Buschreiter.de — aktuell: CCI**** Badminton 2005

Eiserne Lady und beherzte Exoten

AUS BADMINTON BERICHTET WOLF-DIETRICH NAHR (Text und Fotos)

Sie eilt von Erfolg zu Erfolg: Die 36 Jahre alte Olympia-Doppel-Medaillengewinnerin Pippa Funnell war auch diesmal in Badminton nicht zu schlagen: Mit ihrem Athen-Pferd, dem 12-jährigen Wallach Primmore's Pride, ließ die Triple-Crown-Gewinnerin von 2003 ein hochklassiges, wenn auch nicht Weltformat-Feld hinter sich.

Die Amazone bestach einmal mehr die Richter in Gestalt des ehemaligen deutschen Bundestrainers Martin Plewa, von Christian Landolt (Schweiz) und der Britin Annabel Scrimgeour ganz am Ende der Teilprüfung mit dem besten Dressurresultat des Teilnehmerfeldes (40.9). Im Cross war das Paar mit 3.6 Zeitfehlern nicht einmal unter den Schnellsten auf der über 6000 Meter langen Geländestrecke. Im Parcours behielt Pippa Funnel wie so oft ganz cool die Nerven, blieb Null und tat William Fox-Pitt/Tamarillo nicht den Gefallen, ihm mit einem Abwurf den Vortritt zu lassen. Dies war in mehrfacher Hinsicht ein Badminton-Wochenende des Stalls Hoy in Gatcombe Park: Zwar war diesmal die "Olympiasiegerin der Herzen", Bettina Hoy, nicht selbst am Start; aber die Wahl-Engländerin und deutsche Top-Eventerin coachte und betreute nicht nur Andrew Hoy mit seinen zwei "rides" beim letzten Vier-Sterne-Klassiker in der alten Lang-Form; überdies stellte sie den bei den Hoys trainierenden japanischen Vielseitigkeitsreiter Joshiaki "Joshi" Oiwa/Voyou du Roc optimal für den Event im Schlosspark des Earls of Beaufort ein: Der Asiate sorgte mit einer 50.7-Note auf dem Dessurviereck und dem 7. Platz für eine kleine Sensation; über den Kurs von Hugh Thomas segelte der Japaner ganz nahe an der Optimum Time (+ 0.8) und war ob seiner Parcour-Schwäche mit drei Abwürfen und dem 11. Platz überglücklich. Der 28-Jährige ist den Fans durch seinen Start bei Olympia in Sydney geläufig; zuletzt war er beim CCI*** im polnischen Bialy Bor 2004 platziert. Den bereits 18 Jahre alten Voyou will der Jockey nach Badminton aus dem Sport verabschieden. Auch Andrew Hoy, im Prinzip ein glänzender Springreiter, hat im Stadion von Badminton früher schon manches Pfund Preisgeld verloren. Diesmal hatte der Australier aber seinen Spring-Komplex im heimischen Stall gelassen: Sowohl mit Master Monarch (3.), als auch mit Mr. Pracatan (6.) blieb er über die bunten Stangen null, was sich zusammen auf die ansehnliche Summe von 26 000 englischen Pfund addierte, während die Siegerin einen 50 000-Pfund-Scheck mit nach Hause nahm. Ein Vergleich im Cross: Während Pippa Funnel wie gewohnt kampfbetont über den reellen, aber nicht überzogenen Vier-Sterne-Kurs ritt, ließ Andrew Hoy das Gelände mit beiden Pferden fast wie zu Zeiten des Wunderschimmels Darian Powers in stilistisch toller Manier wie einen leichten A-Stilgeländeritt aussehen. Deutsche Teilnehmer sah Badminton 2005 leider nicht, nachdem Aspirant Andreas Dibowski nacheinander verletzungsbedingt das Training mit Leonas Dancer und Little Lemon abbrechen musste. "Dibo" und seinen Vierbeinern hätte Badminton 2005 sicher gelegen: Bei sonnig-kühlem Frühlingswetter wartete auf die 98 Paare ein optimaler englischer Rasen, der die Pferde zu einem frischen Vorwärts animierte. Die Fans freuten sich fast durchweg über schönen Sport (Eric Smiley mit Macloud am Vicarage Vee). Gleich zwei Mal für irritierende Bilder sorgte allerdings der Olympiasieger der Funktionäre, Leslie Law, der mit beiden Pferden Shear H20 und Shear L'Eau stürzte und das Ziel nicht sah. Ein anderer Olympiareiter und Exote machte seine Sache dafür ausgezeichnet: Der durch Turnierstarts in Deutschland hierzulande wohl bekannte Austro-Kroate Pepo Puch (39) beendete die legendäre Prüfung in Südengland mit dem 16-jährigen Selle Francais Banville d'Ivoy, dem EM- und Athen-Pferd im Besitz der Schweizer Familie Schwarzenbach und des Österreichers X. Sprinz, an Platz 41 bei 51 Paaren in der Wertung — dies vor allem mit einem fehlerfreien Cross (im Bild am Quarry). Pepo Puch drehte seine denkwürdige Runde im Gelände mit dem gewohnt konzentrierten Gesichtsausdruck und ermunterte seinen Vierbeiner gegen Ende der Strecke am Sprung sehr effektiv mit der Stimme. Mit der respektablen Leistung dürfte Pepo Puch österreichische Vielseitigkeitsgeschichte geschrieben haben: Hat überhaupt schon einmal ein Alpenrepublikaner Badminton beendet? Und wann wird das wieder der Fall sein? Obwohl Puch ja unter kroatischer Flagge segelt, hat er die österreichische Staatsbürgerschaft und lebt auch in Austria. Nach Querelen mit dem heimischen Verband hat er sich bereits vor Jahren dazu entschlossen, die FN zu wechseln — nicht ohne seine kroatische Familienwurzeln zu betonen. "Ich bin einfach nur aufgeregt, hier zu sein, Badminton ist so eindrucksvoll", sagte Pepo Puch zu Beginn des Turniers. Der Österreicher hatte sich erst gar nicht auf unsichere Trainingsbedingungen daheim in Thalheim eingelassen, sondern war im Februar nach England umgezogen, um sich bei Nick Turner auf den Start in Badminton vorzubereiten: "Es war ganz wichtig, so früh in England zu reiten, weil zu der Jahreszeit bei uns noch Schnee liegt, was vielleicht fürs Skifahren toll ist, aber nicht für das Pferdetraining." Pepo Puch äußerte sich vor seinem ersten Badminton-Start bescheiden: "Banville ist ein gutes Geländepferd und ein ideales Pferd für Badminton, aber man kann als Neuling nicht gerade erwarten, hier zu gewinnen. Was man braucht, ist ein Gefühl für die Hindernisse und wie man sie am besten anreitet, da tut sich ein Andrew Nicholson leichter, der hier schon 22 Mal seine Runden gedreht hat." Irgendwie war es ein gutes Omen, dass Pepo Puch durch seine Lebensgefährtin Michelle Schwarzenbach indirekt mit Badminton verbunden ist: Deren Großvater Hans Schwarzenbach hat 1951 als erster und einziger Kontinentaleuropäer den Klassiker gewonnen (mit Vae Victus, mit dem er 1953 Dritter war). Es gibt noch einen Vater des Erfolgs: Pepo Puch hat auch mit Bundestrainer Chris Bartle trainiert, dem er "sehr positiven Einfluss" zuschreibt. Den Sekt wird sicher auch der Tscheche Jaroslav Hatla entkorkt haben, der mit Kyrenejennallas Bay Platz 26 erreichte.

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