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Tauziehen um Abraxxas, Teil II

Holtrop: "Verletzungsrisiko zu groß"

VON WOLF-DIETRICH NAHR

Abraxxas-Mitbesitzer Thomas Holtrop begründet sein Startverbot für Ingrid Klimkes Olympiapferd in Stuttgart mit dem Verletzungsrisiko (siehe vorangegangenen Artikel auf dieser Seite).

Der 53-jährige Aufsichtsrat des Medienkonzerns Gruner & Jahr gab im buschreiter-Gespräch nur eine kurze Stellungnahme ab und erklärte sinngemäß, für ihn sei das Risiko einer Verletzung bei einem Start im Rahmen der Indoor-Prüfung in der Schleyer-Halle zu groß. Gleichzeitig bestätigte Holtrop, dass es nach dem Olympiasieg in Hongkong mehrere ernstzunehmende Angebote für FRH Butts Abraxxas von ausländischen Championatsreitern gegeben habe. Sodann unterstrich er, dass er kein "Startverbot" ausgesprochen, sondern von seinem vertraglich vereinbarten "Vetorecht" Gebrauch gemacht habe. Nachdem er eine einstweilige Verfügung gegen den geplanten Start in Stuttgart angekündigt habe, habe "die Gegenseite" den Verzicht auf eine Teilnahme an der Indoor-Prüfung erklärt. Soweit die kurze Stellungnahme des Pferdemitbesitzers.

Thomas Holtrop hält 80 Prozent der "Anteile" an Abraxxas; Ingrid Klimke gehören 20 Prozent. Der Sponsor und die Reiterin haben einen detaillierten Vertrag bezüglich Abraxxas geschlossen. Der sieht nach buschreiter-Informationen vor, dass Holtrop ab 1. Januar 2009 das Pferd verkaufen darf, aber Ingrid Klimke ein "Erstkaufsrecht" in Bezug auf Abraxxas zusteht. Inzwischen ist allgemein bekannt, dass Holtrop und die Reiterin mit ihren Preisvorstellungen sehr weit auseinander liegen.

Ingrid Klimke hat dann die Initiative ergriffen und per buschreiter.de öffentlich gemacht, dass sie einen Pool von Sponsoren bilden will, der die Anteile Holtrops zu einem angemessenen Preis übernehmen soll.

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Tauziehen um Abraxxas

Mitbesitzer verbietet Start und droht mit Gericht

VON WOLF-DIETRICH NAHR

In der Kontroverse um die Eigentumsrechte an dem Olympiapferd von Ingrid Klimke, FRH Butts Abraxxas, ist es jetzt zu einem beispiellosen Eklat gekommen: Mitbesitzer Thomas Holtrop hat der Mannschaftsolympiasiegerin von Hongkong unter Androhung rechtlicher Konsequenzen einen Start bei der Hallen-Vielseitigkeit in Stuttgart untersagt. Hintergrund: Ingrid Klimke versucht im Moment, mit Sponsorenhilfe ein Vorkaufsrecht für die Holtrop-Anteile an Abraxxas auszuüben.

Am heutigen Vormittag (17. November 2008) hat Ingrid Klimke eine Pressemitteilung verbreitet. Darin heißt es, der Miteigentümer des Olympiapferdes Butts Abraxxas FRH, Thomas Holtrop, habe der Reiterin Ingrid Klimke unter Androhung eines Antrages auf Erlaß einer einstweiligen Verfügung die Zustimmung zum Turnierstart in der Stuttgarter Schleyerhalle am kommenden Mittwoch verweigert.

"Die Verweigerungshaltung von Herrn Holtrop zum Start in Stuttgart ist der vorläufige Höhepunkt in der Auseinandersetzung innerhalb der Eigentümergemeinschaft Klimke/Holtrop. Die Reiterin Ingrid Klimke versucht bereits seit längerer Zeit mit Hilfe von Sponsoren die restlichen Anteile an dem Pferd Butts Abraxxas FRH zu erwerben, um das Pferd weiter im Sport und hoffentlich bei den kommenden Championaten reiten zu können", heißt es in der Pressemitteilung.

Der Miteigentümer Herr Holtrop verfolge hingegen das Ziel, "seinen Anteil an dem Pferd ausschließlich gewinnbringend zu veräußern", lässt Ingrid Klimke mitteilen. Die Vorstellungen über den tatsächlichen Wert des Pferdes lägen weit auseinander. Die erhebliche Wertsteigerung des Pferdes sei "unstreitig ausschließlich der Ausbildung von Ingrid Klimke zuzurechnen, die nunmehr Sponsoren suchen muss, damit sie das Pferd weiter reiten kann".

Ingrid Klimke hätte Butts Ábraxxas FRH sehr gerne in der Schleyerhalle präsentiert, weil er die olympischen Spiele gut verkraftet habe und sie das tolle Publikum und die Sponsoren in der Schleyerhalle sehr schätzt. Sie werde aber nicht gegen die grundlose und erstmals bereits nach Nennungsschluss ausgeübte Verweigerungshaltung von Herrn Holtrop vorgehen, da immer noch die Hoffnung auf eine gütliche Einigung bestehe. Deshalb müsse Ingrid Klimke leider den Start in Stuttgart schweren Herzens absagen.

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Lesermeinungen

Produkt des Vertrauens zum Reiter

Es ist moralisch sicher eine Frage der Verhältnismäßigkeit. Gerechterweise hätte Ingrids Anteil an Braxxi mit dem Olympiasieg ähnlich einer Geldinvestition automatisch steigen müssen. Welche Leistung hat ein Herr Holtrop außer des Hinblätterns von Scheinen vorzuweisen? Körperliche Arbeit ganz bestimmt nicht, einmal davon abgesehen, dass er selbst bei leidenschaftlichem reiterlichem Interesse nicht in der Lage wäre, solch einen Ferrari zu händeln.

Und es ist äußerst bedauerlich, dass es am Geschöpf Pferd keine Schraube gibt, an der man den durch Arbeit- und zwar harte und auch für Reiter und Pferd risikoreichen investierten Erfolg wieder zurückdrehen kann. Es wäre doch recht witzig, wenn man dem Mitbesitzer dann sein Pferd im "ursprünglichen" Zustand wieder zukommen lassen könnte! Vielleicht würde dann auch ein Herr Holtrop einmal helle werden.

Leider ist die von ihm angewandte Praxis in unserer Szene jedoch weit verbreitet, und leider auch aufgrund der Geldknappheit der meisten Buschreiter nicht zu vermeiden. An ein richtig gutes Pferd heranzukommen, bei dem auch noch die Chemie zwischen Pferd und Reiter stimmt, ist eben leider nicht so einfach, Vielseitigkeitspferde sind immer auch das Produkt des Vertrauens zu ihrem Reiter. Aus diesem Grund sollte man solch einen 80/20-Vertrag eigentlich als sittenwidrig einstufen.

Ich hoffe für Ingrid, dass es ihr gelingt, genug Sponsoren aufzutreiben, um dem Herrn den Hals zu stopfen und das Pferd weiter reiten zu können.

Heidi Hecker

 

Wer lässt da den "Goldesel" springen?

Was soll die Heulerei? Das hat Frau Klimke doch vorher gewusst, was passieren kann, wenn eine weitere Person Anteile an ihrem Pferd (und hier sogar 80%) besitzt!!! Sie hat doch als erwachsener Mensch auch vorher gewusst, dass ihre hervorragende Ausbildung dieses talentierten Pferdes in jedem Fall wertsteigernd enden wird!!!

Es ist einfach charakterschwach, jetzt wo das Kind (Pferd) im Brunnen liegt, nachzukarten und den Mitbesitzer in schlechtes Licht über die Medien zu setzen. Der Andreas Dibowski hat das doch nun wahrlich hart spüren müssen, wie es ist, ein Pferd zur Spitze zu bringen und dann von diesen geldbesessenen Besitzern/Mitbesitzern zu Olympia im Stich gelassen zu werden. Wenn ich 80% an diesem großartigen Pferd hätte und ab Januar 2009 verkaufen könnte, würde ich den "Goldesel" auch nicht mehr in der Schleyerhalle "hüpfen" lassen - Sie etwa?

Jürgen Lindner

Dazu erklärt Andreas Dibowski:

In meinem Fall handelt es sich in keinster Weise um eine geldgierige Besitzerin, die mich kurz vor Olympia im Stich gelassen hat. Vielmehr stand und stehe ich voll hinter der Meinung meiner Pferdebesitzer und akzeptiere in vollem Umfang auch deren eigenen Belange in Bezug auf die Zukunftsplanung ihrer Pferde.

 

Welcome to the real world…

Olympia war eben doch kein Traum, sondern Wirklichkeit. Und so wirken sich die Erfolge aus HongKong jetzt in Euro und Dollar aus. War das u.a. nicht auch Sinn des Engagements?

Dass jetzt ein „Investment“ eines Herrn Holtrop (immerhin lange Jahre Bankvorstand) auch mal Geld abwirft, ist nicht verwerflich. Die Buschszene ist allerdings so weit idealisiert, dass der Verkauf eines Champions aus ökonomischen Gründen und zum Schaden einer Olympiasiegerin undenkbar ist. Viele von uns lieben das Buschreiten gerade wegen dieser „amateurhaften“ Atmosphäre. Dass wir jetzt lernen müssen, dass Geld die Regeln bestimmt, ist hart, war aber zu befürchten. Wir wurden alle desillusioniert. Schade!  

Stephan Kinne

 

Welches Gewinnstreben verhältnismäßig?

Wenn die Vereinbarung so ist, daß Thomas Holtrup seinen Anteil als Investition betrachtet, ist es sehr verständlich, daß er sein Risiko jetzt minimieren und das Pferd gewinnbringend verkaufen möchte. Das wird auch jeder Reiter verstehen, schließlich wäre es schön, wenn mehr Investoren sich dazu durchringen könnten, auf diese Weise gute Reiter zu unterstützen und ihnen die Möglichkeit zu geben, Pferde in den Sport zu  bringen. 

Fraglich ist - in diesem Fall wohl besonders - die Verhältnismäßigkeit: Sollte ein Investor damit zufrieden sein, seine Investition, die nebenbei ja bestimmt auch Spaß gemacht hat, zu verdoppeln oder zu vervierfachen, oder ist es noch moralisch, eine 10- oder 15fache Kapitalvermehrung anzustreben, die dann der betroffene Reiter auch mit Sponsorengeldern nicht realisieren kann? Auf eine solche Gier ist ein ambitionierter Reiter wie Ingrid Klimke wohl leider auch nicht vorbereitet gewesen.

Carola Bierlein

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