Buschreiter.de aktuell: Der letzte Olympia-Kommentar
Die wahren Olympiasieger
VON WOLF-DIETRICH NAHR
Die wahren Olympiasieger von Athen heißen Bettina Hoy, Ingrid Klimke, Andreas Dibowski,Frank Ostholt und Hinrich Romeike. Und Ringwood Cockatoo, Sleep Late, Little Lemon B, Air Jordan und Marius. Sie haben olympisches Gold auf dem Dressurviereck, im Cross und im Springparcours gewonnen, durch eine ehrliche sportliche Leistung und nicht durch eine Verkettung zweifelhafter Entscheidungen am Grünen Tisch, wie die Vielseitigkeits-Sportler aus Frankreich, Großbritannien und den USA. Sie werden mit den Medaillen, nicht im Sattel errungen, sondern auf dubiosem Rechtsweg erklagt, nicht glücklich werden. In den Geschichtsbüchern des Reitsports werden Gold, Silber und Bronze in Athen immer mit der Fußnote versehen sein, dass sie die Sportler und Nationen durch Aberkennung von Gold für das deutsche Team und Bettina Hoy zugesprochen worden sind.
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Dubios und zweifelhaft ist das ganze Verfahren in der Tat. Der CAS, das "Weltgericht" des Sports, hat ganz eiskalt und formal den Protest der drei Kläger-NOKs erledigt, indem es das FEI-Schiedsgericht schlicht für nicht zuständig erklärt hat. Damit bekam der Richterspruch von Markopoulo wieder Rechtskraft. Genauso formal ist dieser CAS-Spruch zu kritisieren: Unter dem Strich bedeutet diese Entscheidung, dass es bei diesem olympischen Wettbewerb tatsächlich keine Schiedsinstanz für die Richterentscheidung gegeben hat aus rechtsstaatlicher Perspektive ein olympischer Skandal ohne Beispiel. Jedes Feld-, Wald- und Wiesenturnier in Kleinkleckersdorf hat einen LK-Beauftragten oder ein Schiedsgericht, Instanzen, die in Streitfällen schlichtend und verbindlich entscheiden. Dabei hätten Ground Jury und olympische Veranstalter angesichts der Umstände am Mittwoch im Reitstadion dringend eine solche Schiedsinstanz nötig gehabt, die Ordnung in das Chaos der Zeitnahme bringt. Das FEI-Schiedsgericht hat die Umstände so weit sie bis heute überhaupt aufgeklärt sind fair, zutreffend und sportlich eingeordnet. Nur: Dem Urteil bleibt die Rechtskraft versagt. Deshalb ist die rein formale Entscheidung des CAS so unerträglich.
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Die fünf deutsche Reiter und ihre Pferde sind um den Olympiasieg betrogen worden. Betrogen um die Früchte ihrer professionellen sportlichen Vorbereitung, ihres Trainingsfleißes, ihres Talents, ihrer Horsemanship. Und es geht nicht nur um die sportliche Ehre bei einem x-beliebigen Championat. Aus der Sicht der einzelnen Aktiven geht es auch schlicht um Geld: Wer beziffert den Schaden, der durch entgangene Sponsoren-Verträge, Werbeeinnahmen, Fördermittel entsteht? Somit sind die Fünf nicht nur um den sportlichen Erfolg betrogen, sondern auch handfest materiell geschädigt worden. Das Verdikt von Athen trifft aber auch die Vielseitigkeitsreiterei in Deutschland insgesamt in einer kritischen Phase: Wegen des nun ausgebliebenen olympischen Erfolgs könnte die Unterstützung durch FN und öffentliche Hand fraglich werden. Hoffentlich berücksichtigen die Entscheidungsträger die tragischen Umstände. Hinzu kommt, dass die Buschreiterei als Randsportart sehr gut einen Motivationsschub und Imagegewinn hätte gebrauchen können, viel mehr als Dressur und Springen, die ohnehin erfolgsgewohnt sind.
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Auch ohne das aberkannte Olympia-Gold bleibt aber die Erkenntnis, dass die deutschen Vielseitigkeitsreiter nach einer langen Durststrecke wieder zur Weltspitze aufgeschlossen haben, dass sie einzeln und als Team jeden der Top-Eventer schlagen können, dass eine begeisterte Fan-Gemeinde und ein leidenschaftliches Trainer-Team sie weiter begleiten werden. Athen ist nicht das letzte Championat.
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