CCI** Compiegne 2010
Seriensieger lässt Weltklasse-Feld hinter sich
VON WOLF-DIETRICH NAHR
Der EM-Bronzemedaillengewinner Michael Jung hat gleich zum Saisonstart beim CCI** im französischen Compiegne sein Ausnahmetalent und die glänzende Form seiner Top-Pferde unter Beweis gestellt: Mit einem Dopppelerfolg trat Jung am Sonntag die Heimreise nach Baden-Württemberg an.
Weidezaunprofi's River of Joy und La Biosthetique Sam ließen auf den Plätzen 1 und 2 ein starkes Feld mit insgesamt 71 Paaren hinter sich. Jung demonstrierte, dass mit einer ausgeklügelten Winterarbeit noch deutlich Dressurpunkte mobilisiert werden können. River of Joy war mit 30.9 Punkten Dressursieger gewesen und auch Sam stieß mit 32.2 in neue Sphären auf dem Viereck vor. „Beide haben sich durch konsequente Winterarbeit in der Dressur deutlich verbessert“, sagte Michael Jung am Sonntag im buschreiter-Interview. Man dürfe sich nicht einfach mit den aktuellen Leistungen auf dem Viereck zufriedengeben, sondern man müsse systematisch beispielsweise an der Verbesserung der Grundgangarten arbeiten, sagte der Championatsreiter.
"Mehr Ausdruck und Schwung"
Doch was genau die erfolgreiche Winterarbeit bei Weidezaunprofi's River of Joy ausgemacht hat, wollte Jung dann doch nicht verraten. Aber das Ergebnis beschrieb er so: „Der Bewegungsablauf ist insgesamt fleißiger, dadurch tritt er mehr unter und bekommt mehr Ausdruck und Schwung.“ Verbesserungen bei der Versammlung und bei der Verstärkung speziell im Trab seien deutlich spürbar.
Sam sehr losgelassen
Auch Sam ist offenbar längst nicht mehr der übermotivierte Heißsporn auf dem Viereck. „Er hat einen sehr losgelassenen Eindruck gemacht und ist auch sehr ruhig gestanden – und er hat auf dem Abreiteplatz nicht mehr geschwitzt.“ Früher musste das Team Jung schon einigen Aufwand betreiben, um den genialischen Sam in eine relaxte Gemütsverfassung zu bringen. Damit mobilisiert der Luhmühlen- und Weltcup-Gewinner wichtige Punkte, die ihn wieder zu einem Ass im Ärmel des deutschen Teams bei künftigen Champioanten machen werden.
Gut dotierte Prüfung
Die Fahrt nach Compiegne hat sich nicht nur finanziell ausgezahlt – für die Plätze 1 und 2 gehen auf Jungs Konto immerhin 17000 Euro. Der Eventer hat auch die Gewissheit, dass beide Pferde nach dem langen Winter ausgezeichnet auf anspruchsvolle Herausforderungen im Cross eingestimmt sind. "Fontainebleau ist ja ausgefallen, und wir haben bisher nicht allzu viel trainieren können. Deshalb ist es besonders schön, dass beide Pferde nicht nur ordentlich drübergelaufen sind, sondern dass beide im Gelände richtig gut waren."
Marbach, Wiesbaden, Strzegom
Für das potenzielle WM-Pferd Sam steht der weitere Turnierfahrplan recht genau fest: Anfang Mai folgt die Weltcup-Qualifikation in Marbach; in Wiesbaden soll der Vier-Sterne-Crack nur Dressur und Springen gehen, um dann in Strzegom im kompletten CCI*** am Start zu sein. Ein Auftritt in Aachen steht laut Michael Jung erst einmal ein Klammern. Obligatorisch dürfte dann die letzte Sichtung vor den Weltreiterspielen in Schenefeld sein.
Starke deutsche Abordnung
Neben Michael Jung gab es noch eine starke deutsche Abordnung. Benjamin Winter dürfte mit seinem 5. Platz mit Wild Thing Z mehr als zufrieden sein. Frank Ostholt ritt La Fair auf den 11. Rang und ließ es mit Altmeister Air Jordan im Gelände betont geruhsam angehen (28.). Beeke Kaack ließ sich mit Sinjang nicht mehr vom 16. Dressurplatz vertreiben und schaffte es mit Lost Money (68.) nicht mehr ganz ins Geld. Für die deutsche Szene ist es von Interesse, dass Sara Algotsson Wega zwei Plätze hinter ihrem Ehemann auf Rang 13 platzieren konnte - und dass Mark Todd wie zu erwarten dick im Geschäft ist (9. mit Chuckelberry).
Ergebnisse
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