Buschreiter.de aktuell: Medaillen aberkannt
Unfassbar: Gold endgültig weg
Das ist der schwärzeste Tag in der deutschen Vielseitigkeitsreiterei: Das Sportgericht CAS hat in Athen Bettina Hoy und der Mannschaft die Goldmedaillen wieder aberkannt mit einer eiskalten formalen Entscheidung, gegen die es keine Rechtsmittel mehr gibt.
"Die Reiter sind entsetzt und erschüttert", fasste am Abend FN-Pressechef Thomas Hartwig im buschreiter.de-Interview die Reaktionen im deutschen Lager zusammen, nachdem das Weltsportgericht CAS (Court of Arbitration for Sport) seine Entscheidung über die Vergabe der Goldmedaillen in der Olympischen Vielseitigkeit bekannt gegeben hatte. Danach wird den deutschen Vielseitigkeitsreitern die Goldmedaille aberkannt, sie landen in der Mannschaftswertung auf Platz vier hinter Frankreich, Großbritannien und den USA. Bettina Hoy (Gatcombe/GBR) rangiert in der Einzelwertung nur noch auf Platz neun. Neuer Olympiasieger ist der Brite Leslie Law, Silber geht an Kimberley Severson (USA), Bronze an Pippa Funnell (Großbritannien). Als Begründung gab das CAS an, dass das FEI-Schiedsgericht, das den Deutschen die Goldmedaille zunächst zugesprochen hatte, nicht zuständig gewesen sei.
Damit gilt der Richterspruch, der Bettina Hoy nachträglich 14 Zeitstrafpunkte im Springen angerechnet hatte. Das bedeutet, dass das CAS überhaupt nicht auf die Vorgänge beim Start von Bettina Hoy im Mannschaftsspringen eingegangen ist. Völlig ohne Berücksichtigung blieb, dass die Reiterin durch ein Versehen bei der Zeitnahme, das nicht sie zu verantworten hat, regelrecht getäuscht worden ist. Indem das CAS das FEI-Schiedsgericht für nicht zuständig erklärt hat, greift die korrigierte Richterentscheidung, die unter dem Vorsitz des Deutschen Christoph Hess getroffen wurde.
Tage nach dem umstrittenen Ritt sagte FN-Pressechef Hartwig gestern: "Ich wäre mit Schuldzuweisungen vorsichtig, es ist nach wie vor ungeklärt, wie das Schlamassel auf dem Richterturm zustande gekommen ist. War es technisches oder menschliches Versagen? Das weiß keiner." Das Schlimmste an dem Vorgang: Ein rechtliches Vorgehen gegen die CAS-Entscheidung gibt es nicht. "Letzte Instanz", sagte Hartwig mit tiefer Enttäuschung in der Stimme. Den Richtersprich wollte der FN-Pressesprecher "nicht kommentieren". Die Deutsche Reiterliche Vereinigung verbreitete folgende Stellungnahme, die buschreiter.de in voller Länge veröffentlicht:
"Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN), das Deutsche Olympiade Komitee für Reiterei (DOKR) und die Mitglieder der deutschen Pferdesportequipe der drei Disziplinen Dressur, Springen und Vielseitigkeit bedauern zutiefst die Entscheidung des Weltsport-Schiedsgerichtes, Court of Abitration of Sport (CAS), der deutschen Vielseitigkeitsequipe die Mannschafts-Goldmedaille und Bettina Hoy (Gatcombe / Rheine) die Einzelgoldmedaille nachträglich abzuerkennen. Fest steht: Sportlich haben die deutsche Mannschaft und Bettina Hoy bewiesen, dass sie die Medaillen verdient hätten. Das wird in die Geschichte der Olympischen Spiele eingehen."
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