Bulgarisches Team
Zwei fliegen aus der Mannschaft
VON WOLF-DIETRICH NAHR
Eklat im bulgarischen Team mit Trainingsbasis in Deutschland: Zwei Eventer sind von der nationalen FN aus der Mannschaft geworfen worden, weil sie entgegen der Anordnung von Trainer Tony Harris in Marbach gestartet waren.
Die Bulgarische Equestrian Federation (BEF) hat mit Tony Harris einen Trainer verpflichtet, der ungewöhnliche Trainingsmethoden anwendet: Dem bulgarische Eventingteam hat er während des ersten, gerade beendeten Trainingscamps auf seiner Reitanlage im niederrheinischen Sevelen zunächst einmal „Horsemanship“ erläutert. Damit hatten die Bulgaren überhaupt nicht gerechnet.
Nachdem Tony das Team bei den „Kreuther Cross-Country-Tagen“ übernnommen hatte, musste die Nationalmannschaft in Sevelen lernen, wie Pferde gepflegt und gehegt werden – und dann wurde erst geritten; Sattelpflege und Hufbeschlagslehre standen ebenso auf dem Plan wie Hindernisbau und Konditionstraining.
Bei der Zwei-Sterne-Prüfung in Kreuth fiel ein bulgarischer Eventer durch unsportliches Verhalten auf: Völlig unnötigerweise wähle er am Ende der anspruchsvollen Zwei-Sterne-Geländestrecke einen nicht ausgeflaggten Wasseraussprung. Prompt stürzte das Pferd und verletzte sich an der Hinterhand. Der Reiter saß auf und wollte weiterreiten, wurde aber von Offiziellen aus dem Rennen genommen. Voller Wut donnerte er seinen Helm auf den Boden und stapfte davon, ohne sich um die Verletzung seines Pferdes zu kümmern. Ein schwerer Mangel an "Horsemanship", befanden empörte Zuschauer. Harris tat gut daran, eine Extra-Lektion einzulegen.
Laut Pressemitteilung der bulgarischen FN und von Tony Harris stand nach den harten Wochen des Trainings fest, dass die Teilnahme bei dem internationalen Vielseitigkeitsturnier auf dem Baden-Württembergischen Landegestüt in Marbach für dieses Team noch zu früh ist. Die Teilnahme wurde von Tony Harris für alle seine neuen Schüler abgesagt. Noch sei keiner in der Lage, sich mit der europäischen Elite zu messen. Welt- und Europameister traten dort gegeneinander an, viel zu früh für Tonys Schützlinge. Dr. Krum Rashkov, Secretary General der bulgarischen FN, war froh, dass Tony Harris sein Team nicht hat starten lassen. Bedauerlich sei nur, dass zwei Reiter hier anderer Meinung gewesen seien und trotz strikter Anordnung in Marbach starteten – mit entsprechend negativem Resultat. Als Konsquenz für diese beiden Reiter wurde mit der bulgarischen Equestrian Federation BEF) festgelegt, das sowohl Nicolai Asenov als auch Miroslav Iliev das Team verlassen müssen. Tony Harris: "Es ist eine Sportart, bei der nicht nur sportlicher Ehrgeiz und Mut notwendig sind; wichtig ist die Besonnenheit und die Fairness dem Pferd gegenüber. "
Nachtrag: Nach der Veröffentlichung des obenstehenden Beitrages ging der Redaktion folgende Stellungnahme des Marbacher Turnierleiters Ulrich Kretschmer-Keller ein:
Uns lagen bis zum Ende des definitiven Nennungsschlusses 5 Nennungen der bulgarischen Reiter für die 2* vor, die über Herrn Eck eine Woche zuvor telefonisch bei Frau Fulda bestätigt wurden. Am Mittwoch, den 09.05.2007 erschienen 2 bulgarische Reiter auf dem Marbacher Gelände und meldeten sich für die 3* -Prüfung an. Da uns hier keine offiziellen Unterlagen vorlagen und wir zeitgleich von Herrn Harris darüber in Kenntnis gesetzt wurden, dass diese Reiter 'unerlaubter' Weise nach Marbach gereist waren, um die 3* -Prüfung zu reiten, haben wir die Situation eingehend geprüft. Unser TD Herr Anthony McPerson legte größten Wert auf die Vollständigkeit der Qualifikationen und der Nennungen. Herr Harris hat sich uns telefonisch als offizieller Trainer der bulgarischen Mannschaft vorgestellt und angegeben, dass er autorisiert von der bulgarischen FN die absolute Entscheidungsfreiheit über die reit-sportlichen Aktivitäten der bulgarischen Reiter hat. Leider wurden diese Äußerungen von keiner offiziellen Seite schriftlich bestätigt.
Der Start der beiden Reiter in der 3*-Prüfung wurde von der bulgarischen FN durch eine offizielle Nennungsbestätigung per Fax ausdrücklich gefordert, die von Herrn Dr. Kroum Rashkov signiert war.
Von Seiten der FEI-Qualifikationen gab es keine Einwände, der Start war regelkonform.
Die sportliche Vorstellung der beiden bulgarischen Reiter während ihres Aufenthalts in Marbach gab weder den FEI-Offiziellen noch dem Veranstalter Anlass, die Annahme der Nennung, bzw. Start zu verweigern.
Die nun folgende Berichterstattung bzw. Veröffentlichung der Mitteilung durch Herrn Harris und der bulgarischen FN hat uns dazu veranlasst, die im Raum stehenden Argumente aus Sicht der Marbacher Veranstalter zu korrigieren.
Die bulgarischen Reiter und Betreuer sind uns in Marbach stets als angenehme Gäste aufgefallen, die jederzeit Kooperations- und Kommunikationsbereitschaft zeigten.
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