Buschreiter.de aktuell: CCI**** Badminton
Wetter führte Klassiker an die Grenzen
VON WOLF-DIETRICH NAHR (Text und Fotos)
Das schlechte Wetter in Südengland prägte die Mitsubishi Motors Trophy Badminton 2004. Dennoch bewirkten heftige Regenfälle am Freitag und Samstag keinesfalls irreguläre Bodenverhältnisse und vor allem keinen Zufallsgewinner: Mit viel Glück im abschließenden Parcours sicherte sich der englische Profi William Fox-Pitt 15 Jahre nach seinem ersten Start bei dem Klassiker mit dem 12-jährigen Fuchswallach Tamarillo (Foto) den mit satten 40000 Pfund dotierten ersten Platz.
"Das beste Pferd, das ich jemals geritten habe", klassifizierte Fox-Pitt am Sonntag den Halb-Araber, mit dem er nun nach den Kriterien der britischen Selektoren Lucinda Green und Jogi Breisner für die Olympischen Spiele in Athen qualifiziert ist. Der amtierende Mannschafts-Vizeweltmeister und dreifache Mannschafts-EM-Goldmedaillengewinner hat nun eine mögliche Chance auf eine olympische Medaille, nachdem er 2000 in Sydney mangels geeigneten Vierbeiner eine solche Chance nicht wahrnehmen konnte. Dabei stand am Samstag vor dem Cross alles Spitz auf Knopf: Fox-Pitt schwankte lange hin und her, ob er bei dem teilweise sehr tiefen Boden das Risiko einer Verletzung Tamarillos eingehen sollte. Eigentlich war er entschlossen, den Wallach zurückzuziehen, nachdem er sein erstes Pferd nach drei Vierteln der Strecke am Quarry wegen deutlicher Ermüdungserscheinungen und einer daraus entstandenen Verweigerung aus dem Cross hatte nehmen müssen. Doch die Badminton-Organisatoren entschlossen sich zwar nicht, angesichts des Regens die Rennbahn (2760 Meter) zu verkürzen, aber es gab Zeitzuschlag in der Steeplechase. Dies zerstreute Fox-Pitts
Bedenken und ließ ihn mit Tamarillo ins Cross starten. "Er wollte von Anfang an losgaloppieren, aber ich habe ihn zurückgehalten, weil er ja nicht wissen konnte, was für Bodenverhältnisse ihn später noch erwarten sollten." Der 12-jährige Fuchs hatte mit 40.8 die zweitbeste Dressur abgeliefert und fügte seinem Viereck-Resultat wie ausnahmslos alle anderen Paare einiges an Zeitfehlern hinzu. William Fox-Pitt und Tamarillo wurden mit 62.4 Punkten Overnight Leader und behielten auch über die bunten Stangen die Nerven: Nicht mehr als vier Abwürfe hätte sich das Paar leisten dürfen, um die Olympia-Qualifikation nicht zu verspielen. Am Ende waren es zwei was zum Sieg vor Andrew Nicholson (Foto) und Lord Killinghurst reichte. Das Paar leistete sich zwei Hindernis- und zwei Zeitfehler. Rein rechnerisch hätten drei weitere Paare bei Nullrunden die Chance auf den Badminton-Sieg gehabt. Die 34-jährige englische Berufsreiterin "Bumble" Thomas/The Psephologist (Der Wahlforscher) und ihr Landsmann James Robinson/Comanche mussten sich wegen je zwei Springfehlern mit den
Plätzen 3 und 4 begnügen. Der Australier Andrew Hoy rutschte mit Mr. Pracatan wegen dreier Abwürfe auf den 5. Platz ab, was ihm aber immerhin noch 12000 englische Pfund einbrachte. Die Leistungen von Reitern und Pferden im Parcours dokumentierten am Sonntag, welche Anstrengung vom Cross-Tag den Vierbeinern in den Gliedern steckte (im Bild Ruth Friend/Master Couture, 30.): Unter den Top-20 schafften am Ende nur zwei Paare fehlerfreie Runden. 50 Teilnehmer waren nach drei Tagen noch in der Wertung. Zwei Eventer zogen ihre Tiere nach der Rennbahn zurück darunter die für Deutschland startende Stefanie Thompson, die mit ihrer eigenen Dressurleistung im Sattel von Hilton Star (61.6/52. Platz) sehr unzufrieden gewesen war. Zehn Reiter gaben im Cross auf, neun weitere Paare wurden disqualifiziert. Fünf Vierbeiner wurden nach dem Gelände und vor der Verfassungsprüfung am Badminton-House zurückgezogen. Nur ein Pferd erhielt bei der Horse Inspection nicht das "passed" der Jury. Trotz mehrerer Stürze ist von ernsthaften Reiter- oder Pferdeverletzungen nichts bekannt. Eine Eventerin musste allerdings den Helicopter-Flug ins Krankenhaus antreten: Pippa Funnell. Die große Fan-Gemeinde hatte nach dem Gewinn des Rolex Grand Slam (Lexington, Badminton, Burghley) und zwei Badminton-Siegen auf einen Hattrick in Gloustershire gewettet, doch der Samstag war alles andere als Pippa Funnells Tag: Ausgerechnet an ein und dem selben (und noch dazu dem leichtesten) Hindernis kam die geniale Eventerin zu Fall. Die Amazone stürzte nach einem Rumpler ihres ersten Pferdes Viceroy II am ersten Gatter des Huntsman´s Close; der Vierbeiner trat dabei auf Funnells linken Arm. Nach einem Check im Krankenhaus entschloss sich die Reiterin, mit ihrem zweiten Pferd Cornerman ins Rennen zu gehen. Immerhin hatte sie nach dem zweiten Dressurplatz punktgleich mit dem späteren Sieger Tamarillo berechtigte Aussichten auf den Gewinn der Badminton-Trophäe. Doch Pippa Funnell hatte genau an dem Obstacle nochmals unsanften Bodenkontakt. Zurück im Sattel sprang sie zwar zwei der drei kniffeligen, schmalen Hochweitsprünge im Australien Wine Garden, gab dann aber auf. "Eine große Enttäuschung, weil er so gut gegangen war, aber so ist nun einmal der Sport; abgesehen davon, dass ich ziemlich sauer bin, geht es mir gut", sagte Pippa Funnell hinterher. Badminton ist zwar 1949 nach dem enttäuschenden Abschneiden der Briten bei den Olympischen Spielen 1948 als Vorbereitungsturnier ins Leben gerufen worden, doch ähnlich wie vor Sydney stellte sich der Vier-Sterne-Klassiker in einer "Light"-Version dar: Mit 6500 Metern Cross deutlich kürzer als in nicht-olympischen Jahren; die Hindernisanforderungen lagen sicher nicht im oberen Vier-Sterne-Bereich. Viele qualifizierte Ausländer bleiben dem CCI**** wegen Athen fern was talentierten und jungen Newcomern aus dem
Mutterland der Vielseitigkeit das Tor zu inoffiziellen Weltmeisterschaft der Vielseitigkeit öffnete. Eine Debütantin war die 27 Jahre alte Australierin Megan Jones, die fünf Pferde verkauft hatte, um sich die Reise um die halbe Welt nach England leisten zu können. Allein der Flug mit dem 13-jährigen Kirby Park Irish Hallmark (Foto) kostete 32 000 australische Dollar. Mit 42.0 auf dem Viereck und dem 1. Platz nach dem ersten Dressurtag sorgte das Paar für Aufsehen. Nach mehrmaligem Abgehen der Geländestrecke sagte Megan Jones: "Die Sunken Road bereitet mit einiges Kopfzerbrechen." Und ausgerechnet an dem Tiefsprung und folgenden Aufsprung zögerte der irisch gezogene Wallach kurz und setzte die Amazone ab. Die Australierin saß auf, ritt den 13-Jährigen ohne weiteren Fehler ins Ziel und war nach nur einem Abwurf im Parcour als 50. noch in der Wertung. Ein Rückflug-Ticket hat die Australierin erst einmal nicht gelöst. "Mein Ziel ist Athen", sagte die Badminton-Newcomerin. Prominente deutsche Zuschauer: Michael Meier, Badminton-Starter 2003, und die Perspektivgruppen-Reiterin Anna Junkmann. Ebenfalls gesichtet: Die Schweizerin Michele Schwarzenbach und der für Kroatien startende Österreicher Pepo Puch. Er hatte zwar einen Startplatz für sein EM-Pferd Banville d`Ivoy erhalten. Bei dem tiefen Boden wird Puch aber heilfroh gewesen sein, dass er in Badminton nicht angetreten ist. Ergebnisse(Bilderbuch folgt).
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