Bundeschampionat der Geländepferde 2010
Wertvoller Deckhengst macht das Rennen
VON WOLF-DIETRICH NAHR
Zwei Kaderreiter stellen in diesem Jahr die beiden Bundeschampions bei den Vielseitigkeitspferden, Andreas Dibowski und Kai-Steffen Meier.
Dibo gewann die Königsklasse der jungen Buschpferde mit einem ziemlich außergewöhnlichen Vierbeiner: Bundeschampionatssieger bei den Sechsjährigen wurde der Trakehner Hengste Songline von Summertime und aus einer Exclusiv-Mutter. Dieser war 2006 aus der Körung der Trakehner Hengst als Sieger hervorgegangen und dann bei der anschließenden Auktion zum Preis von 320.000 Euro an den jetzigen Besitzer Gustav Schickedanz aus Kanada gegangen. Andreas Dibowski im buschreiter-Interview: "Es ist recht ungewöhnlich, das ein solches Pferd bei uns im Sport landet." Der Profi hat dann 2009 begonnen, mit dem Pferd zu arbeiten, dann aber festgestellt, dass sich der Deckeinsatz mit den sportlichen Ambitionen nur schwer vereinbaren lässt. Nachdem Songline ab Juli 2009 nicht mehr als Vererber ran musste, stellte sich eine kontinuierliche Leistungssteigerung bei dem Hengst ein.
Mit zwei Jockeys qualifiziert
Der Summertime-Sohn wurde im vergangenen Jahr zwar fürs Bundeschampionat qualifiziert, aber Andreas Dibowski konnte den Hengst wegen der Sturzfolgen in Schenefeld in Warendorf nicht vorstellen. Dieser verletzungsbedingte Ausfall hatte übrigens zur Folge, dass Andreas Dibowski in diesem Jahr alle Pferde mit einem zweiten Reiter fürs Bundeschampionat qualifiziert hat.
"Rasante Entwicklung"
Dibo attestiert dem Bundeschampion Songline eine "rasante und sehr kontinuierliche Entwicklung": Der Hengst gewann vor vier Wochen mit Franziska Haunhorst das Springchampionat beim Trakehner Bundesturnier in Hannover und vor zwei Wochen den CIC* in Bad Harzburg. "Die außergewöhnliche Erfolgsserie spricht für die Qualität und Vielseitigkeit des Pferdes", sagte Andreas Dibowski im buschreiter-Interview.
Züchter des Pferdes ist das Gestüt Hämelschenburg.
Bei den Fünfjährigen sicherte sich den Championatstitel Royal Sun von Rocket Star und aus einer Espri-Mutter unter Kai-Steffen Meier. Und eigentlich sollte der Rheinländer Wallach ein Dressurpferd werden, denn Meiers Lebensgefährtin, die Dressurreiterin Miriam Becher, hatte sich Royal Sun als Fohlen beim Züchter Peter Scheimanns (Nettetal) ausgeguckt und im Alter von zwei Wochen gekauft. Er ist ein Halbbruder von Miriam Bechers Rogero. Der Busch-Championatsreiter und die Grand-Prix-Reiterin besorgten dann gemeinsam die Grundausbildung das nachmaligen Bundeschampions. "Da hat sich gezeigt, dass seine Stärken in der Vielseitigkeit liegen, er springt sehr gut und ist gut in der Dressur, aber er eignet sich nicht so sehr für die Spezialdressur", sagte Kai-Steffen Meier im buschreiter-Interview.
Kurz und abgedreht
Royal Sun absolvierte die Qualifizierungs-Tour "sehr souverän", berichtet der Reiter. "Das Bundeschampionat war jetzt natürlich die Krönung." Der Wallach ist ganz nach dem Geschmack von Kai-Steffen Meier: "Mit 1,64 Metern wahrlich der nicht der Größte, aber kurz und abgedreht. Keine Frage, dass es schon im Vorfeld des Bundeschampionats Interessenten für das Pferd gegeben hat. Doch ob Royal Sun nun den Stall wechseln wird, ist noch nicht ausgemacht. Da wird naturgemäß der Besitzer, Klaus Becher, Vater von Miriam Becher, ein gewichtiges Wort mitreden.
"Kleine Turnübung"
Qualifikations- und Finalanforderungen bewegten sich dem Vernehmen nach wie gewöhnt am oberen Level. Kai-Steffen Meier profitierte voll von den Möglichkeiten des neuen Reglements: Bei der Test- und Einlaufprüfung am Donnerstag vollführte Meier nach einem Rumpler von Royal Sun eine "kleine Turnübung" und stand plötzlich neben dem Pferd. Das Malheur blieb folgenlos: Der Wallach qualifizierte sich später und präsentierte sich im Finale am Sonntag in "Hochform", so Meier.
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