Buschreiter.de — aktuell: Medaillenaberkennung

"Wir geben lieber eine sportliche Antwort"

14. September 2004, 22 Uhr. Es wird keinen langwierigen Rechtsstreit um die Aberkennung der Goldmedaillen von Athen geben: Alle fünf Reiter und das DOKR bzw. die FN haben sich entschlossen, keine weiteren rechtlichen Schritte gegen die umstrittene Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofs CAS einzuleiten.

"Es bleibt das Gefühl, dass wir sportlich gewonnen haben und dass dies auch bei ausländischen Reitern anerkannt wird. Das haben viele Gespräche in den letzten Wochen ergeben, aber irgendwann muss man einen Haken an die Sache machen", sagte Olympiareiter Frank Ostholt (Archivfoto Julia Rau) am Rande der Pressekonferenz anlässlich des Turniers der Sieger in Münster. Bei dem Pressegespräch teilte das DOKR auch mit, dass die FN nun die sechs Medaillen, Gold für die Mannschaft und Bettina Hoy, ans IOC in Lausanne zurückschicken wird. Der Termin der Übergabe an die französische Equipe und an den auf dem Rechtsweg gekrönten Olympiasieger Leslie Law aus Großbritannien steht schon fest: der 25. September. Mit der Rückgabe der Medaille verzichten die fünf gleichzeitig auch auf ein weiteres rechtliches Vorgehen gegen das Urteil des Internationalen Sportschiedsgerichtshofes (Court of Arbitration of Sport, CAS), das ihnen den Sieg nachträglich aberkannt hatte. "Was macht das für einen Sinn, nach einem möglicherweise ewig lange dauernden Prozess vor Gericht eine Medaille zurück zu bekommen. So wollen wir sie auch nicht. Wir haben uns darauf geeinigt, den Blick nach vorne zu richten und lieber eine sportliche Antwort zu geben: spätestens bei den Weltmeisterschaften 2006 in Aachen", erklärte Ostholt. "Die Sportler haben entschieden, dass sie einen Schlusstrich unter Athen ziehen und sich auf die Zukunft konzentrieren wollen", sagte Reinhardt Wendt vom DOKR und Chef de Mission der Reiterequipe in Athen. Dennoch bleibt die CAS-Entscheidung von Athen in der Kritik. Die Goldmedaillen werden auf ihrem Rückweg in die Schweiz von mehreren Schriftstücken begleitet: Einem offiziellen Anschreiben von Reinhard Wendt sowie einem Brief von Jürgen R. Thumann, Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), in dem es noch einmal um die Geschehnisse während des Mannschaftsspringens in Athen geht. "Wir haben dem IOC nicht nur die Medaillen, sondern auch etwas zum Nachdenken zugesandt", sagte Wendt. Ergänzt wird dieser Brief durch eine exakte Auflistung des chronologischen Ablaufs sowie eine Stellungnahme von Christoph Hess (Warendorf), Chef der Ground Jury in Athen. "Ich habe den Eindruck, dass das CAS nicht den Kern dessen verstanden hat, was sich im Reiterstadion in Markopoulo wirklich ereignet hat", schreibt der FN-Präsident in seinem Brief, der mit der Feststellung endet: "Sollte diese Zusammenstellung keine Auswirkungen auf die Entscheidung in Athen haben, so kann sie vielleicht wenigstens zukünftig zu treffende Entscheidungen beeinflussen."

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