Buschreiter. de Ð aktuell: WM-Vorschau Aachen

"Wir gehören zu den Favoriten"

VON WOLF-DIETRICH NAHR

ãWir stellen schon den Anspruch, dass wir Medaillen gewinnen wollen, wir gehšren zu den Favoriten.Ò So ordnete Bundestrainer Hans Melzer im exklusiven buschreiter.de-Interview die Rolle der sechs deutschen Eventer wenige Tage vor dem Start der Weltreiterspiele in Aachen ein.  Die EinschŠtzung des Coaches kurz vor dem abschlie§enden Trainingslager in Warendorf:  Alle Reiter und Pferde sind in Bestform und richtig ãhei§Ò auf ihren WM-Auftritt  vor dem vielkšpfigen heimischen Publikum (Archivfotos Julia Rau, Wolf-Dietrich Nahr).

ãDas nštige GlŸck gehšrt natŸrlich dazu, aber alle sind in der Lage, abrufbare Leistungen zu bringenÒ, sagte Hans Melzer. Soll Aachen die Antwort auf Athen, eine Art  Revanche fŸr die vielleicht als ungerecht empfundene Aberkennung der Olympia-Goldmedaillen werden? Der Bundestrainer hŠlt diese Vorstellung fŸr ein Medienkonstrukt. ãWir haben ja in Blenheim gezeigt, dass Athen keine Eintagsfliege, die Leistung zwei Jahre vorher kein Zufall war. Es geht um Aachen, nicht um eine Revanche fŸr Athen. Jetzt wissen wir, dass wir es kšnnen. NatŸrlich ist der Druck im eigenen Land gro§, aber das Selbstbewusstsein ist noch grš§erÒ, sagte der Bundestrainer im buschreiter.de-Interview. ãAthen ist bei mir schon lange abgehakt, das war schon vor Blenheim kein Thema mehrÒ, sagte Frank Ostholt.  Eigentlich mšchte sich der Warendorfer eine Prognose in Bezug auf die Chancen der deutschen Vielseitigkeitsreiter bei den Weltreiterspielen verkneifen. ãEine heikle Frage, persšnlich mag ich es eigentlich nicht, gro§e Tšne zu spucken, ich mšchte das lieber sportlich unter Beweis stellen.Ò Allerdings erkennt Frank Ostholt, dass die Deutschen mit einer ãunglaublich starken KernmannschaftÒ antreten, die nun bei drei internationalen Championaten mit wiederholbaren Top-Leistungen aufgefallen sei. Frank Ostholt: ãWir haben eine reelle Chance auf eine Medaille fŸr die Mannschaft. Welche Farbe die dann haben wird, ist eine andere Frage.Ò Auch Ingrid Klimke mšchte sich mit einer Prognose zurŸckhalten, solange sie den RŸdiger-Schwarz-Kurs in Aachen noch nicht gesehen hat. ãWenn alles gut lŠuft, dann haben wir eine Chance, vorne dabei zu sein, aber es kann so viel passieren.Ò Immerhin sei die Vorbereitung von Reitern und Pferden ãoptimal gelaufenÒ. ãMehr kann man nicht tunÒ, so Ingrid Klimke im buschreiter-GesprŠch. Sie selbst spŸrt eine ãhervorragende FormÒ, nachdem sie eine RŸckenprellung Ð die hat sie sich zwei Wochen vor der Deutschen Meisterschaft in Schenefeld beim Training zugezogen Ð sehr gut auskuriert hat. Den Vorbeilaufer von Sleep Late (ãer ist topfitÒ) bei der Weltcup-Qualifikation fŸhrt sie auf ihre eigene UnpŠsslichkeit nach dem Trainingssturz zurŸck. ãDas war nicht wirklich beunruhigend, das gehšrt zum SportÒ, sagte Ingrid Klimke. Der englische VollblŸter hat nach seinem 2. Platz in Badminton vier Wochen Pause genossen und dann bei Spring- und DressurprŸfungen auf M-Niveau so manche Platzierung eingefahren. Schlie§lich schnupperte er bei der WM der jungen Dressurpferde in Verden und am Rande des Bundeswettkampfes in Bad Harzburg TurnieratmosphŠre. ãIch freue mich sehr auf Aachen.Ò Die Einstimmung auf die Weltreiterspiele passiert bereits am heutigen Dienstag (15. August) in Warendorf: Die deutschen Vielseitigkeitsreiter werden ihr einheitliches Outfit bekommen. Bundestrainer Hans Melzer erwartet dann am Donnerstag Bettina Hoy und Ringwood Cockatoo in der Bundeshauptstadt des Reitsportes. Andreas Dibowski und Hinrich Romeike werden am Freitag eintreffen Ð offiziell der erste Tag des abschlie§enden Trainingslagers in Warendorf. An diesem steht erst einmal Dressurarbeit auf dem Programm, nachdem Frank Ostholt am Montag noch eine Dressureinheit mit Cornelia Endres, Dressurtrainerin der deutschen Pony-Reiter, durchlaufen hat. Am Samstag fahren die WM-Paare dann eine knappe Autostunde in die NŠhe von OsnabrŸck, wo die letzte Galopparbeit bergauf geplant ist. Am Sonntag wird das WM-Team nur leichte Arbeit erwarten, weil die Jockeys und Trainer an der Eršffnungsfeier der Weltreiterspiele teilnehmen werden. Den Abschluss des Trainingslagers bildet am Montag das Parcourstraining, bevor die Paare dann die Fahrt zum Aachener Turnierort antreten werden. Die Reservisten werden nicht am Abschlusstraining in Warendorf teilnehmen. Sollte dort mit einem der nominierten Pferde ein Problem auftreten, dann kann der erste Reservemann Peter Thomsen mit The Ghost of Hamish immer noch einrŸcken. ãHier im Inland ist das kein ProblemÒ, sagte Hans Melzer. Noch ist nicht entschieden, ob Peter Thomsen mit dem Pferd beim Klassiker in Burghley Anfang September an den Start gehen wird. Bei dem Vier-Sterne-Event werden aller Voraussicht nach und gemЧ den Angaben des Bundestrainers Anna Warnecke mit Twinkle Bee, Bettina Hoy mit Peacefull Warrior und Harald Fechner mit Per Cherac dabei sein, wŠhrend Stefanie Thompson JeckoÕs Delight in Blenheim ins Rennen schicken will, wie Anna Warnecke ihren Ibble Dibble. Die fŸr Aachen nominierten Reiter werden den Samstag mit gro§er Spannung erwarten: In Warendorf wollen die Bundestrainer dann mit den Aktiven besprechen, wer voraussichtlich im Team und wer als Einzelreiter starten wird. ãDas wird sehr schwer, weil wir uns unter sechs sehr ausgeglichenen Reitern mit fast identischen Ergebnissen entschieden mŸssenÒ, sagte Hans Melzer. Traditionell sind die Mannschafts-StartplŠtze sehr begehrt, weil mit ihnen eine doppelte Medaillenchance verbunden ist und eine entsprechende Nominierung als absoluter Karrierehšhepunkt gilt. ãDas sind sechs superstarke Paare, die alle gut genug fŸr die Mannschaft sind, ich glaube, das wird eine sehr schwere Aufgabe fŸr die TrainerÒ, so Frank Ostholt. ãMit denen mšchte ich nicht tauschenÒ, sagte Ingrid Klimke. Sie ist Ÿberzeugt, dass das geschlossene Team die Stimmung hochhalten wird, nachdem die Mannschafts- und Einzelreiterentscheidung gefallen ist. In der RŸckschau bekennt sie, dass sie in Blenheim deutlich ãabgeschlucktÒ habe, als sie sich auf einen Einzelreiterstart beschrŠnken musste und nicht in der Mannschaft antreten durfte. Dennoch trat Ingrid Klimke die Heimreise mit einer Medaille an, wŠhrend ihr beispielsweise durch den Teamstart in Sydney Ð bei einem anderen Modus Ð die Einzelmedaille durch die Lappen gegangen ist. Hans Melzer und Christopher Bartle werden dann sicher in Absprache mit  dem DOKR-Vielseitigkeitsausschuss am Mittwoch (23. August) nach der VerfassungsprŸfung offiziell entscheiden, wie letztlich die Rollenverteilung aussehen wird. Eine Pferde-Personalie wird mšglicherweise in letzter Sekunde bekannt werden: Reitet Andreas Dibowski Little Lemon oder Serve Well? Beide Vierbeiner reisen voraussichtlich in Aachen an. ãLetztlich muss das Andreas mit entschiedenÒ, so Hans Melzer im buschreiter.de-GesprŠch. Er schŠtzt beide Pferde gleich stark ein, wŠhrend Serve Well wegen der Exterieur-Vorteile potenziell bessere Dressurchancen habe. Theoretisch kšnnte Dibo die Pferde noch eine Stunde vor Beginn der Dressur tauschen, so der Bundestrainer. Alle WM-Pferde sind nach der DM in Schenefeld einem eingehenden Vetcheck mit Ultraschall-Tests und einer klinischen Untersuchung unterzogen worden. Hans Melzer: ãAlle Pferde sind top in Schuss.Ò

Buschreiter.de/Wolf-Dietrich Nahr

 

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