Buschreiter.de — aktuell: Vielseitigkeits-Ausschuss

Jens Adolphsen gibt den Vorsitz ab

VON WOLF-DIETRICH NAHR

Nach vier Jahren geht eine Ära zu Ende: Dr. Jens Adolphsen wird sich nicht mehr zur Wahl als Vorsitzender des DOKR-Vielseitigkeitsausschusses stellen. Eine beruflicher Auslandsaufenthalt hindert den obersten deutschen Busch-Funktionsträger an einer weiteren Amtsperiode. Designierter Nachfolger ist der Mitgesellschafter und Hauptsponsor des Turniers in Luhmühlen, Michael Spethmann.

Adolphsen wird am 1. April 2005 ordentlicher Professor für Internationales Recht an der schottischen Universität Aberdeen. Der Regensburger verlässt dann seinen Rechts-Lehrstuhl, den er in Halle/Saale eineinhalb Jahre inne hatte. Die Familie des vormaligen FN-Justitiars bleibt zunächst in Deutschland — ein Grund, warum sich Dr. Adolphsen aus dem Ausschussvorsitz zurückziehen will: "Wenn ich zwischendurch hier bin, muss ich mich meiner Familie widmen, beides ist nicht miteinander vereinbar, ich will keine halbe Lösung." Ursprünglich sollte eine Entscheidung der Aktiven bereits am Rande des Balls der Vielseitigkeit in Göttingen fallen, doch da war Adolphsens berufliche "Zukunft noch ungewiss". Die Reiter haben sich informell bereits auf Michael Spethmann geeinigt, der selbst im Busch erfolgreich geritten ist. Der Luhmühlen-Gesellschafter ist Chef von Milford-Tee und damit wichtigster Förderer des Events in der Heide vor den Toren Hamburgs. Die endgültige Entscheidung über die Nachfolge fällt am 2. April am Rande des Turniers in Sahrendorf. Hier treffen sich die Mitglieder des A- und B-Kaders, um die Aktivensprecher zu wählen und einen Vorsitzenden vorzuschlagen. Dieser muss dann noch von der DOKR-Mitgliederversammlung im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) Anfang Mai bestätigt werden. Die Amtszeit von Dr. Jens Adolphsen als "Ära" zu apostrophieren, ist keineswegs zu vollmundig: Am Ende lag sportlich die Beinahe-Doppelgoldmedaille, die in Athen nur durch organisatorische und rechtliche Fehlleistungen verloren ging. Für den Noch-Ausschußvorsitzenden ist der sportliche Olympia-Erfolg ein "Beleg für die eindeutige Aufwärtsentwicklung" der deutschen Vielseitigkeitsreiterei. Gerade das kluge und umsichtige Agieren des Busch-Funktionsträgers rund um Olympia 2004 hat Adolphsen großen Respekt und viel Sympathie der Aktiven und Fans eingebracht. Viele bedauern sein Ausscheiden aus dem Amt. Nach zwei Jahren als Aktivensprecher spielte der vormalige Drei-Sterne-Reiter und Rechtswissenschaftler nach den Olympischen Spielen in Sydney 2000 bei der "kleinen Palastrevolution" gegen das Funktionärs-Establishment eine Schlüsselrolle. Die Aufruhr der Aktiven führte dazu, dass nicht nur Martin Plewa und Horst Karsten ihre Bundestrainer-Funktion aufgaben. Praktisch alle anderen Funktionsträger wurden ebenfalls abgewählt oder zogen sich von sich aus zurück. "Die Reiter haben gelernt, welche Macht sie haben und wie sie sinnvoll damit umgehen können", sagte Adolphsen im buschreiter-Interview. Ein entscheidender Einschnitt war die Berufung von Hans Melzer und Christopher Bartle als neue Bundestrainer. Nach einer "völlig verfahrenen Situation" habe sich dann das Verhältnis Trainer-Reiter entscheidend gebessert. "Alle gehen offen, kritisch und konstruktiv miteinander um, eine vernünftige Streitkultur ist entstanden." Mit dem Konzept der neuen Trainer hat der Vielseitigkeits-Spitzensport das Jahre andauernde Krisen-Tal verlassen. Wichtige Impulse für die Entwicklung der Disziplin war zudem die Gründung der Warendorfer Perspektivgruppe, die Etablierung des Youngster-Cups und der enorm gewachsene sportpolitische Einfluss der Deutschen auf internationaler Ebene. Adolphsen: "Wir haben das neue Format der Disziplin entscheidend mitbestimmt." Beispiele: Der Wandel zum Kurzformat, das Weltcup-Projekt und die Weiterentwicklung der Teildisziplin Dressur. Zwei Mal war Bundestrainer Christopher Bartle Autor oder Co-Autor der Sterne-Dressuraufgaben. Christoph Hess sitzt als ordentliches Mitglied im FEI-Eventing-Ausschuss. Dr. Jens Adolphsen bilanziert nach vier Jahren zudem eine noch bessere Zusammenarbeit mit der "hauptamtlichen" Deutschen Reiterlichen Vereinigung in Warendorf und nennt insbesondere Reinhardt Wendt aus der FN-Geschäftsführung, Friedrich Otto-Erley, Leiter des Sachgebiets Turniersport, und Philine Ganders.

Buschreiter-Übersicht
Termin-Startseite
Buschreiter-Shop
Pferdemarkt
Pferde und Reiter

© Verlag Nahr, D-93047 Regensburg/Germany, Weintingergasse 4

Werben in buschreiter.de?

E-Mail
verlag-nahr@buschreiter.de