Buschreiter.de — aktuell: Dopingtest bei Ringwood Cockatoo

"Die Reiterin trifft keine Schuld"

VON WOLF-DIETRICH NAHR

Der Mannschaftstierarzt des deutschen Olympia-Teams, Dr. Karsten Weitkamp, ist fest davon überzeugt, dass nach der positiven Medikationskontrolle von Bettina Hoys Ringwood Cockatoo von möglichen Dopingvorwürfen nichts übrig bleiben werde (Foto Julia Rau, hier zusammen mit Bundestrainer Hans Melzer). Weitkamp am Freitag abend in einem exklusiven buschreiter.de-Interview: "Die Reiterin trifft keinerlei Schuld."

Am Nachmittag des Freitag verbreitete die FN in Warendorf eine Pressemitteilung, in der es unter anderem heißt: "In der A-Probe des Pferdes Ringwood Cockatoo (Reiterin: Bettina Hoy / Gatcombe/Rheine) anlässlich der Olympischen Spiele in Athen (18. August) wurde das Vorhandensein der Substanz Hydroxy-Diphenhydramin, eines Metaboliten (Abbaustoffes) der verbotenen Substanz Diphenhydramin festgestellt." Weitere positive Befunde betreffen Ludger Beerbaums Goldfever (Olympia), das Pferd Picasso des Voltigierers Kai Vorberg (WM in Paura) und das Pferd Mary des Fahrers Michael Freund (WM in Kecskemet). Ringwood Cockatoo sei wegen einer Schwellung in der Sattellage mehrfach mit einer Benadryl-Lotion eingerieben worden, heißt es in der FN-Pressemitteilung. Bettina Hoy habe dazu erklärt: "Ich habe mich dabei auf die Erlaubnis unseres Mannschaftierarztes Dr. Karsten Weitkamp (Telgte) verlassen, der sich vorher extra bei einem der zuständigen Tierärzte der FEI erkundigt hat, ob diese Behandlung erlaubt sei." Dr. Weitkamp bestätigte in einem buschreiter-Interview, dass der irische Vollblüter Ringwood Cockatoo (im olympischen Cross, Foto Wolf-Dietrich Nahr) in Athen vom 13. bis 16. August die Lotion mit dem Antihistaminikum gegen allergische Reaktionen erhalten habe. Der hautempfindliche Schimmel bekomme das in Deutschland hergestellte, aber nicht mehr im Handel befindliche Mittel seit Jahren und vertrage es sehr gut. In Athen sei das Präparat aus einer Jahre alten Flasche aus dem "Sattelschrank von Bettina Hoy" angewandt worden, um eine Schwellung in der Sattellage zu behandeln. Weitkamp berichtete, er habe die Flasche zusammen mit einem ähnlichen englischen Präparat in der Tierklinik im olympischen Reitsportzentrum einem FEI-Tierarzt "präsentiert". Der Teamveterinär im buschreiter-Gespräch: "Der hatte sein okay gegeben." Das Problem ist nur, dass es zunächst keinen Nachweis für die Zustimmung des FEI-Offiziellen gibt: Dr. Weitkamp hatte nach eigener Aussage bereits das "medication"-Formblatt der FEI in der Hand, um es — wie in einem anderen Fall geschehen — auszufüllen und dem FEI-Vertreter zu übergeben. Doch er verzichtete dann doch darauf. Hinzu kommt, dass sich Weitkamp nicht mehr genau erinnern kann, welcher der sechs anwesenden FEI-Tierärzte ihm die Anwendung des Einreibemittels für Ringwood Cockatoo erlaubt hat. Am Wochenende begannen nun fast detektivische Ermittlungen, um das FEI-Plazet doch noch zu dokumentieren: Dr. Weitkamp ließ sich ein Gruppenfoto der Tierärzte per Mail übermitteln, um den Kollegen zu identifizieren. Dieser soll dann mit einem Foto der beiden Flaschen konfrontiert werden, die ihm Dr. Weitkamp in Athen gezeigt hat. Der Mannschaftstierarzt hofft nun, dass sich nach Vorliegen der Behandlungserlaubnis der "vermeintliche Dopingfall in nichts auflösen wird". Bettina Hoy drohen Verfahren der FEI und der FN. Der Ausgang hängt von der "Schwere der Schuld" Reiterin ab. Die kann der Tiermediziner nicht erkennen — zumal dem Medikament keinerlei leistungsbeeinflussende Wirkung zugeschrieben werden könne. Weitkamp: "Das hat mit Doping wirklich nichts zu tun." Am Freitag abend sandten Bettina und Andrew Hoy (Archivfoto Julia Rau) eine Stellungnahme aus und brachten regelrecht ihre Empörung über die Vorgehensweise der FEI zum Ausdruck. Sie bezeichnen den gesamten Vorgang als "unglaubliches Szenario": "Erst informiert man die Aufsichtsbehörde und bekommt die Erlaubnis für die Mediaktion; dann wird man von der selben Aufsichtsbehörde schuldig gesprochen, weil man angeblich eine illegale Substanz verabreicht hat." Das Hoy-Statement im Wortlaut: " Bettina and I felt that the Olympic Games in Athens were tough following what has happened but recent developments have made this Olympics even more unbelievable. Yesterday Bettina was informed by the German Federation that Ringwood Cockatoo had failed a dope test taken after the show jumping in Athens — he tested positive for an antihistamine. After further investigation the German team veterinarian, Dr Karsten Weidkamp and Bettina came to the conclusion that the source of the antihistamine was a medication called Benadryl lotion. This is a topical treatment that was used for small swellings under the saddle area, similar to a heat rash, which developed two days after Ringwood Cockatoo’s arrival in Athens. The medication was only used after the Dr Weidkamp consulted the official FEI veterinarian based at the Olympic Equestrian venue to gain approval for the use of the cream. After checking the contents approval was granted. For all of us this is the most unbelievable scenario; you consult the governing body and obtain their approval to use the medication but are then found guilty by the same governing body for using an illegal substance. As supporters of the HOY team Bettina and I wanted you to receive the facts before reading or hearing the latest chapter of Bettina’s Olympics in the International Press."

"Ich bin erschüttert"

Reinhard Wendt, Geschäftsführer des DOKR und für den Turniersport zuständiges Vorstandsmitglied der FN, erklärte in einer ersten Reaktion: "Ich bin erschüttert. Jeder einzelne Fall ist eine Katastrophe. Für das Zusammentreffen dieser vier Fälle fehlen mir die Worte. Vor Schuldzuweisungen müssen aber gründliche Recherchen und die Analysen der B-Proben liegen. Die bisher vorliegenden Aussagen der Sportler und der Mannschaftstierärzte geben uns wichtige Hinweise. Alle vier Aktiven beteiligen sich sehr offen an der Wahrheitsfindung. Nun folgt das vorgeschriebene Verfahren, an dessen Ende für jeden einzelnen Fall die vorbehaltlose Aufklärung und gegebenenfalls notwendigen Konsequenzen stehen müssen."
Der für den 16. Oktober geplante "Olympia-Ball" des DOKR, bei dem die deutschen Medaillengewinner der diesjährigen internationalen Championate geehrte werden sollten, wurde abgesagt.

Buschreiter.de/Wolf-Dietrich Nahr

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