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Hoffnungsträgerin: Mit Escada JS holte Andreas Brandt beim Bundeschampionat den Vizetitel der 5-Jährigen (Foto: Jutta Wego)

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Vize-Championess bei den Sechsjährigen wurde Andreas Brandt mit Donja (rechts, Foto: Dill). Links: Brandt und Clever&Smart im Marbacher Cross (Foto: Julia Rau)

Porträt: Andreas Brandt

Der heimliche Star des Bundeschampionates

VON WOLF-DIETRICH NAHR

Wer ist eigentlich Andreas Brandt? Besuchern des Bundeschampionates klingt der Name immer wieder in den Ohren: Der Profi aus den neuen Bundesländern trägt sich fast schon regelmäßig in die Platzierungslisten der jungen Vielseitigkeitspferde ein. Das schließt nicht aus, dass sich der Berufsreiter vielleicht auch irgendwann im Buschspitzensport etabliert.

"Die Frage muss ist erst mal offenlassen." Der 37-jährige doppelte Pferdewirtschaftsmeister (Reiten, Zucht und Haltung) ist keiner, der dick aufträgt, niemand, der sich selbst vollmundig ins Gespräch bringt. Andreas Brandt tritt bescheiden und sehr zurückhaltend, manchmal fast etwas einsilbig auf. Und so wird das Buschreiter-Publikum gespannt warten, was 2010 passiert, oder 2011...

Clever&Smart kommt zurück

Der 11-jährige Hannoveraner Clever&Smart ist nach einer verletzungsbedingten Pause wieder zurück. Andreas Brandt erwägt, mit Beginn der neuen Saison mit Dressurprüfungen wieder einzusteigen. In diesem Jahr nahm das Paar immerhin beim CCI** in Hohenberg-Krusemark eine hohe Platzierung mit. Ansonsten teilt der Berufsreiter das Schicksal mancher Kollegen: "Meistens habe ich die Pferde nicht so lange..." Nicht lang genug, um mit den Talenten den Weg bis S oder drei Sterne zu Ende zu gehen.

Reiten im Rinderstall

In Neuendorf bei Wismar in Mecklenburg-Vorpommern hat Andreas Brandt zusammen mit seiner Frau Bianca einen eigenen Ausbildungsstall. Zusammen mit einem Bereiter und drei Lehrlingen trainert er zur Zeit etwa 40 Pferde. Hinzu kommt noch ein Mitarbeiter für Stalltätigkeiten. Die ehemalige Rinderhaltung prägt auch die heutigen Reitbedingungen: Die Halle der Brandtschen Anlage, ein früherer Rinderstall, hat die Maße 16 mal 50 Meter. Unter freiem Himmel findet die Arbeit auf einem 60 mal 120 Meter großen Springplatz und auf einem 20/60-Viereck statt. Eine Geländestrecke? "Ist in Arbeit, überhaupt sind wir ständig am aus- und umbauen."

"Meine Stärke ist die Grundausbildung"

Breit ist das Spektrum der Kundschaft: "Das reicht vom Freizeitreiter bis zu professionellen Handelsställen, mit denen wir schon zehn Jahre zusammenarbeiten", berichtet Brandt. "Meine Stärke liegt in der Grundausbildung", sagt er. Beim Anreiten, bei den ersten Gymnastiksprüngen, bei den ersten Baumstämmen und Wasserspielen im Gelände gibt der Ausbilder den jungen Vielseitigkeitspferden sehr viel Vertrauen mit auf den Weg.

Erfolge sprechen für sich

Die Erfolge beim Bundeschampionat sprechen für sich: Vor Jahren hatte Andreas Brandt mit dem 6-jährigen Clever&Smart im Finale einen 7. Platz belegt. 2007 gab es dann mit dem 5-jährigen Don Diego (von D’Olympic und aus einer Meerwirbel xx-Stute) eine Platzierung im Finale. Ein Jahr später nahm dann Don Diego die Schleife für den 3. Platz bei den 6-Jährigen mit nach Hause.

Vizetitel für Donja

2009 kehrte Andreas Brandt mit zwei Silbermedaillen heim. Bei den sechsjährigen Geländepferden erhielt er auf Don Diegos Vollschwester Donja im Finale mit 9,0 die höchste Wertnote. Dass es mit der Landeschampioness aus der Zucht von Mirko Voss (Hof Redentin) dennoch „nur“ zur Silbermedaille reichte, lag daran, dass in der Dressur "nur" der 7. Platz herausgesprungen war. Im Springen wurde das Paar Zweite, was dann auch den Vizetitel besiegelte.

Traumnote 9,5

Donja war auf den Tag in Topform. „In der Qualifikation hätten die Richter aber etwas mehr geben können als 8,4“, zeigte sich der Reiter etwas unzufrieden. Gleichwohl schaffte er damit auf Anhieb den Einzug ins Finale. Hier ging der Neuendorfer mit viel Biss ans Werk, ritt kontrolliert, aber dennoch enorm nach vorne. Das quittierten die Richter diesmal mit der Traumnote von 9,5.

Stute erregt Aufsehen

Auch bei den fünfjährigen Pferden ritt Andreas Brandt ein Pferd auf den Silberplatz. Mit der Hannoveraner Stute Escada JS (v. Embassy I/ Lehnsherr), die sich im Besitz der Tochter des Züchters Jürgen Stutmann vom Hannoveraner Verband, Johanna Stutmann, befindet, musste er ins kleine Finale und gewann dieses mit Wertnote 9,3. Im Championatsfinale am Sonntag gab es im Gelände eine 9,0. Das war ebenfalls die höchste Wertnote, die in dieser Konkurrenz vergeben wurde. Die Teile Dressur und Springen schlossen die beiden auf dem 3. Platz ab. Und von Ecada wird....

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Ein Bild fürs Lehrbuch: Andreas Brandt und Donja im Bundeschampionats-Gelände (Foto: Dill)

...man noch hören. Da ist sich Andreas Brandt ziemlich sicher. "Das Pferd hat so viel Qualität, wenn die nicht noch einmal zum Bundeschampionat geht, dann geht da keiner hin." Charakter, leistungsbereit, immer zuverlässig, einen "Nerv im Gelände", "genug" Springvermögen. Brandts höchstes Lob für Escada klingt so: "Ich weiß nichts Schlechtes zu berichten, ein Pferd, wie man es sich als Reiter wünscht."

Bundeschampionat: Modus "völlig egal"

Apropos Bundeschampionat: Nach den heftigen Diskussionen über angeblich privilegiertes Trainieren auf der Warendorfer Prüfungsplatz, über die "Zwei-Klassen-Gesellschaft" (Hans Melzer) und über mögliche Reglementänderungen vertritt Andreas Brandt eine durchaus überraschende Meinung: Der Modus des Bundeschampionats sei ihm persönlich "völlig egal". Man könne die Regeln so lassen – oder auch ändern. Andreas Brandt: "Ich gönne es den Leuten, dass sie auf die Strecke können, alle müssen sehen, dass sie ihre Pferde fit kriegen, wichtig ist, dass die Pferde bestmöglich wegkommen. Die können alle trainieren so viel sie wollen, entweder die Pferde laufen da rüber oder nicht." Wenn jemand das Intensivtraining vor dem Bundeschampionat als unsportlich bezeichne, "dann kommt das aus dem Mund von Amateuren", so Andreas Brandt. Er selbst hat nie vor dem Bundeschampionat auf dem Platz trainiert.

Trainieren wie für Olympia

Der Profi relativiert auch die Bedeutung des Bundeschampionates: Sicher sei es für ihn ein "großes Ziel", aber letztlich nur ein "Zwischenergebnis", nur ein Teil des Weges. Andreas Brandt: "Viele trainieren für bestimmte Turniere, als ob es die Olympischen Spiele wären."

"Mal was anderes sehen"

Die Vielseitigkeit war dem Berufsreiter nicht so richtig in die Wiege gelegt:"Ich bin immer das geritten, wozu ich gerade die Pferde hatte." Und so ist Andreas Brandt stolz auf S-Dressur-Platzierungen und Schleifen aus M-Springen. Auch bei S-Springprüfungen ist der Berufsreiter schon am Start gewesen. Und die Vielseitigkeit? "Das hat sich vor sechs oder sieben Jahren nebenbei ergeben." Denn der "Verfechter der vielseitigen Grundausbildung" hat mit den ihm anvertrauten Youngsters auch Sprünge im Gelände gemacht, "damit die Pferde mal was anderes sehen". Und so hat Andreas Brandt seine Freude, sein Talent im Busch eher zufällig entdeckt.

Eineinhalb Stunden nach Luhmühlen

Doch das regelmäßige Geländetraining ist so einfach nicht – wegen eines deutlichen Mangels an Strecken in Mecklenburg-Vorpommern und anderswo im Osten. Deshalb fährt Andreas Brandt mit seinen jungen Talenten entweder nach Luhmühlen (eineinhalb Stunden) oder zum Süseler Baum nach Sellin (eine Stunde).

Geländestrecke in jedem dritten Dorf

Und 20 Jahre nach dem Mauerfall eine Replik auf alte DDR-Zeiten: Die Vielseitigkeit, der Reitsport war nicht der verpönte elitäre Zeitvertreib der kapitalistischen Bourgeoisie. "Jede LPG, jede Agrargenossenschaft hatte ein paar Pferde im Stall stehen, und die Jugendlichen sind dort oder in den Vereinen mit 50 bis 150 Mitgliedern geritten." In jedem dritten Dorf habe es eine Geländestrecke gegeben. "Das meiste ist nach der Wende eingegangen, über die Hälfte der Vereine existiert nicht mehr", bedauert Andreas Brandt. Die alten Geländestrecken? Vernachlässigt, verkommen, abgebaut. "Die Besitzverhältnisse spielen eine große Rolle."

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Spätberufener Buschreiter: Andreas Brandt (hier mit Don Diego) ist eher zufällig in die Vielseitigkeitsreiterei geraten – heute erreicht er im Gelände mit seinen Pferden Traumnoten (Foto Jutta Wego)

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Andreas Brandt hofft, dass Clever&Smart (hier in Marbach) seine Verletzung auskuriert hat und in der Saison 2010 auf den Turnierplätzen wieder zu sehen sein wird (Foto: Julia Rau)

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