Buschreiter.de aktuell: EM 2005 Blenheim
Mücken kickten Serve Well aus dem Team
AUS BLENHEIM BERICHTEN JULIA RAU (FOTOS) UND WOLF-DIETRICH NAHR (TEXT, REDAKTION)
Trotz der tollen Bilanz liegt ein leichter Schatten der Miss-Stimmung über Reitern und Trainern. Der Grund: Die Rollenverteilung der Einzel- und Mannschaftsreiter. Die Bundestrainer Hans Melzer und Christopher Bartle sowie der Ausschuss-Vorsitzende Michael Spethmann entschieden, dass Andreas Dibowski und Ingrid Klimke als Einzelreiter und nicht im Team starten sollten, was potenziell die Medaillenchancen für die Betroffenen minderte. Während auch im Pressecorps das falsche Gerücht umging, Serve Well habe so schlecht gefressen und so viel abgenommen, dass die Teamchefs die Stute angeblich deshalb für nicht einsatzfähig hielten, lag der wahre Grund für die Degradierung ganz woanders: "Serve Well hat auf Insektenstiche im Gesicht und an den Beinen sehr stark reagiert", sagte Mannschafts-Tierarzt Dr. Karsten Weitkamp im buschreiter-Interview. Die medizinischen Betreuer wussten den starken Ausschlag erst gar nicht einzuschätzen und erfuhren schließlich, dass örtliche Kribbelmücken die Reaktion ausgelöst haben, die auch die anderen "importierten" deutschen Pferde befiel, während die "ortsansässigen" Vierbeiner von Bettina Hoy und Anna Warnecke verschont blieben. Bei Dibos Stute war der Ausschlag so stark, dass Trainer und Betreuer wunde Stellen in der Sattel- und Gurtlage und eine drohende Eliminierung bei der Verfassungsprüfung befürchteten. "Wir wollten für das Team kein Risiko eingehen", begründete Melzer die Entscheidung im buschreiter-Gespräch. Von anhaltender Fress-Verweigerung keine Spur: "Die Stute hat sich top entwickelt und so zugenommen, dass sie optimales Kampfgewicht hat", so Dr. Weitkamp. Vielleicht mit einer gewissen Wut im Bauch ritt Andreas Dibowski trotz eines Patzers beim Rückwärtsrichten
mit 41.1 eine der besten Dressuren seiner internationalen Karriere und steuerte die blutgeprägte Hannoveranerin mit nur 7.2 Zeitfehlern im Cross und einer Nullrunde im Parcours fast in Medaillennähe. Hinterher äußerte sich Dibo hanseatisch kühl über sein Einzelreiterschicksal: "Das lag nicht in meiner Verantwortung, das war die Entscheidung der Trainer und hat mich nicht tangiert." Und: "Ich stand nicht so unter Druck und ich habe das Gefühl, dass das Pferd und ich das Optimale daraus gemacht haben." Dennoch bekannte sich der vielfache Championatsreiter dazu, dass ihn die Entscheidung der Offiziellen angespornt habe: "Hinterher sollte schon der eine oder andere sagen: Schade, dass du nicht in der Mannschaft warst." Nicht in der Mannschaft waren auch Ingrid Klimke und Sleep Late, die zweimaligen Olympiateilnehmer. Trainer Melzer begründete dies im buschreiter-Gespräch mit der achtwöchigen Verletzungspause der Reiterin. Nach der Verweigerung von Sleep Late bei der letzten Sichtung in Bonn-Rodderberg bangte mancher sogar, dass das Paar gar kein EM-Ticket bekommen würde. "Wir wissen, dass Sleep Late schon einmal einen Haken schlagen kann", sagte Melzer. Das tat der Vollblutschimmel (in England entdeckt von den Doctores Wyrwoll) ein paar Meilen von seiner Fohlenkoppel entfernt nicht: Er lief mit seiner genialisch reitenden Pilotin in die Zeit und ließ im Parcours alles liegen. Der Bewegungskünstler mit den langen Ohren hatte auch seine liebe Mühe mit den Insekten: Kurz bevor das Paar aufs Dressurviereck musste, brach die Sonne durch den Oxfordshire-Nebel und mit ihr Mückenscharen, die den empfindlichen Schimmel so aufregten, dass er beim Warmup durchstarten wollte. Ingrid Klimke ritt quasi mit angezogener Handbremse und blieb mit 45.2 (16.) weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Hier klicken! Hier klicken!
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