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In leichter Wohnungsnot: Madeleine Brugman muss erklärten, wie in Portugal in ihre Grooming-Tasche Sprungglocken mit regelwidrigen Spikes gekommen sind (hier mit Sundancer, Archivfoto Julia Rau).

Der Fall Madeleine Brugman/Statement

Sprungglocken mit Spikes: Ein Versehen oder eine Intrige?

VON WOLF-DIETRICH NAHR

Die niederländische Vielseitigkeitsreiterin Madeleine Brugman hat in einer Stellungnahme für die FEI erneut beteuert, dass sie beim CCI*** im portugiesischen Barocca d'Alva während des Abreitens des Pferdes Sundancer für das Springen keine irregulären Springglocken mit Spikes verwendet hat. Solche Glocken waren von einem FEI-Steward auf dem Abreiteplatz beschlagnahmt worden. Sie befanden sich in einer Tasche, die Madeleine Brugman nach eigener Darstellung unbeaufsichtigt am Abreiteplatz zurückgelassen hatte. buschreiter.de liegt die Stellungnahme an die FEI vor.

"Madeleine Brugman does not have any explanation as to why the boots in question were found in her grooming bag. Maybe someone else had put these boots into her bag. It is a fact, that the bag remained unattented during the event and that other riders used the same place to deposit their equipment (helmet, boots, rugs, ect.)."

Mit dieser zusammenfassenden Stellungnahme endet das insgesamt 24 Seiten umfassende Papier, das ein Züricher Rechtsanwalt für die beschuldigte Reiterin Anfang dieser Woche bei der FEI in Lausanne eingereicht hat. Zu dem Statement war die Amazone nach dem Vorfall in Portugal im März 2008 aufgefordert worden.

Reiter sollen aussagen

Madeleine Brugman bittet die FEI in dem Papier, die beiden Eventer Salvador Folgue und Dan Jocelyn als Zeugen anzuhören. Folgue hatte der Reiterin auf dem Abreiterplatz bei der Vorbereitung der drei Pferde geholfen.

Madeleine Brugman legt der FEI schriftliche Aussagen von Pferdepflegern und Turnierbetreuern vor, die einhellig bezeugen, dass bei den Pferden der Reiterin niemals illegale Gamaschen verwendet worden sind.

Tasche selbst gepackt

Sodann rekonstruiert die beschuldigte Reiterin gestützt auf Zeugenaussagen die detaillierten Vorgänge beim Abreiten der Pferde Marengo, Lost of Words und Sundancer. Wegen Umstimmigkeiten mit einer Pflegerin habe Brugman eine Tasche mit Ausrüstungsgegenständen für das Springen selbst gepackt. Sie zählt in dem Statement im einzelnen auf, welche Gegenstände sich in diesem Beutel befunden haben und welche Gamaschen und Sprungglocken jeweils an den drei Pferden verwendet worden sind.

Durcheinander rund um Plastikstuhl

Sie übergab laut Stellungnahme die Tasche mit dem "Eskadron"-Aufdruck dem Reiterkollegen Foluge, der diese auf einem weißen Plastikstuhl am Rande des Abreiteplatz abgelegt habe. Dieser Stuhl sei offensichtlich von mehreren Teilnehmern zum Deponieren von Ausrüstungsgegenständen verwendet worden. Als sie bei ihrem zweiten Pferd Lost of Words Gamaschen habe anlegen wollen, habe sie in ihrer Tasche ein Paar Gamaschen und Handschuhe entdeckt, welche eindeutig nicht ihr gehörten. Sie habe angenommen, dass diese von Andrew Hoy seien, doch dies habe sich als falsch herausgestellt. Hoy sei es auch gewesen, der kurz vor dem Springen mit Sundancer Sprungglocken abgenommen und in die Tasche gegeben habe. Danach sei Andrew Hoy zur Arena gegangen, um Madeleine Brugman und Sundancer im Parcours zu sehen.

Glocken nie zuvor gesehen

Weil das Pferd wie gewöhnlich nach dem Springen sehr nervös gewesen sei, habe sie sich entschlossen, dem Pferd für den Weg zurück zum Stall wieder die Sprungglocken anzulegen. Auch die Gamaschen an den Hinterbeinen habe sie nach dem Springen gewechselt. Sie habe dann Andrew Hoy gebeten, die Tasche mit zurück zum Stall zu nehmen. Doch dieser sei von einem FEI-Steward daran gehindert worden. Begründung des Offiziellen: Er habe "some irregular bell boots" darin entdeckt. Andrew Hoy habe erklärt, dass er diese Sprungglocken nicht kenne und sie nie zuvor gesehen habe.

Peinliche Befragung

Bei einem Hearing der Ground Jury seien Madeleine Brugman und Andrew Hoy mit den Vorwürfen konfrontiert worden. Der Technische Delegierte Andrew Griffiths befragte Brugman, ob ihr die nicht regelgerechten Glocken gehörten. Sie habe dies klar verneint. Der TD konfrontierte Hoy mit der Aussage eines FEI-Stewards, der beobachtet habe, wie dieser die Glocken von Sundancer entfernt, in die Tasche gegeben und eine Pferdedecke darauf gelegt habe. Andrew Hoy habe bei dem Hearing erklärt, dass die von ihm entfernten Sprungglocken keine Spikes aufgewiesen hätten.

Pferdepflegerin in Verdacht

Madeleine Brugman schildert in ihrer Stellungnahme detailliert die Probleme, die sie mit einer kurz vorher engagierten Turnierbetreuerin gehabt habe. Mit dieser sei eine Probezeit vereinbart gewesen. Wegen einer Serie von Fehlleistungen der Mitarbeiterin habe sie das Beschäftigungsverhältnis nicht fortsetzen wollen und in Barocca kurzfristig eine andere Mitarbeiterin verpflichtet, die dann die Aufgaben übernahm. Deshalb sei im Team eine relativ schlechte Stimmung gewesen. Madeleine Brugman beschreibt dies detailliert, ohne jedoch die Behauptung aufzustellen, dass jene gefeuerte Mitarbeiterin es gewesen sein könnte, die ihr die gespickten Glocken untergeschoben haben.

Hearing geplant

Die von Madeleine Brugman beschreibenen Vorgänge am Rande des Abreiteplatzes legen die Vermutung nahe, dass jemand in dem allgemeinen Durcheinander rund um den gemeinschaftlich benutzten Plastikstuhl die ominösen Sprungglocken versehentlich in der fremden Tasche deponiert und später nicht wieder herausgenommen hat.

Nach der förmlichen Stellungnahme ist ein Hearing über den Fall bei der FEI geplant. Madeleine Brugman hat angekündigt, dass sie dort umfassend aussagen wird.

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Lesermeinungen

Reiterin kann nur freigesprochen werden

Der Fall ist oder erscheint verzwickt, so dass man sich nur auf Aussagen stützen kann: Tatsache scheint, wenn ich richtig gelesen habe, dass die Spikes-Gamaschen an keinem Pferdebein entdeckt wurden, sondern in einer Tasche. So erscheint es mir unbedeutend, ob sie in einer Tasche waren, herumlagen oder was auch immer. So kann die Reiterin nur freigesprochen werden. Hat sie selbst die verbotenen Gamaschen mitgeführt, wäre ein neues Verfahren einzuleiten, um den Grund zu erfahren.

Ich erinnere mich noch gut an ein Weltcupfinale im Springreiten in Göteborg vor einigen Jahren, wo an einem Stand Gamaschen mit innen eingelegten stumpfen Plastikplättchen offen zum Kauf angeboten wurden, was in der Schwedens Presse einen Riesenwirbel entfachte, weil in Skandinavien der Tierschutzgedanke noch ausgeprägter ist als bei uns. Doch heraus kam Folgendes: Der Verkauf und der Erwerb sind nicht strafbar, lediglich die Anwendung ist verboten.

Dieter Ludwig (Wassenberg)

 

Versaut der Erfolg den Menschen?

Ab und zu geht mal was "schief", so möchte ich diese Episode bewerten. Nein, in diesem Fall kann Frau Brugman wohl nicht "haftbar" gemacht werden - Im Zweifelsfall für die Angeklagte ! - dies muss auch für Madeleine B. gelten, was nicht heißen darf, sie wäre "unschuldig"! "Freispruch mangels Beweisen" hat immer einen faden Beigeschmack und es ist schon ungewöhnlich seltsam, dass diese Glocken genau in dem Moment bei Madeleine B. gefunden werden, wo es um Olympianominierung geht und wo Madeleine B. nach vielen Jahren "Mittelfeld" in der europäischen Spitze angelangt ist - versaut der Erfolg möglicherweise den Menschen!?

Mir persönlich hat auf den Turnieren gefallen, dass Madeleine B. sich immer sehr persönlich um ihre Pferde kümmerte und nach dem Ritt oft noch stundenlang mit Pferd und Hund spazieren ging - aber da war sie noch im Mittelfeld!

J. Lindner

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