Darren Chiacchia:
Nach schwerem Unfall: Rückkehr in den Turniersport
Es ist wie ein kleines Wunder: Nach einem schweren Sturz mit massiven Verletzungsfolgen ist der vormalige Olympiareiter Darren Chiacchia in den Turnierzirkus zurückgekehrt – und zwar mit dem Trakehner Windfall.
Aus dem Umfeld des Reiters in den USA ist zu hören, dass Darren nach langsamen Runden an der Longe auf Windfall im Juli eine kleine ländliche Vielseitigkeit der Klasse L bestritten hat (mit Windfall und Better I Do It), und zwar mit reichlich Zeitfehlern, aber ansonsten ohne weitere Probleme. Bei den Young Event Horse Championships in Chicago im September war er mit zwei jungen Trakehnern vertreten und hat mit Windfall mittlerweile auch einen Start in Klasse M absolviert.
"Dieses Pferd ist phänomenal"
Darren Chiacchia nach dem ersten Start: "Heute habe ich einen großen Schritt Richtung Normalität gemacht, und verdanke meinem langjährigen Partner Windfall nicht nur eine sichere Runde heute, sondern meine Rückkehr in den Sattel. Dieses Pferd ist phänomenal und ich bin unendlich dankbar, dass seine Besitzer, die Familie Holekamp, an mich geglaubt hat und mich unterstützt, im Sattel dieses Hengstes wieder in den Sport zu finden. Ganz besonders bedanken möchte ich mich bei den unzähligen Spendern, Freunden, Unterstützern und Fans aus aller Welt, die mir über die schwierigen Monate nach meinem Sturz hinweg geholfen haben. Das werde ich nie vergessen."
Nach 60 Tagen Krankenhaus verlassen
Man erinnert sich: Darren Chiacchia konnte 60 Tage nach seinem Unfall am 15. März bei den Red Hills Horse Trials das Krankenhaus verlassen und lebt wieder in seiner vertrauten Umgebung. Er durchlief eine intensive Rehabilitation und übte beim Tennisspielen seine Augen-Hand-Koordination. Obwohl er sich nicht an den Unfall und die folgenden 42 Tage nicht erinnern kann, hat er schnell das tägliche Geschäft auf seiner Farm wieder übernommen.
Bei Olympiareiter in Beritt
Windfall, der gekörte Trakehner Hengst aus der Zucht von Heinz Lembke im bayerischen Kaufbeuren und dem Besitz von Dr. Timothy Holekamp aus Columbia, MO, USA, wurde zwischendurch von Olympiadressurreiter Robert Dover beritten, auf dessen Farm in Florida Darren auch wieder erste Longenstunden und Dressurunterricht genommen hat. Windfalll diente in der Aufbauphase als "Therapiepferd" für seinen langjährigen Reiter.
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Lesermeinungen
Ich habe gerade Ihren Bericht gelesen über Darrens Rückkehr. In den letzten Tagen habe ich über Darren Chiacchia nachgedacht und recherchiert. Ich bin wirklich erstaunt, dass er nach seinen schweren Verletzungen bereits wieder reitet. Soweit es bekannt ist, hat er schwere traumatische Gehirnverletzungen (traumatic brain injury=TBI) erlitten, die eine längere Heilungzeit benötigen. In den USA sorgt seine frühe Rückkehr in den Sport für Diskussionen, die von "viel zu gefährlich" bis zu "er muss es ja selber wissen" reichen. Immer wieder ist allerdings die Rede davon, dass er noch Symptome zeigt, die darauf hindeuten, dass er noch nicht wieder völlig ausgeheilt ist.
Ist es da nicht sehr bedenklich, dass er sich dem Risiko eines erneuten Sturzes aussetzt – und damit sicher weitaus schlimmeren Folgen als den bisherigen?
In anderen Sportarten wie z.B. Football und auch Formel 1 gibt es eine "Return to play"-Regel, die einem Sportler, der eine Verletzung/Unfall hatte, die Rückkehr in den Sport "erlaubt". Formel 1-Piloten wie Kubica und beide Schumacher-Brüder sind nach ihren 300km/h-Unfällen mindestens 4 Wochen aus dem Verkehr "gezogen" worden.
In den 70er Jahren war der Rennsport bei jedem Start ein hohes Sicherheitsrisiko und viele schwere und auch tödliche Unfälle passierten. Große Fahrer wie Niki Lauda und Jacky Stewart haben damals mutig "HALT" gerufen und sind gegen den Strom geschwommen. Sie haben damit ein neues Verständnis für die Sicherheit in der Branche ausgelöst. Millionen wurden daraufhin später in Sicherheitsforschung, Aufklärung, Regulierung und Technik investiert. Davon profitieren heute die Sportler. Fast wie durch ein Wunder überleben sie ja fast alle unglaubliche Horror-Crashs mit über 300km/h.
Bleibt die Frage offen, ob eine "Return to play"-Regel auch in unserem Sport angewendet werden sollte oder wie bisher jedem einzelnen die Frage nach Turnierteilnahme oder nicht überlassen bleiben soll. Gerade in den letzten 12 Monaten ist die Diskussion um die Sicherheit in der Vielseitigkeit ja das Thema schlechthin. Wir sind bestimmt auf dem richtigen Weg - u.a. mit der im letzten Jahr gegründeten Sicherheitsgruppe um Dr. Giensch, die Stürze, deren Gründe und Verletzungen genauestens unter die Lupe nimmt und damit später Rückschlüsse auf die Ursachen ermöglicht.
Ob nun tatsächlich noch die Schaffung eines offiziellen Gremiums für die Entscheidung über "gesund oder nicht" realistisch und/oder notwendig ist, kann sicherlich so einfach nicht beantwortet werden. Auch hierzu bräuchte es ja Statistiken über Unfälle nach frühzeitiger Verletzungs-Rückkehr in den Sport. Bis dahin bleibt also die Verantwortung bei jedem Einzelnen.
Und im Falle Darren Chiacchia wünscht man ihm sehr, dass er sich gut genug auskuriert hat für seine Rückkehr in den internationalen Top-Sport!
Nicole Sollorz, Hamburg
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