Physisch sind wir okay, aber psychisch nicht so ganz." Im Rückblick bedauert die verhinderte EM-Teilnehmerin nun doch, dass sie sich gegen die DM in Bonn und für das Weltcup-Finale entscheiden hat. "Ich glaube, ich hätte am Rodderberg gute Chancen gehabt, aber andererseits gibt es die Gelegenheit zu der Finalteilnahme auch nicht jeden Tag." Simone Deitermann blickt nach vorne: "Ich lasse bestimmt den Kopf nicht hängen, im nächsten Jahr ist die Weltmeisterschaft im eigenen Land, und da wollen wir angreifen." Auch deshalb setzt die Reiterin nun auf eine Teilnahme an der Testprüfung in Aachen, um sich dann nochmals einer Drei-Sterne-Aufgabe entweder in Boekelo oder in Kreuth zu stellen. Von Simone Deitermanns Malheur profitiert nun die Wahl-Engländerin Anna Warnecke mit Twinkle Bee, die 1979 geborene Medizinstudentin, die aber während der Saison überwiegend in England lebt und dort der Eventing-Weltelite beigebracht hat, ihren Namen zu buchstabieren. "Sie ist top in Schuss und hat mit Twinkle Bee im letzten Jahr und in diesem Jahr immer eine tolle Leistung gezeigt, Chatsworth, Luhmühlen und jetzt in Gatcombe", sagte Hans Melzer anerkennend im exklusiven buschreiter-Interview. Deshalb gab es für den Bundestrainer keinen Zweifel, dass das Paar beim Aufrücken aus dem Reservisten-Lager den Vorrang bekommt. Anna Warnecke war in die Champions League in England Zug um Zug nach der ersten Ein-Sterne-Platzierung 2001 in Wahlsdorf-Liepe aufgesteigen. Der 5. Platz beim CCI*** 2004 in Bramham war dann ein erster Höhepunkt, bevor sie die Erfolgsserie in diesem Jahr fortsetzte. Als erster in Wartestellung für die EM ist nun Peter Thomsen (Archivfoto Julia Rau), dessen The Ghost of Hamish im Vergleich zu Warneckes Twinkle Bee nach Einschätzung von Bundestrainer Hans Melzer nach der Verletzung beim CIC*** Schenefeld trotz der guten Leistung in Bonn nicht ganz so gut abschneidet. Ganz ist das Paar für die Europameisterschaft dennoch nicht aus dem Rennen: Peter Thomsen hat sich entschieden, mit The Ghost of Hamish beim Klassiker CCI**** in Burghley zu starten. Die Prüfung ist bekanntlich eine Woche vor der EM – und auch räumlich nicht allzu weit entfernt. Sollten sich bei anderen EM-Teilnehmern eventuell im englischen Trainingslager Probleme einstellen, dann könnte Peter Thomsen von Burghley aus noch umdisponieren. Hans Melzer: "Außerdem haben wir ja noch Stephanie Thompson mit zwei Pferden in England."

Den Weltcup hat der Australier Clayton Fredericks gewonnen. Beim Finale verdrängte er seinen nach Dressur und Gelände führenden Landsmann Andrew Hoy mit Mr. Pracatan von Platz eins. Mit Ben Along Time (Foto Wolf-Dietrich Nahr) blieb Fredericks im Springen fehlerfrei und hatte am Ende lediglich 42,0 Strafpunkte auf dem Konto. Dagegen lautete der Endstand bei Hoy nach zusätzlichen fünf Strafpunkten im Springen 44,3, womit er knapp vor der Finnin Piia Pantsu mit Karuso (44,4) auf Platz zwei landete. Kai Rüder (Blieschendorf) mit Edward, nach Dressur und Gelände als bester Deutscher auf Platz neun, landete mit zwölf Strafpunkten im Springen am Ende auf Platz elf (65,5) und verpasste damit knapp eine Platzierung. Ebenfalls zwölf Strafpunkte kassierten Andreas Ostholt (Warendorf) und FRH Lady Lemon (65,9) und belegten damit auf Platz 13. Die zweifache Weltcupsiegerin Linda Algotsson ging in Malmö mit Fair Dobbin an den Start und belegte Platz 25 (120,0). Insgesamt bewarben sich 37 Paare um den Titel des Weltcupsiegers.

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