Buschreiter.de — aktuell: EM 2005 Blenheim

Sehr anspruchsvolles Gelände

AUS BLENHEIM BERICHTEN JULIA RAU (FOTOS) UND WOLF-DIETRICH NAHR (TEXT, REDAKTION)

Der Patzer kostete das deutsche Team und Bettina Hoy die Führung: Die vier mussten die Spitze zwar an die Briten abgeben, ließen aber zunächst sechs EM-Mannschaften — darunter die Franzosen, Schweden und Belgier — hinter sich. Trotzdem eine höchst bemerkenswerte Leistung der deutschen Eventer, denn der Kurs von Mike Etherington-Smith (Großbritannien) hatte es in sich. Der Designer hatte das Gelände ganz so angelegt, als wollte er die Formatänderung — Begünstigung der warmblütigen, dressurbegabten, rittigen, springveranlagten Pferde — konterkarieren und den Eventern mit galoppierfreudigen Blutpferden die besseren Karten in die Hand geben. Das hügelige Geländeprofil erinnert an Burghley und Bonn-Rodderberg. "Bis auf drei Hindernisse nur Hoch-Weit-Sprünge", verdichtete Coach Hans Melzer seinen Eindruck. "Die beiden Wasserpassagen kosten viel Kraft, keine Erholungssprünge, immer auf gebogenen Linien und immer hoch-weit, es wird kaum jemand in der Zeit sein", sagte Hinrich Romeike am Abend vorher bei einer Portion Spanferkel mit Röstkartoffeln im Catering-Zelt des Stallkomplexes voraus. Schließlich waren es acht Paare, die die Optimum Time von zehn Minuten und 29 Sekunden schafften. Romeike und Marius waren nicht darunter: Der Holsteiner produzierte 16 Zeitfehler im Cross. "Ich habe nichts gesehen, mein Pferd hat nichts gesehen, da wollte er einfach nicht so schnell laufen", sagte Romeike. Denn eine Stunde nach dem ersten Start im Gelände setzte heftiger, stundenlanger Regen ein, den die Engländer aus vielen Starts im Cross kennen, die Kontinentaleuropäer eher weniger. Dennoch war der Wolkenbruch in Etherington-Smiths Kurs quasi "eingebaut": Niemand klagte über schlechten Boden an Absprüngen oder Landestellen; 57 Paare und acht Mannschaften waren nach dem Geländeritt in der Wertung; neun Paare sahen das Ziel nicht; obwohl es "cats and dogs" flüssig hagelte, sahen die vielleicht 150000 Zuschauer hochklassigen Vielseitigkeitssport und praktisch keine schlechten Bilder. Nur Jean Lou Bigots Derby de Longueval flog beim letzten Vetcheck aus dem Wettbewerb; zwei Pferde wurden nach dem Cross zurückgezogen, darunter Leslie Laws Shear L'Eau, der mit der EM in Blenheim ohnehin seinen Abschied aus dem großen Sport nahm: "Er hat in elf Jahren keine Saison und kein Turnier verpasst", sagte Law voller Anerkennung für den Schimmel. Um das Finale vorwegzunehmen: Die jeweils zwei Abwürfe von Marius und Twinkle Bee (plus vier Zeitfehler) kosteten die Deutschen in der Summe die Mannschaftssilbermedaille, woran auch die Nullrunde von Frank Ostholts Air Jordan (auch drei Zeitfehler) nichts mehr ändern konnte. Abgesehen von den zwei Bronzemedaillen belegt der Blick auf den Ergebniszettel eindruckvoll, dass die Deutschen wirklich in die Champions League aufgerückt sind: Mit Andreas Dibowski und FRH Serve Well (7.), Frank Ostholt und Air Jordan (5.) und Ingrid Klimke und Sleep Late (3.) drei von sechs Eventern beim vielleicht schwersten internationalen Championat unter den sieben besten Paaren. Hier klicken! Hier klicken!

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