Buschreiter.de aktuell: Vorschau Olympia
Medaillenhoffnungen in Bestform

Die deutsche Vielseitigkeitsszene richtet mit gespannter Erwartung den Blick nach Athen, wo die heimischen Top-Eventer vom 16. bis 18. August um die Medaillen kämpfen werden. Nach Informationen von buschreiter.de sind alle fünf ausgewählten Paare in ausgezeichneter konditioneller und gesundheitlicher Verfassung (Fotos: Julia Rau).
Anders als bei früheren Championaten ist die Sichtung der Kandidaten nicht durch unerwartete Ausfälle belastet worden. Alle Aspiranten konnten sich mit konstanten Leistungen für ihren Vier-Sterne-Einsatz in Griechenland empfehlen. Insgesamt starten 75 Paare bei der Olympischen Vielseitigkeit in Athen. Wie sich das Starterfeld im einzelnen zusammensetzt, hängt von zwei Kriterien ab: von der persönlichen Qualifikation und von der Anzahl der Startplätze pro Nation. Die persönliche Qualifikation für die Olympischen Spielen besitzt das Reiter-Pferde-Paar, das eine Vier-Sterne-Prüfung (CCI****) oder zwei Drei-Sterne-Prüfungen (CCI***) oder je eine Drei-Sterne- (CCI***) und eine Drei-Sterne-Kurzprüfung (CIC***) absolviert hat. Und zwar mit einem sogenannten Qualifikationsergebnis. Dafür darf das Paar in der Dressur nicht weniger als 50 Prozent der erreichbaren Gutpunkte haben, im Gelände maximal 20 Strafpunkte für Hindernisfehler haben und nicht mehr als 90 Sekunden über der erlaubten Zeit ins Ziel kommen sowie im Springen nicht mehr als 16 Strafpunkte für Springfehler haben. Die Anzahl der Startplätze pro Nation richtet sich nach den Erfolgen der letzten Jahre. Vergeben wurden
insgesamt zehn Team-Startplätze bei den Welt- und Europameisterschaften beziehungsweise bei den Pan-Amerikanischen und Pazifischen Spielen. Hier konnten sich Australien, Belgien, Brasilien, Frankreich, Großbritannien, Irland, Kanada, Neuseeland, Österreich und die USA qualifizieren. Eine weitere Möglichkeit, ein Team zu qualifizieren, bestand über die Olympiarangliste, für die alle Ergebnisse in Drei-Sterne-Prüfungen (CCI*** und CIC***) gewertet wurden. Mit fünf unter den ersten 14 Reitern dieser Rangliste war Deutschland die mit Abstand die stärkste der bisher noch nicht qualifizierten Nationen und darf somit ebenfalls eine komplette Mannschaft nach Griechenland entsenden obwohl ja die direkte Qualifikation als Mannschaft bei der EM in Punchestown nicht gelungen war. Ebenfalls ein Team stellen können auch Italien, Schweden und Polen, jedoch mit vier beziehungsweise drei Startern. Bei den Olympischen Spielen bilden anders als sonst üblich fünf Paare ein Team, von denen die drei besten für das Mannschaftsergebnis berücksichtigt werden. Die Punkte auf der Rangliste wurden erritten von: Bettina Hoy (Platz zwei), Andreas Dibowski (Platz fünf), Frank Ostholt (Platz sechs), Dirk Schrade (Platz sieben) sowie Ingrid Klimke (Platz 14). Den Sprung in die erste Wahl der Olympia-Reiter schaffte nur Dirk Schrade nicht, der nur noch als Reservist fungieren kann. Im Anschluss an die Deutschen Meisterschaften in Bonn-Rodderberg gab der Ausschuss Vielseitigkeit des DOKR die Teilnehmer für die Olympischen Spiele bekannt. Nominiert wurden:
Andreas Dibowski (38), Pferdewirtschaftsmeister. Der gebürtige Hamburger gehört zu den wenigen Berufsreitern in Deutschland, die sich ausschließlich dem Vielseitigkeitssport widmen. Seit 1997 betreibt er einen eigenen Ausbildungs- und Turnierstall in
Döhle in der Lüneburger Heide. Andreas Dibowski hat in den letzten Jahren so viele internationale Erfolge aufzuweisen wie kein zweiter deutscher Vielseitigkeitsreiter. Im Jahr 2000 führte er längere Zeit die Weltrangliste an. 1997 und 2001 nahm er an Europameisterschaften teil und gehörte 2000 bei den Olympischen Spielen in Sydney und 2002 bei den WM in Jerez de la Frontera zum deutschen Team. Andreas Dibowski ist verheiratet und hat zwei Kinder (Alina und Marvin-Luca). Sein Pferd für Athen ist der 13-jährige Hannoveraner Wallach Little Lemon B von Lemon xx (Züchter: Hanke Meyer, Midlum, Besitzer DOKR).
Bettina Hoy (41), Pferdewirtschaftsmeisterin. Bereits 1984 in Los Angeles gehörte die gebürtige Westfälin aus Rheine - damals unter ihrem Mädchennamen Overesch - dem deutschen Team bei Olympischen Spielen an. Hier gab es für sie Mannschafts-Bronze, ebenso wie zehn Jahre später bei den Weltreiterspielen in Den Haag. 1997 verbuchte sie ihren größten persönlichen Erfolg mit dem Gewinn der Goldmedaille bei den EM in Burghley. Im Jahr 2001 fand ihre Hochzeit mit dem australischen Mannschafts-Olympiasieger Andrew Hoy statt, mit dem sie seither einen Ausbildungs- und Turnierstall im britischen Gatcombe betreibt. 2002 holte sich Bettina Hoy mit dem 13-jährigen in Irland gezogenen Schimmelwallach Ringwood Cockatoo (Besitzer: Frederick und Mary Davidson, Australien, und DOKR) ihren ersten Deutschen Meistertitel und wiederholte diesen Erfolg in diesem Jahr in Bonn-Rodderberg. Mit Ringwood Cockatoo wird sie auch die Olympischen Spiele in Athen bestreiten.
Ingrid Klimke (36), Bankkauffrau, Pferdewirtschaftsmeisterin. Wie ihr berühmter Vater Dr. Reiner Klimke ist auch Ingrid Klimke sowohl im Dressur- wie auch Vielseitigkeitssattel zuhause. Drei Mal war sie Deutsche Meisterin in der Vielseitigkeit und gehörte im Jahr 2000 in Sydney zum deutschen Team. Nach einer Babypause knüpfte sie in diesem Jahr wieder an ihre früheren Erfolge an und empfahl sich mit einem zweiten Platz beim CCI*** Saumur und einer Bronzemedaille bei den Deutschen
Meisterschaften in Bonn für eine erneute Olympia-Nominierung. Ingrid Klimke ist verheiratet und hat eine Tochter (Greta). In Athen setzt sie auf den 13-jährigen, im Besitz des DOKR befindlichen englischen Vollblüter Sleep Late, der dreijährig von Dr. Annette Wyrwoll nach Deutschland geholt wurde und 1998 in den Ausbildungs- und Turnierstall von Ingrid Klimke nach Münster wechselte.
Frank Ostholt (28), Diplom-Agraringenieur. Seine ersten Schleifen in der Vielseitigkeit sammelte der gebürtige Warendorfer als Junger Reiter, war unter anderem 1996 Siebter bei deren Europameisterschaften. Im Jahr 2000 stand er auf der Longlist für einen Start in Sydney. Seinen bisher größter Erfolg feierte er im vergangenen Jahr mit dem Sieg bei den Deutschen Meisterschaften in Luhmühlen und gehörte im selben Jahr zum deutschen Team bei den EM in Punchestown. Mit guten Leistungen in Chatsworth, Schenefeld und Bonn-Rodderberg empfahl er sich für eine Nominierung für Athen. Frank Ostholt ist Mitglied der Perspektivgruppe Vielseitigkeit. Ab Oktober übernimmt er die Leitung des DOKR-Bundesleistungszentrums in Warendorf. In Athen sattelt er den erst neunjährigen Hannoveraner Air Jordan von Amerigo Vespucci (Züchter: Horst Wesch, Bad Bederkesa, Besitzer: DOKR, Robert Viertor, Ganderkesee, und Frank Ostholt).

Hinrich Romeike (41), Zahnarzt. Mit seinem Holsteiner Schimmel Marius ist Hinrich Romeike der Shooting-Star des deutschen Aufgebots. Einem zweiten Platz beim Bundeswettkampf (CIC*) 2002 folgten im selben Jahr zwei vordere Platzierungen auf Zwei-Sterne-Niveau (Deutsche Mannschaftsmeisterschaften in Brunnthal und CCIO** Kreuth). Bereits ein Jahr später holte sich Hinrich Romeike die Silbermedaille bei den Deutschen Meisterschaften in Luhmühlen - knapp 20 Jahre nach seinem Vizemeistertitel als Junger Reiter. Als bester Deutscher bei den EM in Punchestown für weitere Aufgaben hoch motiviert, bereitete sich Hinrich Romeike in diesem Jahr gezielt auf einen Start in Athen vor. Mit Unterstützung seiner Familie und seiner Kollegen verkürzte er seine Arbeitszeit in der Praxis, um intensiv trainieren zu können. Beim Weltcupturnier in Luhmühlen wurde er Zwölfter, in Bonn-Rodderberg Vierter der DM. Hinrich Romeike ist verheiratet und hat drei Kinder. Vierbeiniger Partner seines Erfolges ist der zehnjährige Holsteiner Schimmelwallach Marius von Condrieu xx (Züchter: Hans Werner Ritters, Krumstedt, Besitzer: Susanne Romeike).
Als Reservisten wurden in folgender Reihenfolge benannt: Simone Deitermann mit Flambeau H, Peter Thomsen mit The Ghost of Hamish, Adam Liedermann mit Rainbow, Peter Thomsen mit Lost for Words, Dirk Schrade mit Ecrin Raiselle.
Die Vielseitigkeitsprüfung bei den Olympischen Spielen 2004 entspricht dem höchsten internationalen Schwierigkeitsniveau (Vier-Sterne) und besteht bekanntlich aus den drei Teilprüfungen Dressur, Gelände und Springen, die von jedem Reiter-Pferd-Paar bewältigt werden müssen. Dressur: Geritten wird die internationale CCI****-Dressuraufgabe (2002). Gelände: Geritten wird eine Geländestrecke von rund 5.700 Metern in einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 570 Metern/Minute. Die verlangte Bestzeit beträgt 10 Minuten. Die maximale Zahl der einzelnen Sprünge beträgt 45 (hier Bilder vom Markopoulo Olympic Equestrian Centre). Springen: Geritten wird ein Parcours mit einer Länge von 500 bis 600 Metern in einem Tempo von 375 Metern/Minute. Die Zahl der Hindernisse liegt zwischen 11 bis 13, die der einzelnen Sprünge bei 16, maximale Höhe ist 1,20 Meter.
Olympia im Internet: www.athens2004.com/en/Eventing
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