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Überraschungs-Coach Dr. Matthias Baumann (links) sorgte bei den österreichischen EM-Teilnehmern Christoph Heiden, Harald Ambros und Harald Siegl (von links) in Blenheim für beste Laune (Fotos Julia Rau)

Deutsche Trainer im Ausland: Dr. Matthias Baumann

Goldmedaillengewinner wirkt als bescheidener Turnier-Coach

VON WOLF-DIETRICH NAHR

Sie sind Wanderer zwischen den Welten des Vielseitigkeitssportes: Deutsche Ausbilder und Reiter, die sich außerhalb der Landesgrenzen als Trainer von Buschsportlern und ihrer Pferde betätigen. Der Aufstieg der heimischen Eventer auf Weltniveau macht die Größen der deutschen Vielseitigkeit offenbar auch als Berater und Coaches anderswo höchst interessant. Buschreiter.de stellt in loser Folge Trainerpersönlichkeiten vor. Zweite Folge: Dr. Matthias Baumann. (Bereits erschienen: Ralf Ehrenbrink)

Eigentlich hat ja alles mit einer Panne begonnen: Die Alpenrepublikaner Harald Ambros, Christoph Heiden und Harald Siegl standen bei der EM in Blenheim 2005 urplötzlich vor der Situation, dass der eigentlich gebuchte Chef d'Equipe kurzfristig verhindert war. Da sah sich der deutsche Mannschaftstierarzt der Österreicher, Dr. Matthias Baumann, in England unvermittelt in der Situation, auch noch diese Rolle zu übernehmen. Und hinterher war das Austria-Trio von Baumanns Coaching im Schlosspark des Dukes of Marlborough mehr als angetan. "So gut waren wir noch nie betreut, wir mussten uns um nichts kümmern", hieß es danach.

Kopf und Rücken freihalten

Kein Wunder: Die besten Turnierbetreuer sind gut motivierte aktive Reiter. Sie wissen ganz genau, womit die Jockeys beim Event am liebsten nicht behelligt werden wollen, was am allermeisten nervt, womit man den Reitern besonders effektiv Rücken und Kopf freihalten kann, damit sie sich ganz auf ihre Aufgabe auf dem Viereck, im Cross und im Parcours konzentrieren können. "Das muss beim Championat einfach so sein", sagte Dr. Matthias Baumann im exklusiven buschreiter-Interview. Und der Veterinär aus dem Bayerischen weiß wahrlich, worauf es bei der internationalen Meisterschaft ankommt. Er gehörte den glorreichen Vier von Seoul an, die 1988 die Mannschaftsgoldmedaille gewonnen haben: Neben "Thissy" Baumann Ralf Ehrenbrink, Thies Kaspareit und Claus Erhorn. Der junge Tierarzt war in Südkorea mit dem Einzelplatz 6 nicht so wahnsinnig weit von einer weiteren Medaille entfernt gewesen. Die heimste er dann zwei Jahre später bei der WM in Stockholm in Form von Team-Bronze ein. Nochmals Mannschafts-Edelmetall gab es dann 1992 bei Olympia in Barcelona (Bronze).

"Reiner Amateur"

Mit den österreichischen Spitzen-Eventern hat der nach wie vor aktiv reitende Tierarzt inzwischen schon drei internationale Championate gesehen – allerdings nicht als offizieller Nationaltrainer wie ehedem Horst Karsten. Dr. Baumann, dekoriert mit zwei olympischen Medaillen, ist ganz bescheiden: "Ich habe ja nie einen Trainerschein gemacht, ich bin kein Pferdewirtschaftsmeister, sondern reiner Amateur." Und so fungiert er als "Technischer Leiter", als Organisator, Berater, Coach bei Wettkämpfen. Folgerichtig tritt Baumann nicht als Trainer bei Kaderlehrgängen auf, sondern er berät die Aktiven bei der Gestaltung ihres Trainings, in Wettkampf- und Qualifikationsfragen und er wirkt an der Saisonplanung mit. Und mit dem "Technischen Leiter" hat der österreichische Fachverband auch noch den Teamveterinär mit eingekauft.

"Ich kann nur helfen"

Mit den sportlichen Leistungen seiner Schützlinge war Dr. Matthias Baumann überwiegend vor allem in Aachen und in Pratoni sehr zufrieden. Und wenn es Kritikwürdiges mit Blick auf die Reiterleistung gibt, dann spricht der Tiermediziner die Probleme offen an, ohne die eigene Rolle zu überschätzen: "Ich bin nur ein kleines Rädchen, ich kann nur helfen, den Löwenanteil haben die Reiter selbst."

Mehr Herzblut

Ein stattliches Potenzial an Reitern und Pferden wie in Deutschland hat Austrias Busch-Coach nicht zur Auswahl. Er vergleicht den Pool an überdurchschnittlich leistungsstarken Paaren mit den Bedingungen einzelner Bundesländer. Baumann: "Wir können halt nicht aus dem Vollen schöpfen, aber wir können das bei den bescheidenen Mitteln mit mehr Herzblut versuchen auszugleichen."

Ambros als Einzelreiter nach Hongkong?

Nach den Auftritten der Österreicher bei den Weltreiterspielen in Jerez 2002, bei Olympia 2004 in Athen und bei der WM in Aachen 2006 fehlt für Olympia 2008 in Hongkong die Qualifikation. Offen ist im Moment noch, ob Harald Ambros die Chance bekommt, als Einzelreiter die glänzende Form unter Beweis zu stellen. In Badminton schrieb Ambros 2007 Vielseitigkeitsgeschichte: Als erster Österreicher beendete er die schwerste Prüfung der Welt im Sattel der 12-jährigen irischen Halbblutstute Miss Ferrari, an 18. Stelle auch noch platziert. Betreuer in England: Dr. Matthias Baumann

Mehr zum Thema: Ralf Ehrenbrink in Indien

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Harald Siegl in Pratoni mit "Thissy" Baumann als erfahrenen Championats-Coach an der Seite (Foto Julia Rau).

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Leserkommentare:

Horst Müller aus Nienstädt schreibt: Herzlichen Glückwunsch zu dem Beitrag. Wirklich gelungen. Es hat mich gefreut, wie engagiert Matthias Baumann sich für das Ausi-Team, nicht nur als Tierarzt, einsetzt. Herr Baumann hat halt seinen "Job" als Buschreiter von der Pike auf gelernt. Einen so fairen Sportsmann gibt es auch nicht so schnell wieder, dieses hat er schon in der aktiven Zeit immer wieder bewiesen.

Karin und Christian Ruhland schreiben: Ich freue mich über diesen positiven Beitrag und möchte nicht unerwähnt lassen, dass er unseren Buschpferden und uns als Reiter immer mit Rat und Tat zur Seite steht. Auch wenn wir nicht in der Nationalmannschaft reiten (besondere Grüsse von Zeusl und Iltschi).

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