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Buschreiter.
de – aktuell: Vorschau Weltreiterspiele
Deutsche
genie§en Favoritenstatus
VON WOLF-DIETRICH NAHR
Die
Deutschen Favoriten im eigenen Land? Die heimischen Eventer haben nach einer
sehr Ÿberzeugenden Sichtungssaison mit Highlights bei den Vier-Sterne-Turnieren
in Badminton und LuhmŸhlen sowie bei der Weltcup-Qualifikation in Schenefeld
sicher das Potenzial, um bei der WM in Aachen (20. August bis 3. September)
eine ma§gebliche Rolle zu spielen. Und dann ist da noch eine Rechnung offen:
Die sportliche Antwort auf die Aberkennung der olympischen Goldmedaillen in
Athen 2004 (Archivfotos Julia Rau und Wolf-Dietrich Nahr).
Man erinnert sich: Nach
tollen Dressurleistungen und Ÿberragenden GelŠnderitten schienen Bettina Hoy
und dem deutschen Team in Griechenland die Goldmedaillen so gut wie sicher zu sein.
Letztlich nicht durch einen Reiterfehler, sondern als Folge eines heillosen
Durcheinanders beim Anklingeln von Bettina Hoy und Ringwood Cockatoo (Foto) und durch
eine hšchst umstrittene sportgerichtliche Entscheidung wurden den Deutschen die
Goldmedaillen wieder aberkannt. ãHier wollen wir die sportliche Antwort geben.
Das wird das ganz gro§e Highlight, und unser Team freut sich riesig daraufÒ,
sagte Bettina Hoy. Sie gehšrt nach wiederum bestechenden Leistungen in dieser
Saison mit Ringwood Cockatoo wieder dem WM-Aufgebot an – mit ihr weitere
Paare des legendŠren Gold-Teams von Athen: Ingrid Klimke und Sleep Late,
Andreas Dibowski und Little Lemon (nominiert auch mit Serve Well), Frank
Ostholt und Air Jordan und Hinrich Romeike und Marius. Der sechste WM-Kandidat
ist Dirk Schrade mit Sindy. Er Ÿberzeugte die Bundestrainer Hans Melzer und
Christopher Bartle am Ende bei der letzten Sichtung in Schenefeld im Vergleich
mit seinen Wettbewerbern Peter Thomsen und Anna Warnecke mit besseren
Leistungen in allen drei Teildisziplinen.
Course Designer RŸdiger Schwarz (56, hier mit Mark Phillips), selbst vormaliger
ãInternationalerÒ und WM-Mannschaftssilbermedaillengewinner (1982), hat einen
echten Weltmeisterschafts-Kurs entwickelt, der die global besten Eventer vor
kniffeligen Aufgaben stellen dŸrfte: 30 Hindernis-Komplexe mit 45 SprŸngen,
drei Mal feuchtes Nass und mit 6270 Metern etwas kŸrzer als der englische
Klassiker Badminton, bei dem drei deutsche Paare im Mai eine sehr gute Figur
abgegeben haben. RŸdiger Schwarz hat eine der schwierigsten Aufgaben zu lšsen
gehabt, die sich einen Cross Designer in der Vielseitigkeitsszene stellt:
Einerseits muss er einen WM-Kurs abliefern, der der Top-Gilde der Eventer mit
dem amtierenden Weltmeister Jean Teulere aus Frankreich (Bei der Ehrenrunde in Jerez) und dem derzeit weltbesten
Vielseitigkeitssportler Andrew Hoy an der Spitze echte Herausforderungen
bietet; andererseits haben auch Buschreiter aus ãSchwellenlŠndernÒ und nicht
gerade klassischen Vielseitigkeitsregionen Tickets fŸr Aachen erworben –
ein Dilemma, das sich nur durch eine ausreichende Zahl von leichteren, aber
zeitraubenden Chicken Ways auf dem Weg von der Startbox bis Ÿber die Ziellinie
lšsen lŠsst. Hinzu kommt, dass auf den GelŠndebauern auch durch die kritischen
Augen der eigenen Gilde traditionell ein hoher Druck lastet. Niemand mšchte
sich nachsagen lassen, dass er den Anforderungen eines Championates nicht
gerecht geworden ist. RŸdiger Schwarz' Testkurse 2005 in Aachen, aber auch beim
CIC*** in Kreuth waren durch die technischen Anforderungen nicht všllig unumstritten
gewesen. Der GelŠndebauer wird sich das Aufgebot fŸr die WM in Aachen in den
vergangenen Monaten noch einmal genau vor Augen gefŸhrt haben: Reiter und
Pferde aus vier Kontinenten und 25 LŠndern, insgesamt 95 Paare.
Titelverteidiger auf der Mannschaftsebene sind die US-Amerikaner, wiederum
trainiert von Mark Phillips. Der Coach wird froh darŸber sein, dass er erneut
eines der besten Paare weltweit aufbieten kann: Kimberly Severson und den in
England gezogenen Winsome Adante. Beide haben drei Mal den Klassiker Lexington
gewonnen und von den Olympischen Spielen in Athen Team-Bronze und Einzel-Silber
im TrophŠenschrank. Ihr wird Bettina Hoys Ehemann Andrew sicher nichts
schenken. In diesem Jahr ist er zu einer Superform aufgelaufen, die ihn die
Vier-Sterne-Events in Lexington und Badminton hat gewinnen lassen. Ein Sieg in
Burghley Anfang September und kurz nach der WM wŸrde fŸr ihn den Extra-Bonus
von 250000 US-Dollar aus dem Rolex-Grand Slam bringen. Andrew Hoy und seine
Teamkollegen aus Australien haben 1992, 1996 und 2000 Mannschaftsgold bei
Olympia gewonnen. Weltmeister Jean Teulere gilt nicht unbedingt als Favorit fŸr
einen erneuten Titel: Nach Jerez hat man von dem smarten Franzosen in der
internationalen Vielseitigkeitsszene au§erhalb Frankreichs wenig gehšrt. Im
letzten Jahr musste der 52-JŠhrige pausieren, nachdem er sich bei einem Sturz
im Training das SchlŸsselbein gebrochen hatte. Nun ist er zwar wieder topfit,
aber ein erneuter WM-Titelgewinn hat wenig Vorbilder: Dieses KunststŸck gelang
nur Bruce Davidson (1974 und 1978) und Blyth Tait 1990 und 1998. Fraglos haben
wiederum die Briten als die absoluten Favoriten zu gelten: Sie haben bisher 19
(!) internationale Championate gewonnen, zuletzt die EM in Blenheim. Allerdings starten die Briten in Aachen mit dem
Handicap, dass sie auf ihre stŠrkste Eventerin verzichten mŸssen: Pippa Funnell
musste Primmore's Pride, den Sieger von Lexington, Badminton und Burtghley,
verletzungsbedingt zurŸckziehen. An ihre Stelle tritt die Championats-Novizin
Sharon Hunt, die mit Tankers Town in Badminton mit einem 6. Platz fŸr Aufsehen
gesorgt hatte. Die Eventer aus dem Mutterland des Vielseitigkeitssports kšnnen
auf gro§e Routiniers bauen: Mary King (mit Call Again Cavalier) und William
Fox-Pitt (mit Tamarillo). Hinzu kommen zwei hoffnungsvolle Newcomer: Der
24-jŠhrige Olli Townend (3. in Badminton) und Daisy Dick (11. bei der EM in
Blenheim). Neben den Vielseitigkeits-Gro§mŠchten dŸrfen auch Exoten zu den
Weltreiterspielen: Samantha Albert ist die einzige ReprŠsentantin von Jamaica
und Pepo Puch (Foto) firmiert wieder als Teilnehmer Kroatiens, aber der EM-, Olympia-
und Badminton-Reiter ist in Wahrheit …sterreicher mit gewissen kroatischen
Familienwurzeln. Er startet seit Jahren unter kroatischer Flagge, weil er sich
mit dem alpenrepublikanischen Verband Ÿberworfen hat. Au§erdem schickt Belarus
zwei Eventer nach Aachen: Iryna Lis und Svetlana Yevshchik. Inzwischen hat sich das kurze
Format in der internationalen Vielseitigkeitsszene voll etabliert: Nachdem bei
Olympia 2004 erstmals auf die Rennbahn und die beiden Wegestrecken –
Elemente der klassischen langen Military – verzichtet worden war, finden
in Aachen die ersten Weltreiterspiele ohne Steeplechase statt. Die Puristen vor
allem in England und in den USA mšgen diesen Umstand beklagen, aber der Wandel
des Formates – letztlich auf FEI-Ebene auch durch einflussreiche deutsche
Offizielle propagiert – ist offensichtlich unumkehrbar. Es gibt Anzeigen
dafŸr, dass der Wegfall des extremen Ausdauerelements und der Rennbahn-Anforderung
die deutschen Eventer begŸnstigt – wegen der QualitŠten der heimischen
Zuchtprodukte und des bemerkenswerten Levels, das die deutschen
Vielseitigkeitsreiter bei der Dressur und beim Springen an den Tag legen. Trotz
Format-VerkŸrzung ist die WM-Vielseitigkeit natŸrlich ein echter
Three-Day-Event – besser ein Four-Day-Event: Die Teildisziplin Dressur
wird am Donnerstag und Freitag, 24. und 25. August, jeweils von 9 bis 17 Uhr
abgefragt werden. Der Samstag, 26. August, gehšrt dem GelŠnde (9 bis 16 Uhr).
†ber die Vergabe der Medaillen wird beim abschlie§enden Springen (14 Uhr bis
17.15 Uhr) entschieden werden. ãWegen der gro§en Ticketnachfrage haben wir das
Vielseitigkeitsspringen in unser Hauptstadion verlegtÒ, so Michael Mronz,
Sprecher des WM-Organisationskomitees. Damit kšnnen 40000 Zuschauer am Sonntag
bei Finale dabeisein.
© Verlag Nahr, D-93059 Regensburg/Germany, Wöhrdstr. 49
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