Buchreiter.de — aktuell: Burghley, Badminton

2005 letztes Jahr mit Rennbahn

VON WOLF-DIETRICH NAHR

Die beiden traditionsreichsten Events des großen Buschsports beugen sich dem globalen Wandel des Vielseitigkeits-Formates: Badminton und Burghley werden 2005 zum letzten Mal als echte große Prüfung mit Wegestrecken und Rennbahn stattfinden und ab 2006 "nur noch" als Kurzprüfung über die Bühne gehen (Foto Wolf-Dietrich Nahr, William Fox-Pitt auf der Rennbahn in Badminton).

Die Nachricht wurde ganz verschämt auf der Website von Badminton für beide Turniere verbreitet. Der Vorsitzende von British Eventing, Michael Tucker, begründet die Entscheidung der Organisatoren nach über einem Jahr intensiver Überlegungen etwas resigniert: "Nach langen Debatten hat sich herausgestellt, dass das neue Format als wegweisend für die Zukunft zu gelten hat. Wir passen uns nun den Anforderungen der Olympischen Spiele, Weltreiterspiele und Europameisterschaften an, um für unsere Reiter die bestmöglichen Medaillenchancen zu wahren." Badminton war ja1949 ausdrücklich als Vorbereitungsturnier für Olympia ins Leben gerufen worden, nachdem die Engländer 1948 so enttäuschend abgeschnitten hatten. Zudem ist weltweit das lange Format mit Roads&Tracks und Steeplechase weiter auf dem Rückzug. Burghley und Badminton wären die zwar ruhmreichen, aber letzten Relikte des überkommenen Konzepts der Vielseitigkeit. Doch selbst Profis würden sich künftig schwer tun, bei die kurzen internationalen Highlights und den — wenn auch hoch dotierten — Klassikern in England gleichermaßen angemessen beritten zu sein. Mike Tucker: "Das Training von Pferden für Burghley und Badminton dauert Jahre. Reiter, Trainer und Organisatoren brauchen Zeit, um sich auf das vorzubereiten, das manche als radikale Entwicklung ansehen. Wir sahen uns gezwungen, uns jetzt für das nächste Jahr zu entscheiden." Auch in der Stellungnahme des Badminton-Chefs Hugh Thomas klingt etwas Bitterkeit mit: "Der Sport hat sich seit seiner Einführung bei den Olympischen Spielen 1912 immer weiterentwickelt. Die Feinabstimmung des Formates erfordert eine Evolution, keine Revolution. Badminton 2006 wird eine faire, aber höchste Herausforderung in unserem Sport sein." Sprich: Badminton will durch das Festhalten am alten, langen Format quasi die "Marktführerschaft" unter den Top-Turnieren nicht verlieren. Auch die designierte Burghley-Direktorin Elizabeth Inman bekräftigt: "Burghley und Badminton werden auch in Zukunft die Maßstäbe im Sport setzen." Sie erinnert daran, dass ihr Event in Mittelengland wiederholt Schauplatz von Championaten gewesen ist — und dass sich Burghley problemlos "different types of competition" anpassen kann. Was ist mit dem CCI**** Lexington/Kentucky? Die US-Organisatoren äußern sich etwas rätselhaft: Einerseits heißt es in Lexington, dass es 2005 beim traditionellen Format mit Wegestrecken und Rennbahn bleiben wird — was zunächst nicht so überraschend ist. Doch eine Aussage für die Jahre danach gibt es im Moment offenbar nicht. Dafür das folgende Glaubensbekenntnis: "Wir glauben auch weiterhin, dass das traditionelle Format der vollständige Test für Pferd und Reiter ist, der die verschiedenen Fähigkeiten prüft: Geschwindigkeit, Ausdauer, Springvermögen — alles, was aus Three-Day-Events den ultimativen Pferdesport-Wettkampf macht." Dies reflektiert, dass es in den USA eine sehr starke Basisbewegung unter den Reitsportlern gibt, die unabhängig vom Wandel des Formates bei internationalen Championaten an den langen Prüfungen festhalten wollen. Laut Turnierkalender ist der CCI**** in Adelaide/Australien unter dem 11. bis 13. November 2005 als lange Prüfung angekündigt. Zumindest gibt es keinen Hinweis auf eine Änderung des Formats. Die fünfte Vier-Sterne-Prüfung findet 2005 bekanntlich in Luhmühlen statt — auch als Top-Event ohne Steeplechase, obwohl das Turnier in der Lüneburger Heide bekanntlich eine lange CCI-Tradition hat.

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