Buschreiter.de – aktuell: Goldmedaillen

"Keine Medaillen aus humanitären Gründen"

Aus der Traum vom olympischen Gold: Das IOC hat es endgültig abgelehnt, Bettina Hoy und der deutschen Vielseitigkeitsmannschaft doch noch Medaillen zu verleihen.

Die Hiobsbotschaft erreichte die Reiter und Fans am Freitag vormittag. Ein entsprechender Antrag, der vom Nationalen Olympischen Komitee (NOK) gestellt worden sei, so die Agenturen, sei vom IOC abschlägig entschieden. Wie IOC-Präsident Rogge Journalisten im Rahmen eines Pressefrühstücks mitteilte, werde das IOC keine Medaillen aus emotionalen oder humanitären Gründen verteilen – eine durchaus zynisch zu nennende Erklärung, denn sie blendet die Verkettung von Fehlentscheidungen des Turnierveranstalters und den unsäglichen Regelement-Hickhack nachhaltig aus. "Wir halten uns strickt an die Ergebnislisten der Internationalen Sportfachverbände", so Rogge. Die Internationale Reiterlichen Vereinigung (Fédération Equestre Internationale, FEI) hatte erst nach der Entscheidung des Weltsportschiedsgerichtes (Court of Arbitration of Sport , CAS) auf Aberkennung der Medaillen zu Beginn der Woche ihre Ergebnislisten verändert. Danach war die deutsche Mannschaft vom ersten auf den vierten Platz sowie Bettina Hoy (Gatcombe / Rheine) vom Titelgewinn auf den neunten Platz zurückgestuft worden. Nach einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur hat Bettina Hoy nach Ansicht des Hamburger Sportanwalts Volker Meinberg gute Aussichten, sich ihre Goldmedaille vor einem ordentlichen Gericht zu erstreiten. ´Der Entscheidung des Internationalen Sportsgerichtshofs steht die Fehlerhaftigkeit schon auf der Stirnª, erklärte der auf Sportrecht spezialisierte Jurist in Hamburg. Der Internationale Sportsgerichtshof (CAS) habe bei seiner Entscheidung gegen die deutschen Reiter die einschlägigen Regularien des Reiter-Weltverbandes (FEI) an einer Stelle angewendet und an einer anderen nicht. Nachdem sich der CAS entgegen der FEI-Regeln selbst für zuständig erklärt hatte, sei im Übrigen nicht in der Sache, sondern nur nach formalen Gesichtspunkten entschieden worden, monierte der Jurist. ´Das kann es doch nicht sein.ª Reiterin Hoy könne das Schweizerische Bundesgericht in Lausanne anrufen, das sich schon mehrfach mit Klagen gegen CAS-Entscheidungen insbesondere in Dopingfällen beschäftigt habe, sagte Meinberg. Dabei müsse nicht stören, dass Hoy sich wie alle übrigen Sportler den Entscheidungen des CAS mit ihrer Akkreditierung unterworfen haben könnte. Dies gelte nur insoweit, als keine der streitenden Parteien Sitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in der Schweiz habe. Dies sei aber sowohl beim Reiterverband FEI als auch beim Internationalen Olympische Komitee der Fall. Nur ein schwacher Trost dürfte für die Reiter sein, dass sie durch die Stiftung Deutsche Sporthilfe wie Olympiasieger behandelt werden sollen. Dies kündigte der Vorsitzende Hans-Ludwig Grüschow in Athen an. Dabei geht es um die Eliteförderung als höchste Stufe der Unterstützung sowie um 15 000 Euro für die nachträglich vom ersten auf den vierten Rang zurückgesetzte Bettina Hoy. Über die Höhe der Prämie für die Mannschaftsmitglieder werde der Gutachterausschuss der Sporthilfe entscheiden, sagte Grüschow. Die Vielseitigkeit ist derzeit nur in der dritten von vier Förderstufen eingeordnet. Unterdessen kümmert sich die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) um das Einsammeln der Medaillen. Die beiden Goldplaketten der aus Rheine stammenden Bettina Hoy lagern bereits in der Verbandszentrale in Warendorf. Die Reiterin hatte sie nach ihrer Ankunft in Düsseldorf einer Bekannten übergeben, die bei der FN beschäftigt ist. Die anderen Reiter wurden telefonisch benachrichtigt. Von dem Quintett weilt nur noch Hinrich Romeike (Nübbel) in Athen.

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